„Deutsch ist jetzt die Musik meines Lebens“ | DW AKADEMIE | DW | 13.04.2018
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In eigener Sache

„Deutsch ist jetzt die Musik meines Lebens“

Heena Jain ist „Deutschlehrerin des Jahres“ 2017 in Indien. Gelernt hat sie die Sprache vor allem mit Online-Kursen der DW Akademie. Ein toller Erfolg, zu dem sogar die Bundeskanzlerin persönlich gratulierte.

Heena Jain ist 26 Jahre alt und Indiens beste Deutschlehrerin des Jahres 2017. Foto: Privat

Heena Jain ist 26 Jahre alt und Indiens beste Deutschlehrerin des Jahres 2017.

„Das war der schönste Moment meines Lebens. Die mächtigste Frau der Welt persönlich zu treffen und mit ihr Bekanntschaft zu machen, war eine einmalige Gelegenheit für mich. Sie hat sich mit uns unterhalten und viel über ihr Treffen mit dem indischen Premierminister Narendra Modi erzählt.“

Heena Jain hat den Wettbewerb „Startup with German“ des Goethe-Instituts gewonnen und ist Indiens beste Deutschlehrerin des Jahres 2017. Ihr Preis: Ein vierwöchiger Sprachkurs in Berlin, zusammen mit drei anderen Lehrern und 31 Schülerinnen und Schülern. Der aufregendste Teil der Reise führte sie im Sommer 2017 ins Bundeskanzleramt: Angela Merkel gratulierte den Gästen aus Indien persönlich.

Diesen Erfolg verdankt Heena Jain den Online-Kursen der DW Akademie. Die Deutsch-Grundlagen lernte sie in normalen Sprachkursen, für alle weiteren Prüfungen bereitete sie sich allein mit den Online-Angeboten der DW vor – vom „Top-Thema mit Vokabeln“, über „Alltagsdeutsch“, bis „Sprachbar“ und „Video-Thema“. Um Deutschlehrerin werden zu können, benötigte sie das C1-Zertifikat des Goethe-Instituts,  das ein fortgeschrittenes Sprachniveau bestätigt. Auch das bestand sie mit den Übungen der DW Akademie.   

Allein mit den Angeboten der DW die wichtigsten Deutschprüfungen bestanden 

„Eigentlich hatte ich gar keine Verbindung zu Deutschland. Ich hatte vor dem Studium nur von Hitler und Albert Einstein gehört“, sagt Jain. „Meine Mutter wollte, dass ich etwas Besonderes im Leben mache und dass ich eine neue Fremdsprache lerne“, erinnert sie sich. Ihr Cousin habe ihr dann empfohlen, nach der Schule Deutsch zu lernen, vor allem, weil Inder sich meist für Französisch als zweite Fremdsprache neben Englisch entschieden. Er habe selbst Deutsch gelernt und danach einen guten Job bei einer IT-Beratungsfirma bekommen.

Die heute 26-Jährige Heena stammt aus Ferozepur, Punjab, einer Kleinstadt an der Grenze zu Pakistan. Seit 16 Jahren wohnt sie mit ihrer Familie in Patiala, einer Stadt etwa zwei Stunden von Chandigarh im Norden Indiens entfernt. Als sie nach ihrem Schulabschluss mit dem Deutschlernen begann, musste sie dafür jedes Mal stundenlang nach Chandigarh reisen – was ihr schnell zu umständlich wurde. Auf die Deutschlern-Angebote der DW Akademie kam sie über ihren Onkel in Delhi, bei dem sie zum ersten Mal das TV-Programm der Deutschen Welle sah. „Ich habe direkt nach einer Sendung auf die Homepage geschaut und die Sprachkurse entdeckt. Ich habe angefangen, Texte und Artikel zu lesen und Geschichten zu hören“, berichtet Jain. Durch das Mitlesen der Texte habe sie schnell ihr Hörverständnis und ihre Aussprache verbessern und ihren Wortschatz erweitern können: „Mir gefällt, dass ich alles über deutsche Kultur, deutsches Essen, Landeskunde, Gewohnheiten von Deutschen, deutsche Autos, alles, was zu Deutschland und Europa gehört, kennen lerne. “   

Die Auszeichnung als Indiens beste Deutschlehrerin 2017. Quelle: Privat

Die Auszeichnung als "Indiens beste Deutschlehrerin 2017".

„Die Deutschkenntnisse haben mir Freiheit und Respekt verschafft“

Jetzt arbeitet sie als Deutschlehrerin an einer Schule für 11- bis 14-jährige Kinder und Jugendliche bei Kendriya Vidyalaya, einer Kette von staatlichen Bildungseinrichtungen mit mehr als 1100 Schulen in Indien und anderen Ländern. Lehrerin wollte sie eigentlich nie werden. „Für mich war der Beruf Lehrer sehr langweilig. Ich wollte eigentlich in Unternehmen arbeiten, aber während meines Bachelor-Studiums bekam ich das Angebot, an einer staatlichen Schule als Deutschlehrerin anzufangen. Für eine 19-jährige Frau war das Gehalt wirklich anziehend und meine Eltern wollten auch, dass ich Lehrerin werde“, erinnert sie sich. Mittlerweile fühlt sie sich mit den Schülern sehr verbunden und nutzt auch für ihren Unterricht Übungen der DW Akademie. Da es in der Schule häufig Probleme mit dem Internet gebe oder Arbeitsblätter fehlten, machten die Schüler die Übungen als Hausaufgaben zuhause. „Lehrer kann man natürlich nicht ersetzen, aber Lehrer kann man leider auch nicht überallhin mitnehmen“, meint Jain.

Ihre Entscheidung, Deutsch zu lernen, hat Heena Jain nie bereut. Die Sprache habe ihr Leben total verändert, ihr viele neue Freiheiten und Respekt verschafft: „Deutsch hat mir alles gegeben. Die meisten Frauen in Indien heiraten jung und haben danach ein weniger gutes Leben. Sie sind nicht so selbstständig und unabhängig. Für mich ist Heiraten nicht so wichtig. Ich liebe meine Freiheit und will etwas für die Gesellschaft tun. Fast jeder kann in Indien Englisch verstehen und ein bisschen sprechen, aber ich kann nicht sagen, dass Englisch mir so viel geholfen hätte. Deutsch ist jetzt die Musik meines Lebens!“

Typisch deutsch? Dichter und Philosophen, aber auch Weihnachtsmärkte, Brot und Pünktlichkeit

Dreimal reiste sie bisher nach Deutschland, zweimal mit einem Stipendium des Goethe-Instituts und einmal, um eine Woche lang als Dolmetscherin in Heidenheim zu arbeiten. Mit den Jahren habe sie einiges über Deutschland gelernt: „Ich hatte keine Ahnung, dass Deutschland so eine wichtige Rolle in der Welt spielt.“ Was für sie typisch deutsch ist? „Deutsche Philosophen, deutsche Dichter, deutsche Komponisten, deutsche Erfinder und deutsche Wissenschaftler gehören zur deutschen Kultur. Aber auch Gartenzwerge, das Oktoberfest, Weihnachtsmärkte, Musiktheater, Opernhäuser, der Kölner Karneval, deutsche Autos, Fußball, Sportvereine, Bier, Kartoffelsalat, Würstchen, Bretzel, mehr als 1000 Arten Brot, Glühwein, bayerische Küche, Berliner Küche, Schwarzwälder Kirschtorte, deutsche Pünktlichkeit, Ordentlichkeit und Gastfreundlichkeit.“

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