Deutsche Bahn stellt wegen Orkan Fernverkehr bundesweit ein | Aktuell Europa | DW | 18.01.2018
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Verkehr

Deutsche Bahn stellt wegen Orkan Fernverkehr bundesweit ein

Die Deutsche Bahn unterbricht den Fernverkehr wegen des Orkans "Friederike" ab sofort bundesweit. Züge, die noch unterwegs sind, sollten aber soweit möglich bis zum Ziel fahren. Der Sturm forderte bisher acht Todesopfer.

Deutschland Bahn stellt Fernverkehr wegen Sturmtiefs bundesweit vollständig ein (picture alliance/dpa/M. Gambarini)

Und nun? Ratlose Reisende suchen im Berliner Hauptbahnhof Hilfe bei Mitarbeitern der Bahn

Züge würden aus Sicherheitsgründen nicht mehr losfahren, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Züge, die noch unterwegs seien, sollten aber soweit möglich bis zum Zielbahnhof fahren. Der Stopp werde voraussichtlich den gesamten restlichen Tag andauern, meldet die Nachrichtenagentur afp unter Berufung auf die Bahn. "Das ist eine notwendige Sicherheitsmaßnahme, weil die Störungen durch den Sturm doch so gravierend sind, dass wir Fernzüge schlichtweg nicht mehr durchbekommen", sagte Bahnsprecher Achim Stauß der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. "Es wäre fahrlässig, die Züge irgendwo, wo man noch fahren kann, noch fahren zu lassen - und dann bleiben Hunderte Fahrgäste auf irgendeinem Bahnhof oder schlimmstenfalls auf freier Strecke hängen. Diese Situation müssen wir vermeiden." Wer heute irgendwo strande, der erhalte eine Betreuung. "Der bekommt also einen Hotelgutschein oder eine Übernachtung im Zug", betonte Stauß. DW-Reporterin Charlotte Chelsom Pill fand im Berliner Hauptbahnhof diese Hilfe:

 Umgestürzte Bäume hatten auf mehreren Strecken zu Behinderungen geführt. Wegen "Friederike" steht auch der Regionalverkehr der Bahn in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt vollständig still. Die Bahn riet allen Reisenden, sich online über den aktuellen Stand zu informieren. In einigen Bundesländern fiel der Schulunterricht aus.

Drei Todesopfer in NRW

"Friederike" fegte von Westen kommend über Deutschland hinweg und richtete vielerorts Schäden an. Infolge des schweren Wintersturms starben in Nordrhein-Westfalen drei Menschen. In Lippstadt im Kreis Soest kam ein 68-jähriger Lastwagenfahrer bei einem sturmbedingten Verkehrsunfall ums Leben. In Emmerich am Niederrhein wurde ein 59-jähriger Mann auf einem Campingplatz von einem umstürzenden Baum erschlagen. Im sauerländischen Sundern starb ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr bei einem Hilfseinsatz. Auch in Thüringen gab es ein Todesopfer: In Bad Salzungen erschlug ein Baum einen Feuerwehrmann und verletzte einen zweiten. Zudem gab es viele Verletzte, allein in Nordrhein-Westfalen wurden mindestens 41 gezählt. Feuerwehr und Polizei rückten zu Tausenden Einsätzen aus.

Sturmtief Friederike - Nordrhein-Westfalen (picture alliance / Christoph Reichwein/dpa)

In Moers in Nordrhein-Westfalen zerstörte das Sturmtief dieses Auto und verletzte den Fahrer schwer

 

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erreichten Böen Geschwindigkeiten von mehr als 130 Kilometer pro Stunde, auf dem Brocken im Harz sogar mehr als 200 km/h. Das Unwetter habe jetzt Orkanstärke erreicht, sagte ein DWD-Sprecher am Nachmittag.

Auch etliche Flüge gestrichen

Der Wintersturm sorgt zunehmend auch für Flugausfälle. "Die Wetterlage im Westen Deutschlands hat sich verschärft", sagte der Sprecher der Berliner Flughäfen, Lars Wagner. Nachdem am Vormittag bereits Verbindungen zwischen Amsterdam und Berlin gestrichen wurden, sind nun auch mehrere innerdeutsche Strecken betroffen. An mehreren Flughäfen im Westen wie Köln/Bonn und Düsseldorf blieben Maschinen am Boden, so Wagner. Dadurch fehlten die Maschinen am Flughafen Berlin-Tegel für Flüge zurück in die betroffenen Städte. Je zehn Ankünfte und Abflüge seien gestrichen, weitere Ausfälle seien nicht ausgeschlossen.

Sturmtief Friederike - Nordrhein-Westfalen (picture alliance/dpa/G. Kirchner)

Ein umgefallener Baum blockiert Bahngleise bei Münster

In Regionen, in denen Orkanböen drohen, empfehlen die Meteorologen, Aufenthalte im Freien zu vermeiden. Sie warnen vor entwurzelten Bäumen, herabstürzenden Dachziegeln und Schäden an Gerüsten und Hochspannungsleitungen. 

Der Kölner Dom hat das Orkantief bisher weitgehend schadlos überstanden. Die Dombauhütte habe die Kathedrale während des Sturms beobachtet und nur kleinere Beschädigungen vor allem an den Gerüstplanen festgestellt, sagte ein Sprecher nach den stärksten Windböen auf Anfrage. Ab Windstärke neun werden in Absprache mit der Stadt Köln die Bereiche um die Domtürme abgesperrt. 

Sturmtief Friederike - Nordrhein-Westfalen (picture alliance/dpa/T. Gehner/Stadt Duisburg)

Das Sturmtief droht einen Lastwagen von einer Autobahnbrücke in Duisburg zu stürzen

Auch in den westlichen Nachbarländern wütete der Wintersturm. In den Niederlanden kamen drei Menschen durch umstürzende Bäume oder herabfallende Trümmerteile ums Leben. In Belgien wurde eine Autofahrerin von einem umfallenden Baum erschlagen. Sie war in ihrem Fahrzeug auf einer Straße durch einen Wald südöstlich von Brüssel unterwegs gewesen.

Niederlande Sturmtief Friederike Flugausfälle in Schiphol (picture alliance/AP/P. Dejong)

Sturmbedingt: Lange Warteschlangen im Flughafen Schiphol

In den Niederlanden verursachte der Sturm ein Verkehrschaos. Der internationale Flughafen Schiphol in Amsterdam strich wegen des Sturms vorübergehend alle Flüge. Das teilte der Airport beim Kurzmitteilungsdienst Twitter mit, kurz nachdem der niederländische Wetterdienst die höchste Alarmstufe ausgegeben hatte. Auch auf Gleisen und Straßen ging nichts mehr. Am Mittag gab es dann teilweise Entwarnung: Der Flugverkehr werde schrittweise wieder aufgenommen, erklärte der Flughafenbetreiber. Schiphol ist einer der verkehrsreichsten Flughäfen Europas. Auch der Bahnverkehr in den Niederlanden kam fast vollständig zum Erliegen.

kle/sti (dpa, afp, rtre)

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