Deutsche Topkonzerne fallen zurück - Taktgeber USA und China | Wirtschaft | DW | 11.06.2019
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Studie

Deutsche Topkonzerne fallen zurück - Taktgeber USA und China

US-Konzerne bleiben in Sachen Umsatz- und Gewinnwachstum das Maß aller Dinge. Die europäische Konkurrenz konnte dagegen kaum zulegen, deutsche Firmen fielen sogar zurück.

Apple ist Spitze beim Gewinn mit umgerechnet 60 Milliarden Euro

Apple ist Spitze beim Gewinn mit umgerechnet 60 Milliarden Euro

Die deutschen Großkonzerne verlieren einer Studie zufolge beim Umsatz- und Gewinnwachstum den Anschluss an die Weltspitze. In den USA konnten die größten Unternehmen im vergangenen Jahr ihren Umsatz um durchschnittlich neun Prozent steigern, Asiens Großunternehmen schafften ein Wachstum von 8,4 Prozent. Im europäischen Schnitt betrug das Umsatzwachstum 4,3 Prozent Wachstum. Die Zahlen stammen aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung EY.

Die Beratungsfirma wertete die Bilanzen der 1000 umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen der Welt aus. Darunter waren 44 deutsche Konzerne. Banken und Versicherungen wurden nicht analysiert. Bei der Ermittlung der durchschnittlichen Wachstumszahlen wurden auch die Öl- und Gaskonzerne ausgenommen. Deren massives Gewinn- und Umsatzwachstum im vergangenen Jahr hätte zu starken Verzerrungen geführt, heißt es in der Mitteilung von EY. 

Deutsche Top-Konzerne Schlusslicht beim Wachstum

Die 44 deutschen Unternehmen waren 2018 in der Summe Schlusslichter beim Wachstum. Der Umsatz stieg demnach im Schnitt nur um 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, der operative Gewinn (Ebit) sank sogar um zehn Prozent.

VW hält die deutsche Fahne hoch: Im Gewinnranking belegt der Autobauer immerhin Platz 14, beim Umsatz Rang sieben.

VW hält die deutsche Fahne hoch: Im Gewinnranking belegt der Autobauer immerhin Platz 14, beim Umsatz Rang sieben.

"Nach einigen sehr guten Jahren mussten deutsche Top-Unternehmen im vergangenen Jahr zahlreiche Rückschläge hinnehmen - auch weil sie so internationalisiert sind und damit überdurchschnittlich stark unter den internationalen Handelsspannungen leiden", erläuterte Alexander Kron, Mitglied der EY-Geschäftsführung.

Spitzenreiter im Gewinnranking war der iPhone-Hersteller Apple mit umgerechnet 60 Milliarden Euro. Platz zwei belegte den Angaben zufolge der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung mit gut 45 Milliarden Euro, gefolgt vom US-Softwarekonzern Microsoft (knapp 30 Milliarden). Das gewinnstärkste europäische Unternehmen war der Ölkonzern Royal Dutch Shell auf Rang vier mit rund 27 Milliarden Euro. Volkswagen kam als bester deutscher Konzern mit knapp 14 Milliarden Euro auf Platz 25. Insgesamt hatten sieben der Top Ten ihren Sitz in den USA.

Taktgeber USA und China

"Die Top-US-Konzerne sind derzeit in vielen Branchen das Maß der Dinge. Sie profitieren vom großen und prosperierenden Heimatmarkt und von der hervorragenden Entwicklung der US-Technologie-Konzerne», sagte Kron. Dem habe Europa zurzeit wenig entgegenzusetzen. Das Wirtschaftswachstum schwächele, zudem litten viele europäische Unternehmen unter dem Handelsstreit zwischen den USA und China.

Den Angaben zufolge zählten 299 Firmen aus den Vereinigten Staaten zu den 1000 umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen weltweit. Aus Japan schafften es 146 Firmen auf die Liste, China folgte mit 79 Konzernen, aus Großbritannien und Frankreich kamen jeweils 45 Firmen und aus Deutschland 44.

Auch bei der Entwicklung des Gewinns sind die deutschen Konzerne demnach der große Verlierer: US-Firmen kamen hier auf 8,1 Prozent Wachstum, asiatische Firmen sogar auf 9,8 Prozent. Europas Großkonzerne steigerten ihren Gewinn um 3,9 Prozent - während die deutschen Firmen zehn Prozent verloren. EY betonte: "Keine andere größere Wirtschaftsnation verzeichnete im vergangenen Jahr einen Gewinnrückgang bei ihren Top-Konzernen." EY betrachtete den operativen Gewinn, also den vor Abzug von Steuern und Zinsen.

Ein "ungünstiger Branchenmix" hat laut EY-Studie diese Entwicklung forciert: In Europa seien Unternehmen aus klassischen Industriebranchen stark überrepräsentiert: 34 Prozent der europäischen Top-Unternehmen kämen aus der Autoindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau oder der Chemiebranche - in Nordamerika läge der Industrieanteil nur bei 20 Prozent. "Europa mit Deutschland im Zentrum ist ein starker Industriestandort - und gerade die klassischen Industriebranchen haben derzeit zu kämpfen", so die Beobachtung von Alexander Kron. Die USA und China seien in der digitalen Wirtschaft derzeit die Taktgeber. "Europa hat darauf noch keine Antwort gefunden."    

hb/bea (dpa,afp, EY-Pressemitteilung)

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