Deutsche Autoindustrie feiert sich in Genf | Wirtschaft | DW | 01.03.2011
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Wirtschaft

Deutsche Autoindustrie feiert sich in Genf

Der Genfer Auto-Salon ist der erste Höhepunkt des europäischen Autojahres. Und die deutschen Hersteller sind bereits auf Rekordjagd: Ihre aktuellen Verkaufszahlen übertreffen alle Erwartungen – nicht nur beim Export.

VW Cabrio, Genfer Autosalon; (Foto: Volkswagen AG)

Das neue VW-Golf Cabrio wird in Genf gezeigt

Studie: Ford B-Max mit Schiebetüren (Foto: Ford)

Studie: Ford B-Max mit Schiebetüren

Nach den Exporterfolgen deutscher Auto-Hersteller zieht nun auch der Inlandsmarkt deutlich an. Die Auftragseingänge im Februar hätten 34 Prozent über dem Vorjahr gelegen, teilte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, am Dienstag (01.03.2011) auf dem Auto-Salon in Genf mit. Das sei "sehr erfreulich". Der Marktanteil der deutschen Hersteller liege zuhause wieder bei 70 Prozent.

Obendrein legten die USA wieder deutlich zu, der asiatische Markt verfüge weiter über hohe Dynamik. Der westeuropäische Markt erholt sich nach seinen Worten von den Krisenzeiten, wenn auch mit geringerer Geschwindigkeit. Der weltweite Pkw-Absatz dürfte 2011 nochmals um sieben Prozent auf rund 66 Millionen Stück zulegen.

Optimistischer Ausblick

2010 habe die deutsche Auto-Industrie ihren Umsatz gegen das Krisenjahr 2009 um mehr als 20 Prozent auf 317 Milliarden Euro gesteigert. "Wir erwarten ein weiteres Plus im laufenden Jahr", sagte Wissmann weiter. "Wir haben allen Grund, mit Optimismus nach vorn zu schauen."

Beim Genfer Autosalon hat die Zukunft bereits begonnen. Die Veranstalter erwarten bis zum 13. März auf dem Messegelände direkt am Genfer Flughafen rund 700.000 Besucher. Es ist eine größten Automessen der Welt, auf einer Stufe mit Detroit, Tokio, Paris und Frankfurt am Main. Ford zeigt den neuen Focus, Opel den Elektro-Pkw Ampera, den überarbeiteten Corsa und einen neuen Antara. 260 Aussteller mit 700 Marken aus 31 Ländern füllen 7 Hallen mit 80.000 Quadratmetern.

Alternative Antriebe

Opel Ampera - ein neues Modell mit reinem Elektro-Antrieb (Foto: GM)

Opel Ampera - ein neues Modell mit reinem Elektro-Antrieb

Alternative Antriebsarten werden in Genf eine große Rolle spielen. Dabei werden allein 40 neue Elektro-, Hybrid-, oder gasgetriebene Modelle gezeigt. Renault stellt seinen Elektro-Kangoo vor, der ab dem Jahresende verkauft werden soll. Selbst der chinesische Hersteller BYD zeigt einen Geländewagen mit Elektroantrieb.

Die Branche steht im Zeichen einer rasanten Renaissance nach der Weltwirtschaftskrise. Der Pkw-Weltabsatz wird dem Center Automotive Research in Duisburg zufolge um 6,3 Prozent auf einen neuen Rekord von 62,6 Millionen Stück steigen. Damit schraubten die Experten ihre eigene Schätzung vom Herbst um rund zwei Millionen Stück nach oben.

Schwellenländer sind Wachstumsmärkte

Der Trend ist ein kräftiges Wachstum von Absatz und Produktion vor allem in China und Indien. Der Markt in Japan und Europa dagegen wird 2011 kaum wachsen, der in den USA wird sich erholen. Auch Lateinamerika legt ordentlich zu. Damit verbunden ist der Aufstieg von bislang den Deutschen unbekannten Herstellern aus China und Indien.

So gehört die schwedische Marke Volvo Pkws nun beispielsweise dem chinesischen Hersteller Geely, die britischen Marken Jaguar und Land Rover der Firma Tata aus Indien. Einer der Marktführer in Indien ist Suzuki mit seinen Kleinwagen. Deshalb hat sich VW an dem japanischen Unternehmen mit 20 Prozent beteiligt. Auf der Asien-Welle schwimmen auch die Koreaner mit den Marken Hyundai und Kia.

Daneben streben auch chinesische Inlandsmarken nach oben, zu denen BYD gehört, Build Your Dream. Sie setzen stark auf das Elektro-Auto, das die Regierung in Peking massiv fördert. Andere Antriebsarten wie Erdgas-Motoren und Wasserstoff-Antriebe spielen auch eine immer stärkere Rolle. Sie könnten die traditionellen Benzin- und Dieselmotoren nach und nach zurückdrängen.

Wettbewerb der Antriebsarten

Die deutschen Hersteller und ihr Verband der Automobilindustrie (VDA) haben offiziell beim Elektro-Auto keine Eile, weil sie befürchten, dass das über 125 Jahre angesammelte Ingenieurwissen und die noch längst nicht abgeschriebenen Motorenfabriken in Deutschland dann wertlos würden. Denn ein Elektromotor ist technisch deutlich einfacher als ein Verbrennungsmotor. Was auch die Zuliefererindustrie wie Bosch (Zündkerzen), Mahle (Kolben) und Behr (Kühler) treffen könnte.

Die in Genf stark vertretenen französischen Autobauer dagegen setzen stark auf das Elektroauto, unter anderem, weil der staatliche Stromkonzern Electricité de France (EDF) weiteren Absatz für seine überdimensionierten Atomkraftwerke sucht.

Zahlreiche deutsche Hersteller kommen in diesem Jahr mit weiteren neuen Volumen-Modellen, so Audi mit einem Q3, BMW im Herbst mit dem neuen 1er, einem 6er Cabrio und einem Mini Coupé, Ford mit dem B-Max, Mercedes mit einem CLS, einem SKL, dem C-Klasse-Coupé, einer neuen B-Klasse und der M-Klasse. Opel bringt im Herbst den neuen Zafira, Porsche den 911er und VW den Jetta, den Beetle und den kleinen Bus Up.

Autor: Klaus Ulrich (dpa, dapd, rtr)

Redaktion: Henrik Böhme

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