Der Winter hat Deutschland fest im Griff | Aktuell Deutschland | DW | 08.02.2021
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Meteorologie

Der Winter hat Deutschland fest im Griff

Schnee, Eis und heftiger Wind haben in vielen Regionen Deutschlands den Verkehr schwer getroffen - oft waren kilometerlange Staus und gestrandete Züge die Folge. Und die große Kälte kommt erst noch.

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Der Tag vom 07.02. 2021

Schnee und Eis treffen den Straßenverkehr in vielen Regionen Deutschlands schwer - zahlreiche Unfällen und teils kilometerlange Staus sind die Folge. Steckengebliebene Lastwagen blockierten nach heftigen Schneefällen die Autobahnen, etwa im Norden und Osten Hessens: "Die Lage ist katastrophal", sagte ein Sprecher der Polizei in Fulda. In vielen Bereichen stünden Lastwagen und Autos seit sechs Stunden im Stau, und es gehe nicht vorwärts oder rückwärts. Räumfahrzeuge kämen kaum durch. Lkw-Fahrer sollten die Autobahnen nicht mehr befahren. Es sei noch nicht abzusehen, wann die Fahrbahnen wieder frei seien.

Wegen des heftigen Wintereinbruchs stellten mehrere Städte in Hessen den Busverkehr komplett ein - etwa Kassel und Marburg an der Lahn. Grund seien der starke Schneefall sowie vereiste Straßen, teilten die Stadtwerke Marburg mit. Auch die Busse und Straßenbahnen in Kassel bleiben in den Depots.

Nichts geht mehr - zumindest auf der Richtung Frankfurt am Main führenden Fahrbahn der A 4 bei Dresden

Nichts geht mehr - zumindest auf der Richtung Frankfurt am Main führenden Fahrbahn der A 4 bei Dresden

Auf der Autobahn 6 bei Nürnberg in Bayern blieben Lastwagen ebenfalls reihenweise im Schnee stecken. Ein Auto hatte sich während des Schneefalls gedreht und die Fahrbahn versperrt. Etwa 100 Fahrzeuge stauten sich im Anschluss. Bis das Auto geborgen wurde, waren etliche Lastwagen eingeschneit worden. Das Technische Hilfswerk befreite die Lkw bis in die Nacht hinein.

Lastwagen stecken in Schneeverwehungen fest

Auf der Autobahn 4 bei Gera in Thüringen fuhren sich Lastwagen in Schneeverwehungen fest, es bildete sich ein kilometerlanger Stau. Abschleppdienste und Räumfahrzeuge mussten die Lkw befreien. Ebenfalls in Thüringen blieb eine dreiköpfige Familie mit ihrem Auto im Schnee stecken. Laut Polizei blieb das Fahrzeug am Sonntagabend bei Sömmerda liegen und kam nicht mehr weiter. Eigenen Angaben zufolge versuchte die Familie stundenlang, das Auto vom Schnee zu befreien und wählte gegen Mitternacht schließlich den Notruf. Die Eltern und ihre siebenjährige Tochter mussten von der Feuerwehr gerettet und in einer Notunterkunft untergebracht werden. Aufgrund des schweren Schneefalls konnte das Auto der Familie erst einmal nicht geborgen werden.

Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks (THW) im Einsatz auf der A 4 bei Gera

Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks (THW) im Einsatz auf der A 4 bei Gera

Nicht mehr so dramatisch ist die Lage dagegen in Nordrhein-Westfalen: Auf den Autobahnen herrschte am Morgen weitgehend freie Fahrt für Pkw. "Es gab kaum Unfälle, alle waren sehr diszipliniert", sagte ein Sprecher der Polizei Münster. Die Bilanz der NRW-Polizei: Insgesamt 720 Einsätze innerhalb von 24 Stunden bescherte das extreme Winterwetter den Beamten. Allein von Sonntag- bis Montagmorgen seien die Beamten zu 507 witterungsbedingten Unfällen gerufen worden, sagte ein Sprecher der Landesleitstelle. Bei den Unfällen habe es einen Toten und 37 leicht verletzte Personen gegeben.

