Deutsche-Bank-Chef: EZB richtet Schaden an | Wirtschaft | DW | 24.08.2016
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Wirtschaft

Deutsche-Bank-Chef: EZB richtet Schaden an

Der Chor der Kritiker an der extrem lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank wird lauter - nun ergreift auch Deutsche-Bank-Chef John Cryan das Wort.

Die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) richtet nach Ansicht von Deutsche-Bank -Chef John Cryan inzwischen mehr Schaden an als sie nutzt. Die EZB habe in der Finanz- und Staatsschuldenkrise viel dafür getan, Europa zu stabilisieren. "Inzwischen aber wirkt die Geldpolitik den Zielen entgegen, die Wirtschaft zu stärken und das europäische Bankensystem sicherer zu machen", schreibt Cryan in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt" (Mittwochausgabe).

So sei der Zinsüberschuss, eine wichtige Ertragssäule der Banken, über die gesamte Eurozone hinweg seit 2009 um sieben Prozent geschrumpft. "Nicht Geld aufnehmen, sondern Geld vorhalten kostet Zinsen. Sicherheit wird damit bestraft." Auch der Wirtschaftsweise Volker Wieland warnte vor zunehmenden Gefahren für die Finanzwirtschaft durch die lange Niedrigzinsphase.

Cryan drängt Draghi zum Kurswechsel

Der Deutsche-Bank-Chef fordert daher EZB-Präsident Mario Draghi zu einem Kurswechsel und einem Ausstieg aus den Minuszinsen auf. Es könne nicht sein, dass die Finanzaufseher höhere Sicherheitspolster von den Banken forderten, für diese zusätzlichen Reserven dann aber Strafzinsen verlangten.

Zudem fordert Cryan eine Regulierung mit Augenmaß. "Wir wollen nichts zurückdrehen. Aber es wird immer deutlicher, dass die strengeren Eigenkapitalanforderungen prozyklisch wirken. Sie lähmen die Banken und damit die Volkswirtschaften." Die Bankenaufsicht sollte die neuen Regeln erst einmal wirken lassen, bevor sie über weitere Verschärfungen nachdenke.

Aus Sicht des Wirtschaftsweisen Volker Wieland haben die Notenbanken in der Finanzkrise und in der europäischen Schuldenkrise zu Recht die Zinsen gesenkt und ihre Geldpolitik gelockert. "Inzwischen beharren die Fed und EZB jedoch viel zu lange auf der Niedrigzinspolitik und die EZB weitet ihre Anleihekäufe weiter massiv aus", sagte der Volkswirt der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Donnerstagausgabe) laut Vorabbericht.

"Es bauen sich Risiken für den Finanzsektor auf, insbesondere im Bankensektor geht die Profitabilität zurück, risikoreiche Anlagen nehmen zu", warnte Wieland, der Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist. Regierungen verschleppten notwendige Strukturreformen, da sie durch rekordniedrige Zinsen auf langfristige Staatsanleihen Spielraum in der Ausgabenpolitik gewonnen hätten.

zdh/hb (rtr, dpa)