Deutscher Buchpreis 2013 – die Favoriten | Kultur | DW | 11.09.2013
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Kultur

Deutscher Buchpreis 2013 – die Favoriten

Wer ihn bekommt, dem sind Traumauflagen und internationale Aufmerksamkeit sicher. Der Deutsche Buchpreis gilt als Prestigeprojekt der Branche. Wir stellen die sechs Romane vor, die ins Rennen um die Auszeichnung gehen.

Der Deutsche Buchpreis wird seit 2005 traditionell am Vorabend der Frankfurter Buchmesse verliehen und ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert. Die Auszeichnung orientiert sich an internationalen Vorbildern wie dem französischen Prix Goncourt und dem britischen Booker Prize. Ziel ist es, deutschsprachige Literatur besonders im Ausland bekannter zu machen.

Die siebenköpfige Jury setzt in diesem Jahr vor allem auf bewährte, aber nicht allzu bekannte Namen. Schaut man sich die sechs nominierten Romane an, wird deutlich: Doppelbödige Familien- und Beziehungsgeschichten dominieren die Auswahl. Das Persönliche, Private scheint immer weniger Halt zu bieten. Viele Bücher kreisen thematisch um Tod und Verlust. Folgende Romane stehen zur Wahl:

Mirko Bonné: "Nie mehr Nacht", Schöffling & Co. Verlag

Den 48-Jährigen kennen bisher nur eingefleischte Literaturliebhaber. Dabei ist Mirko Bonné ein literarischer Tausendsassa. Der Hamburger arbeitet als Journalist, ist Übersetzer und veröffentlichte bereits preisgekrönte Lyrikbände. "Nie mehr Nacht" ist sein fünfter Roman: Ein Mann fährt mit seinem pubertierenden Neffen an die französische Atlantikküste. Er soll für ein Magazin jene Brücken in der Normandie zeichnen, die bei der Landung der Alliierten 1944 kriegsentscheidend waren. Doch eigentlich flieht er vor der Trauer um seine verstorbene Schwester. Mit ihr verband den Eigenbrötler mehr als nur Geschwisterliebe. Bonné verwebt eine private Tragödie mit einer historischen. Eine tranceartige Road-Novel über Narben – in der Seele und in der Landschaft.


Reinhard Jirgl: "Nichts von euch auf Erden", Hanser Verlag

Er ist der renommierteste Autor auf der diesjährigen Shortlist und sein Roman der wohl ungewöhnlichste der Saison. Büchner-Preisträger Reinhard Jirgl liefert mit "Nichts von euch auf Erden" einen Science-Fiction-Roman mit philosophischem Tiefgang: In der Zukunft ist die Erde von Menschen bevölkert, die wegen eines genetischen Defekts friedlich dahindämmern. Die Mächtigen sind längst auf den Mars umgesiedelt. Hier leben sie in gigantischen unterirdischen Städten. Sie beuten die Schwachen aus, stecken sie in mörderische Arbeitslager. Alles dient nur dem einen Zweck: die Oberfläche des roten Planeten bewohnbar zu machen. Vergeblich. Der Kampf um die beste aller Welten – ist er überhaupt zu gewinnen? Jirgl wirbelt in seinem Roman mit Worten, schert sich weder um Grammatik noch um Gewissheiten. Am Ende dieser Dystopie bleiben nur noch lebende, von Adern durchzogene Bücher übrig. Sie schreiben sich selbst fort und brauchen den Menschen nicht mehr. Luzider kann man die Kraft der Worte nicht feiern.


Clemens Meyer: "Im Stein", S. Fischer Verlag

Porträt Clemens Meyer

"Literatur, die weh tut" – so umschrieb der Leipziger einmal sein eigenes Werk. Auch sein neues Buch geht an Grenzen, überschreitet diese sogar. Clemens Meyer taucht ein in die Schattenwelt der Prostitution. Huren, Zuhälter, Freier – sie alle kommen zu Wort. Drastische, detailgenaue Beschreibungen wechseln mit inneren Monologen und Träumen. Clemens Meyer entwirft eine schwindelerregende Collage jenseits von Milieu-Romantik, hart an der Grenze des Erträglichen. Damit wird der 36-Jährige seinem Ruf als Enfant terrible der Literaturszene vollauf gerecht. Niemand schreibt so authentisch über Exzess und Entgrenzung wie er. Das wurde 2008 schon einmal belohnt - damals mit dem Preis der Leipziger Buchmesse. Vielleicht folgt jetzt mit dem Deutschen Buchpreis der endgültige Ritterschlag.


Terézia Mora: "Das Ungeheuer", Luchterhand Verlag

Die gebürtige Ungarin gehört in diesem Jahr zu den Favoriten. Terézia Mora knüpft mit "Das Ungeheuer" da an, wo ihr letzer Roman endet. Wieder steht der unbedarfte IT-Spezialist Darius Kopp im Mittelpunkt: Nachdem er seinen Job verloren hat, muss er jetzt auch noch den Selbstmord seiner Frau verkraften. Ein Blick in ihr Tagebuch offenbart flüchtige Affären, Demütigungen, Einsamkeit. Keine heile Welt, nirgends. Der geschockte Ehemann macht sich auf den Weg nach Ungarn, wo seine Frau einst aufgewachsen ist - im Gepäck hat er Erinnerungen und Fragen. Es wird eine Reise ans Ende der Nacht.


Marion Poschmann: "Die Sonnenposition", Suhrkamp Verlag

Bisher ist die 43-Jährige vor allem als Lyrikerin in Erscheinung getreten. Ihre literarische Herkunft merkt man auch ihrem Roman "Die Sonnenposition" an. Marion Poschmann reiht fantastische Assoziationen aneinander, verdichtet diese in einer reduziert-kühnen Sprache.

Im Mittelpunkt steht ein marodes Schloss in Ostdeutschland. Ein Ort, bevölkert von skurrilen Figuren. Hier geht ein neurotischer Psychiater auf die Jagd nach "Erlkönigen" und Familiengeheimnisse prallen auf deutsch-deutsche Geschichte. Ein Buch zwischen Wahn und Wirklichkeit.




Monika Zeiner: "Die Ordnung der Sterne über Como", Blumenbar Verlag

Dieser 600-Seiten-Wälzer ist das einzige Debüt auf der diesjährigen Shortlist. Monika Zeiner ist eigentlich Sängerin einer Italo-Swing-Band und hat über mittelalterliche Liebeslyrik promoviert. Ihr Erstlingsroman erzählt von einer Ménage à trois im Berlin der Neunzigerjahre: Eine unsanierte Wohnung, zwei Männer, eine Frau und das verworrene Liebesgeflecht zwischen ihnen. Der Charme des Unfertigen und ganz viel Musik schwebt über allem. Monika Zeiners Sprachduktus verschmilzt mit der Melodie der Songs. Herausgekommen ist eine leichtfüßige Geschichte über junge Glückssucher.

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