Deutschland im Football-Fieber | Sport | DW | 05.02.2017
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American Football

Deutschland im Football-Fieber

Der Super Bowl elektrisiert auch die Fans in Deutschland. In Sportbars oder auf privaten Super-Bowl-Partys werden sie das Finale mitverfolgen. Doch auch sportlich tut sich in Deutschland etwas auf dem Footballfeld.

Touchdown, Fumble, Line of Scrimmage - diese Begriffe sind deutschen Sportzuschauern längst nicht mehr fremd. American Football ist - zumindest was den TV-Konsum angeht - eine neue Trendsportart für viele Deutsche. Die Zuschauerzahlen bei den NFL-Übertragungen im Free TV steigen stetig, auch in den sozialen Medien muss sich Football keineswegs verstecken. Deutschland ist im American-Football-Fieber, die Fans fiebern dem Super Bowl am Sonntag entgegen, auch wenn der Kick Off zur Partie zwischen den Atlanta Falcons und den New England Patriots nach deutscher Zeit sehr spät erfolgt und eine Nachtschicht angesagt ist. Und nicht nur auf Chips- und Colakonsum hat das Football-Fieber in deutschen Wohn- und Jugendzimmern einen positiven Einfluss. Auch der Sport, der in Deutschland ein Exotendasein führt, profitiert.

So haben sich die Mitgliederzahlen des American Football Verband Deutschland (AFVD) seit 2007 fast verdoppelt. "Offensichtlich hat die Jugend gemerkt, was für eine spannende Sportart das ist", sagt Christian Piwarz, der Pressesprecher des AFVD, über das steigende Interesse. Aber von einem ganz neuen Phänomen will er nichts wissen: "Wir hatten schon Ende der 90er Jahre einen German Bowl [Anm. d. Red.: Finale um die deutsche Meisterschaft] mit über 30.000 Zuschauern in Hamburg." Dieser Zuschauerrekord von 1999 steht bis heute.

Gleichzeitig hat der deutsche Football Schwierigkeiten, gegen das alles überstrahlende Original aus den USA anzukommen: Denn obwohl Kinder und Jugendliche den Football für sich entdecken, bleibt das Interesse an der German Football League (GFL) verhältnismäßig bescheiden. Der Großteil der Zuschauer guckt sich doch lieber die NFL im Fernsehen an. Das liegt vor allem am Klassenunterschied zwischen den beiden Ligen. Allein vom Sport kann in Deutschland wohl kaum ein Footballspieler leben, darunter leidet die Qualität. Besonders für junge talentierte Spieler ist der Reiz, auf einem amerikanischen College zu spielen, daher groß. Von dort hat man eine deutlich bessere Chance, es in die NFL zu schaffen.

Werner will junge Talente in die USA vermitteln

Bjoern Werner NFL Florida State Seminoles (Getty Images)

Björn Werner spielte in Florida auf dem College und ab 2013 drei Saisons für die Indianapolis Colts

Das beweisen auch die Beispiele Sebastian Vollmer, Markus Kuhn und Björn Werner. Die drei deutschen Football-Profis waren in den vergangenen Jahren in der NFL aktiv. Kuhn und Werner haben ihre Karrieren wegen fehlender Vertragsangebote und anhaltender körperlicher Probleme kürzlich beendet. Vollmer, Superbowl-Champion im Jahr 2015, fehlt den Patriots seit Monaten wegen einer Verletzung. Alle drei schafften es, die NFL-Scouts durch ihre Leistungen für renommierte College-Teams auf sich aufmerksam zu machen. Ein Weg, den sie auch anderen deutschen Talenten empfehlen würden. Werner hat sogar eine eigene Agentur gegründet, die internationale Football-Talente betreut und ihnen dabei hilft, im US-Nachwuchs-Football Fuß zu fassen.

"Man sollte den jungen Talenten alle Möglichkeiten geben, in die USA zu gehen", sagt auch Markus Kuhn. "Und hoffentlich kommen sie irgendwann wieder - als Fans, als Spieler oder Coaches - und bringen den Sport weiter, genauso, wie wir es beim Eishockey und Basketball gesehen haben." Kuhn hat vier Jahre als NFL-Profi in New York sein Geld verdient und meint: "Das American-Football-Level in Deutschland hat sich verbessert, weil das Coaching besser geworden ist. Aber ich glaube trotzdem, dass wir noch nicht da sind, wo wir eigentlich sein sollten und könnten."

Verband mit breiter Basis

Österreich Eurobowl Raiders vs. Braunschweig in Innsbruck (picture-alliance/CITYPRESS24)

In Deutschland sind die in rot spielenden Braunschweig Lions seit Jahren bestes Team

Bis die GFL für talentierte Spieler eine echte Alternative zu einem US-College darstellt, ist es noch ein langer Weg. Im Vergleich zu anderen europäischen Football-Verbänden ist der AFVD jedoch gut aufgestellt. Über 200 Mannschaften sind in sechs Ligen organisiert, auch der Eurobowl, das Endspiel der European Football League (EFL), wird vom deutschen Verband ausgerichtet. Er ist eine Art Europapokal im Football und findet in diesem Jahr im Oktober in Portugal statt.

Am Sonntag aber ist zunächst mal der Super Bowl an der Reihe, die Mutter aller Football-Spiele. Und auch wenn diesmal kein Deutscher auf dem Feld steht, so werden doch viele Deutsche dabei sein und - ob in der Sportbar, im eigenen Wohnzimmer oder bei einer der zahlreichen privaten Super-Bowl-Partys - intensiv mitfiebern.

asz/sn (dpa, sid)

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