Fahrverbote wegen komplett vereister Straßen 

In Duisburg war am Sonntag ein Wagen von der Straße abgekommen und in einem Bach gelandet. Dabei starb der Fahrer. Auf den Autobahnen in Westfalen gilt noch bis zum Mittag ein Fahrverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen. Grund dafür sind der anhaltende Schneefall sowie vereiste Fahrbahnen. Einige Autobahnen sind so stark vereist, dass es derzeit unmöglich ist, die Fahrbahnen komplett eis- und schneefrei zu bekommen.

In Niedersachsen gilt die Regelung für die Landkreise Emsland, Osnabrück und Grafschaft Bentheim. Trotz des Verbots für den Schwerlastverkehr waren auf den Autobahnen um Osnabrück vereinzelt Lastwagen unterwegs. "Ganz verhindern können wir es nicht", sagte ein Sprecher der Polizeileitstelle Osnabrück.

Einschränkungen auf den Autobahnen gibt es etwa auch in Berlin: Auf den Stadtautobahnen solle auf Grund der Wetterlage nicht schneller als 60 Kilometer pro Stunde gefahren werden, erklärte die Verkehrsinformationszentrale. Auf den Straßen der Hauptstadt sei mit extremer Glätte zu rechnen.

Keine Züge, aber "zahlreiche Informationskanäle" 

Auch den Fahrplan der Bahn trifft das extreme Winterwetter. "Schnee und Eis werden den Nah- und Fernverkehr der Deutschen Bahn in weiten Teilen des Landes auch an diesem Montag beeinträchtigen", so die Deutsche Bahn. Reisende wurden gebeten, "die zahlreichen Informationskanäle der DB zu nutzen, um sich vor Fahrtantritt über ihre Verbindung zu informieren". Der Bahn-Fernverkehr etwa zwischen Berlin und Hannover, Frankfurt am Main und München bleibe vorerst eingestellt, erklärte das Unternehmen.

Im Bahnhof in Uelzen im Nordosten Niedersachsens strandete am Sonntagabend ein Zug mit rund 50 Fahrgästen. Hilfskräfte versorgten die Menschen mit Decken, heißen Getränken und Suppe. Erst am Morgen konnten die Reisenden ihre Fahrt fortsetzen.

Ein vereister ICE im Hauptbahnhof von Hannover

Ein vereister ICE im Hauptbahnhof von Hannover

An diesem Montag soll es mit hartem Winterwetter weitergehen: Der Deutsche Wetterdienst warnte in der Nacht vor teils kräftigen Schneefällen mit meist zehn bis 25 Zentimetern Neuschnee in der Mitte Deutschlands - betroffen seien vor allem Nordosthessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Auch in anderen Bundesländern müssen die Menschen weiter mit Einschränkungen durch den Wintereinbruch rechnen.

Bürger in Norddeutschland müssen sich auf Hochwasser an der Ostsee einstellen. Ein kontinuierlicher Ostwind bringt Wassermassen an die Küste, wie ein Meteorologe sagte. Für den Montag sei in der Kieler Bucht mit bis zu 80 Zentimeter höheren Wasserständen zu rechnen und auch in der Lübecker Bucht steige das Wasser deutlich an.

Wenn "Tristan" mit "Gisela"...

Tief "Tristan" über Mitteleuropa und dem zentralen Mittelmeer bringt im Zusammenspiel mit Hoch "Gisela" über Skandinavien weitere eisige Luft. "Nach dem schnee- und windreichen Wochenende kommt nun aus Osten die große Kälte auf uns zu", sagte Meteorologe Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Mit Schnee muss weiterhin gerechnet werden, allerdings fällt dieser nicht mehr so intensiv wie am Wochenende. Am Dienstag lassen die Schneefälle dann größtenteils nach.

sti/rb (dpa, afp)