Deutsche Bank: Keine Geschäfte mehr mit Trump? | Wirtschaft | DW | 12.01.2021
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Banken

Deutsche Bank: Keine Geschäfte mehr mit Trump?

Die Deutsche Bank will offenbar ihre Geschäftsbeziehungen zu US-Präsident Trump beenden. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die New York Times. Die Bank gilt als Trumps größter Kreditgeber.

Die Zeitung schreibt, das größte deutsche Geldhaus wolle künftig keine Geschäfte mehr mit Trump und seinen Firmen machen. Die  New York Times berief sich auf einen nicht genannten Insider. Der Meldung zufolge schuldet Trump der Deutschen Bank noch 340 Millionen Dollar, die in den nächsten Jahren fällig werden. Von Seiten der Deutschen Bank hieß es gegenüber DW, man wolle den Bericht nicht kommentieren. Die Bank äußert sich grundsätzlich nicht öffentlich zu einzelnen Kundenbeziehungen.

Trump ist seit über zwei Jahrzehnten Kunde der Deutschen Bank. Seit Ende der 1990er-Jahre erhielt Trump Insidern zufolge mehr als zwei Milliarden Dollar an Krediten. Der prominente Kunde hat dem Geldhaus viele Negativschlagzeilen eingehandelt. Immer wieder verlangten die Demokraten im US-Kongress Auskünfte über die Geschäfte mit dem republikanischen Präsidenten, der diese unter Verweis auf die Gesetzeslage zurückwies.

Das Institut hatte Trump zudem noch Darlehen gewährt, als andere Banken sich längst zurückgezogen hatten. Trumps Familienunternehmen, die Trump Organization, und das Weiße Haus in Washington waren zunächst nicht erreichbar, schreibt Reuters. Die Familiengeschäfte werden derzeit von den beiden Söhnen Trumps geführt.

US-Präsident Donald Trump mit seinen Kindern

Trumps Söhne führen derzeit die Trump Organization

Die US-Chefin der Deutschen Bank, Christiana Riley, hatte vergangene Woche in einem Beitrag bei LinkedIn den Sturm auf das Kapitol verurteilt, bei dem mehrere Menschen getötet wurden.

Reuters hatte bereits im vergangenen Jahr geschrieben, die Deutsche Bank suche nach Möglichkeiten, ihre Geschäftsverbindung mit Trump nach den Präsidentschafts-Wahlen im November zu beenden. Der Trump Organization gehören mehrere Hotels und Golfclubs.  

Niederlage auf dem Golfplatz

Auch andere Unternehmen rücken nach dem Sturm auf das Kapitol und der Rolle, die Trump dabei spielte, inzwischen von dem scheidenden Präsidenten ab. Der US-Golfverband PGA of America kündigte an, seine jährliche "PGA Championship" 2022 nicht wie geplant in Trumps Golfanlage in New Jersey abzuhalten. Das Turnier ist eines der sogenannten Majors beim Golf und wäre das größte auf einem der zahlreichen Golfplätze Trumps gewesen. Der Präsident des US Golfverbands, Jim Richerson, sagte zur Begründung, die "Marke" des Golfverbandes würde beschädigt, hätte man an dem Platz Trumps festgehalten.

Nach Berichten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und des Wall Street Journal haben sich auch der E-Commerce-Spezialist Shopify, das Fintech-Unternehmen Stripe und der Immobilienhändler JLL von Geschäften mit Trump zurückgezogen. Über Shopify wurden Trump-Artikel wie die bekannten roten Base Caps verkauft; über Stripe liefen Spendenaktionen für Trump; JLL war mit dem Verkauf des Hotels von Trump in Washington befasst.

"Der scheidende Präsident hat Gewalt angestiftet"

Schon unmittelbar nach dem Sturm auf das Kapitol hatte sich der US-Unternehmervervband National Association of Manufacturers in scharfen Worten von Trump losgesagt. In der Stellungnahme hieß es: "Der scheidende Präsident hat in einem Versuch, seine Macht zu erhalten, Gewalt angestiftet, und jeder Politiker, der ihn verteidigt, verletzt seinen Eid an die Verfassung." Zu dem Verband gehören Konzerne wie Pfizer oder Exxon. Der einflussreiche Gewerkschafts-Dachverband AFL-CIO, der milliardenschwere Investor Nelson Peltz und die Chefs der Eiscrememarke Ben & Jerry's forderten inzwischen Trumps sofortige Absetzung. 

Trump Hotel | Washington

Trump-Immobilie in Washington DC

Einige Konzerne drehten auch Trumps Verbündeten in der Republikanischen Partei den Geldhahn zu. Die Hotelkette Marriott, der Krankenversicherer Blue Cross Blue Shield und der Finanzkonzern American Express strichen alle Spenden an republikanische Abgeordnete, die in der Kongresssitzung vergangene Woche gegen die Bestätigung von Joe Bidens Wahlsieg gestimmt hatten.

Auch große Internetplattformen wie Twitter und Facebook wollen Trump nun nicht mehr als Kunden haben. Nach der Sperrung seines Account verloren Twitter-Aktien daraufhin zwischenzeitlich mehr als zehn Prozent an der Börse.

Die Deutsche Bank rechnet offenbar nicht mehr damit, die ausstehenden Kredite Trumps zurückgezahlt zu bekommen. In der New York Times hieß es dazu: "Die Bank ist zu dem Schluss gekommen, dass sie, abgesehen von einem Schuldenerlass, keine Möglichkeit hat, sich aus der Beziehung zu Trump zu lösen, bevor die Kredite fällig werden." Zwei Kredite über rund 330 Millionen Dollar werden 2023 und 2024 fällig. Für sie hatte Trump persönlich garantiert.

ar/hb (rtr, afp – NYT, Archiv)  

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