Deutsch-kurdische Sängerin in türkischer U-Haft | Aktuell Europa | DW | 27.06.2018
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Nach den Wahlen in der Türkei

Deutsch-kurdische Sängerin in türkischer U-Haft

Die Kölner Sängerin Hozan Cane ist in der Westtürkei in Untersuchungshaft genommen worden. Ihr wird die Unterstützung der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vorgeworfen.

Die deutsch-kurdische Sängerin Hozan Cane muss wenige Tage nach ihrer Festnahme in der Türkei in Untersuchungshaft. Der Kölnerin mit kurdischen Wurzeln werde Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und die Partei-Mitgliedschaft vorgeworfen, bestätigte ihr Anwalt Hasan Tahsin Kaya gegenüber der Deutschen-Presse Agentur. 

Die Sängerin war nach Angaben des pro-kurdischen HDP-Politikers Murat Amil Freitagnacht vor der Präsidenten- und Parlamentswahl im westtürkischen Edirne auf einer Wahlkampfveranstaltung der HDP festgenommen worden. "Unser Wahlkampf-Fahrzeug wurde angehalten und unsere Freundin Hozan Cane wurde festgenommen", schrieb Amil auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Das Auswärtige Amt erklärte, der Fall sei bekannt. 

Cane sang auf HDP-Veranstaltungen, um den Wahlkampf zu unterstützen. Grund für ihre Festnahme waren kurdischen Medienberichten zufolge zudem Beiträge in sozialen Netzwerken. Anwalt Kaya sagte, der Vorwurf der PKK-Mitgliedschaft stütze sich auf Ausschnitte aus einem Film, bei dem die Sängerin Regie geführt habe. Sie sei darin auch als Schauspielerin aufgetreten.

In dem Film gehe es um Massaker der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) an der Minderheit der Jesiden im irakischen Sindschar und Nordostsyrien. Die Region um das Sindschar-Gebirge im Nordwesten des Iraks ist eine Hochburg der Jesiden. Das Gebiet war im Sommer 2014 von IS-Extremisten überrannt worden. PKK-Kämpfer unterstützten damals nach jesidischen Angaben die Angehörigen der religiösen Minderheit bei der Flucht. 

Inhaftierungen schürten politische Krise 

Im vergangenen Jahr war es wegen der Inhaftierung mehrerer Deutscher - darunter die Übersetzerin Mesale Tolu, der deutsch-türkische Journalist DenizYücel und der Menschenrechtler Peter Steudtner - zu einer Krise zwischen Berlin und Ankara gekommen. Als letzter dieser drei deutschen Gefangenen wurde im Februar Yücel freigelassen. Er konnte ausreisen, wie zuvor auch Steudtner. Der Prozess gegen Yücel wegen Terrorpropaganda und Volksverhetzung beginnt am Donnerstag in Istanbul. Der Prozess gegen Tolu läuft weiter. Sie wurde aus der Haft entlassen, darf das Land aber nicht verlassen. Noch immer sitzen mehrere Deutsche aus politischen Gründen in der Türkei in Haft. 

Verfolgung von Regierungsgegnern

Unterdessen gehen die Verhaftungen politischer Gegner nach den Präsidentschaftswahlen weiter. Am Sonntag war der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wiedergewählt worden. Nach der Festnahme von 138 Gülen-Anhängern am Dienstag wurden am Mittwoch knapp 190 Soldaten in Istanbul und weiteren Provinzen wegen Kontakten zum Netzwerk des islamischen Predigers und Erdogan-Gegners inhaftiert. Erdogan macht den in den USA lebenden Gülen für den Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich.

Unter dem von Erdogan anschließend ausgerufenen Ausnahmezustand wurden nach US-Angaben 160.000 mutmaßliche Regierungsgegner verhaftet und etwa ebenso viele aus dem öffentlichen Dienst entlassen. Über 50.000 Personen wurde seither angeklagt und befinden sich in Haft. Kurz vor den Wahlen hatte Erdogan in Aussicht gestellt, den am 19. Juli auslaufenden Ausnahmezustand nicht zu verlängern.

In Edirne ist auch Selahattin Demirtas inhaftiert, der gegen Erdogan als Präsidentschaftskandidat angetreten war. Demirtas sitzt seit November 2016 in Untersuchungshaft. 

sam/stu (afp, dpa)

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