Der Ton macht die Musik | Sprachbar | DW | 11.09.2013
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Sprachbar

Der Ton macht die Musik

Ohne Töne gibt es keine Musik, aber auch keine Sprache. Und hier sollte der rechte Ton getroffen werden, denn der Ton macht die Musik. Was zum guten Ton gehört, hat sich im Lauf der Zeit jedoch etwas geändert.

Am Anfang war das Staunen, ein „Hast du da noch Töne?“ Nun, Töne hatte man schon immer. Bloß Worte und Sprache entstanden erst später aus ihnen. Einfacher wurde Kommunikation dadurch aber nicht, denn Töne haben es in sich – wie in der Musik.

Falsche und richtige Töne

Ein Mann schreit in einen Telefonhörer, den er in der linken Hand hält

Zum guten Ton gehört dieses Verhalten wohl nicht…

Fehlen jemandem die Töne, dann fehlen ihm sprichwörtlich die Worte, und er muss passende Worte suchen. Denn keiner will ja einen falschen Ton anschlagen, einen Missklang in seinen Worten haben. Das Gegenüber reagiert möglicherweise gereizt, sauer, mit erhobener Stimme und Sätzen mit empörten Ausrufezeichen: „Ich verbitte mir diesen Ton!“, „Nicht in diesem Ton!“, „Der hat vielleicht einen Ton am Leib!!“, oder: „Sie vergreifen sich grade im Ton!“ Es wird klar: den rechten Ton zu treffen, kann zwar heißen, fehlerfrei zu spielen oder zu singen, weist aber über das Gebiet der Musik hinaus.

Der gute Ton ist ein Begriff, den wir dem deutschen Schriftsteller Adolph Freiherr Knigge verdanken. Er schreibt darüber in seiner Schrift „Roman meines Lebens“: „…dass in einer Residenz sich alles nach dem Ton stimmt, den der Fürst angiebt“. Der Fürst bestimmt, die anderen passen sich an. Wer ihm etwas sagen will, der hat die vom Fürsten vorgegebene Form zu wahren. Einen ungezwungenen Ton schlägt an, wer eine andere Person gut kennt. Er spricht frei und offen wie mit einer Freundin oder einem Freund.

Rechte Töne treffen und Töne herausbringen

Symbolbild einer strengen Lehrerin in einem Kostüm, die einen Stock in der Hand hält

Jetzt werden andere Saiten aufgezogen!

Die Art und Weise, wie man etwas ausdrückt, ist oft wichtiger als der Inhalt des Gesagten selbst. Ein in diesem Zusammenhang oft zitiertes Sprichwort stammt aus dem Französischen: „C'est le ton qui fait la musique“ – „Der Ton macht die Musik“. Wahrheiten, die den Adressaten im falschen Ton erreichen, erreichen ihn letztlich nicht. Und wer den rechten Ton nicht trifft oder überhaupt keinen Ton herausbringt, dem gegenüber schlägt man schnell andere Töne an, der Ton wird schärfer.

Sogar Musikinstrumente werden mitunter verbal „instrumentalisiert“. Wenn einer nicht pariert, bedient man sich eines Streichinstruments oder einer Gitarre: andere Saiten werden aufgezogen, es wird hart und streng durchgegriffen, die Vorgehensweise wird geändert. Oder es werden jemandem dann Flötentöne beigebracht. Nur damit man am Ende nach der Pfeife des anderen tanzen möge! Dass man dem Sohn beim Militär die Flötentöne beibringe, ihn Ordnung lehre, das soll schon manche Mutter still gehofft haben. Selbstverständlich vor langer, langer Zeit.

Eintönigkeit und verschiedene Tönungen

Haare in sechs verschiedenen Tönungen

Tönungen mögen Frauen jeden Alters!

Wer von der Rede eines anderen begeistert ist, dem kommt ein „Das ist Musik für meine Ohren“ über die Lippen, auch wenn der Redner nichts gesungen oder gespielt hat. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, denen die besten Musikstücke nichts geben. Ihnen entfährt im Brustton der Überzeugung: „Was für ein lärmendes Getöse!“ Anders mag es da mit einsamen Menschen sein. Friedrich Nietzsche sagte einmal: „Für den Einsamen ist schon Lärm ein Trost.“

Einsamkeit geht oft Hand in Hand mit Eintönigkeit, Monotonie. Manchmal helfen da kleine Veränderungen, frische Farben, eine neue Haarfarbe – es gibt die verschiedensten Tönungen –, neue Tapeten, neue Kleider. Mancher bevorzugt Kleidung, die Ton in Ton ist, in verschiedenen Schattierungen eines Farbtons.

Lautmaler und Leisetreter

Silvio Berlusconi mit ausgestrecktem rechtem Arm

Der italienische Politiker Silvio Berlusconi gilt als jemand, der gerne große Töne spuckt

Ein Vorurteil ist, dass es sich bei so jemandem möglicherweise um einen Leisetreter handelt, um jemanden, der öffentlich nicht gerne große Töne spuckt. Ich betone: Das ist ein Vorurteil. Aber auch Vorurteile können zutreffen. Kleidet einer sich dezent, zurückhaltend, nicht in grellen Farben, dann kann es sein, dass er ein stiller, leiser Zeitgenosse ist. Er muss aber kein Leisetreter sein.

Leisetreter ist so wenig ein Beruf wie Tonleiter oder Lautmaler. Einen Tonsetzer aber gab es mal. Es ist der veraltete Begriff für einen Komponisten. Und der Leisetreter ist einer, der auf leisen Sohlen daherkommt und stets auf seinen Vorteil bedacht ist. Man kann sagen: ein fieser Charakter! Das kann man ruhig laut sagen. Muss man aber nicht. Leise ist auch möglich. Lautstärke kann auch schwach sein, kaum mehr hörbar. Genauso wie eine tiefe Bass-Stimme jemanden in den höchsten Tönen – also überschwänglich - loben kann.

Schön, dass es unterschiedliche Töne gibt

Freilich: Man muss nicht jeden Ton mögen. Mir kommen da folgende Zeilen in den Sinn:

„Ton, dich hör ich gern, am liebsten
klingen, tropfen, pochen, piepsen.
Freilich: Poltern, Knall, Gebrüll,
sind Radau, zu wenig stüll.
Doch du grunzt, quakst und machst ‚Muh’
auch mal ‚Mäh’, Mensch, Ton: gib Ruh!
Schluss mit Klappern, Krach, Gedröhne,
Ton, Ton, Ton, Mensch, du hast Töne!“




Fragen zum Text

Reagiert jemand beleidigt, dann …
1. ist sie/er monoton.
2. hat eine andere/ein anderer den rechten Ton getroffen.
3. ist der falsche Ton angeschlagen worden.

Zum guten Ton gehört …
1. Eintönigkeit.
2. eine Tönung.
3. Höflichkeit.

Wer sich in etwas sehr sicher ist, … redensartlich …
1. hat – einen Ton am Leib.
2. bringt – keinen Ton heraus.
3. antwortet – im Brustton der Überzeugung.


Arbeitsauftrag
Überlegt euch in eurer Lerngruppe Situationen, in denen die folgenden Redewendungen passend angewandt werden könnten: den rechten Ton anschlagen, keinen Ton herausbringen, in einem ungezwungenen Ton sprechen, der Ton wird schärfer, sich im Brustton der Überzeugung äußern, jemandem die Flötentöne beibringen, der Ton macht die Musik, zum guten Ton gehören. Spielt die Situationen anschließend nach – unter Verwendung der jeweiligen Redewendung.

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