Deutsche Corona-Todeszahl auf neuem Höchststand | Aktuell Deutschland | DW | 09.12.2020
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COVID-19

Deutsche Corona-Todeszahl auf neuem Höchststand

Der Teil-Lockdown in Deutschland zeigt nicht die gewünschte Wirkung. Warnungen aus der Wissenschaft werden lauter - im Fokus steht die Zeit nach dem Fest.

Deutschland Behandlung eines Patienten auf Intensivstation für Covid-Patienten

Intensivstation für COVID-19-Patienten in Hausham im bayerischen Landkreis Miesbach (Archivbild)

Die Zahl der Corona-Todesfälle hat einen neuen Tageshöchstwert erreicht. Innerhalb von 24 Stunden starben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 590 Menschen an oder mit dem Virus. Der bisherige Höchstwert war vor einer Woche erreicht worden, als das RKI 487 neue Todesfälle gemeldet hatte. Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie in Deutschland knapp 20.000 Tote mit SARS-CoV-2 gezählt.

Auch die Zahl der Neuinfektionen stieg im Vergleich zur Vorwoche an. Das RKI registrierte 20.815 Fälle - gut 3500 mehr als am vergangenen Mittwoch. Für die gesamte Bundesrepublik werden derzeit 149,1 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner innerhalb eines Tages verzeichnet. Auch das ist ein neuer Höchstwert. Zu Beginn des Teil-Lockdowns im November waren es noch rund 120. Bund und Länder verfolgen das Ziel, unter den Wert von 50 zu kommen. Dann könnten Gesundheitsämter wieder effektiv Infektionsketten nachverfolgen.

"Wir müssen dieses Land zur Ruhe bringen"

Unterdessen wird der Ruf nach einem harten Lockdown in der Zeit nach Weihnachten lauter. Nach der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina plädieren auch immer mehr Politiker dafür, im Anschluss an die Festtage einschneidende Maßnahmen zu erlassen. In Bayern gelten bereits von diesem Mittwoch an strengere Regeln wie Ausgangsbeschränkungen und ein Alkoholverbot in Innenstädten.

Deutschland Coronavirus - Sachsen

Shoppen in Dresden: Bis Montag sollten die Weihnachtseinkäufe in Sachsen erledigt sein (Archivbild)

In Sachsen bleiben von Montag an Schulen, Kindergärten, Horte und große Teile des Einzelhandels geschlossen. "Wir müssen dieses Land zur Ruhe bringen", sagte Regierungschef Michael Kretschmer. Der kleine Grenzverkehr zu Tschechien wird in dem östlichen Bundesland ebenfalls eingeschränkt.

"Mir fiele keine bessere Zeit im Jahr ein"

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet plädiert für einen "echten Jahreswechsel-Lockdown". Das sei notwendig, "um uns für 2021 wieder eine Perspektive hin zu mehr Normalität zu erarbeiten", sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Ähnlich äußerte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). "Mir fiele fast keine bessere Zeit im Jahr ein, um in der Gesellschaft weiter runterzukommen und Kontakte zu reduzieren", sagte Spahn bei "Bild live".

Deutschland Ministerpräsident Laschet für Jahreswechsel-Lockdown

"Perspektive für 2021": Nordrhein-Westfalens Regierungschef Armin Laschet (Archivbild)

Der Deutsche Städtetag hält die Zeit nach den Feiertagen ebenfalls für ideal. Schulen und Kitas seien geschlossen, viele Menschen hätten Urlaub und nach Weihnachten müsse man auch nicht unbedingt einkaufen gehen, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der "Saarbrücker Zeitung". Er werbe daher "für eine Art gesunden Stillstand vom 28. Dezember bis etwa zum 10. Januar".

"Letzte Warnung der Wissenschaft"

Die Leopoldina hatte bereits am Dienstag einen harten Schnitt verlangt, um die Infektionszahlen rasch zu senken. In einem ersten Schritt sollte nach Ansicht der Experten die Schulpflicht ab kommendem Montag aufgehoben werden. Von Heiligabend an bis mindestens zum 10. Januar sollte dann in ganz Deutschland das öffentliche Leben weitgehend ruhen. Geschäfte, die nicht für den täglichen Bedarf notwendig sind, sollten schließen.

Deutschland Virologe Christian Drosten

"Es drohen massive Folgen für die Wirtschaft": Virologe Christian Drosten (Archivbild)

Das Papier der Akademie müsse verstanden werden als "deutliche und letzte Warnung der Wissenschaft", sagte Virologe Christian Drosten, der an der Stellungnahme mitgewirkt hatte, dem Norddeutschen Rundfunk. Die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass die Weihnachtszeit zu einem Anstieg der Fallzahlen führe. Werde jetzt nicht nachreguliert, drohe Ende Januar "und über den ganzen Februar hinaus" ein Lockdown mit massiven Folgen für die Wirtschaft.

FFP2-Masken für Risikogruppen 

Um Risikogruppen und Menschen über 60 besser gegen eine Ansteckung zu schützen, sollen bis Weihnachten die ersten FFP2-Schutzmasken verteilt werden. Einer Verordnung von Minister Spahn zufolge erhalten 27,3 Millionen Personen jeweils drei Masken in den Apotheken. Im kommenden Jahr werden dann noch zweimal jeweils sechs Masken pro Person verteilt, die dafür eine geringe Zuzahlung leisten müssen. Dem Bund entstehen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums für die Verteilung der Masken Kosten in Höhe von 2,5 Milliarden Euro. FFP2-Masken filtern Partikel aus der Luft und schützen damit deutlich besser vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus als die sogenannten Alltagsmasken.

jj/ml (dpa, afp, epd)

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