Der HSV lässt alle Beteiligten ratlos zurück | Sport | DW | 13.05.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Verpasster Aufstieg

Der HSV lässt alle Beteiligten ratlos zurück

Der verpasste direkte Wiederaufstieg des Hamburger SV lässt Ex-Verantwortliche wie Felix Magath nur den Kopf schütteln. Das Scheitern des HSV hat auch gesamtgesellschaftliche Dimensionen in der Hansestadt.

Auch eine Nacht danach ist die Enttäuschung spürbar. Selbst bei denen, die sich zumindest örtlich weit entfernt haben vom Hamburger SV. Der verpasste direkte Wiederaufstieg der Hanseaten weckt ihre Emotionen aber auch noch 24 Stunden danach.

"Als ehemaliger Spieler und Verantwortlicher bin ich natürlich enttäuscht. Aber darum geht es ja gar nicht", sagt Felix Magath der Deutschen Welle am Montag. Zehn Jahre war er als Spieler beim HSV aktiv, wurde dort dreimal Deutscher Meister und zweimal Europapokalsieger. In seiner zweijährigen Managerzeit gewann der Klub den DFB-Pokal.

Der 65-Jährige, der seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile nach München verlegt hat, kann jedenfalls überhaupt nicht verstehen, dass "ein Verein, der über solche und viel bessere Möglichkeiten als die anderen Klubs verfügt, es verpasst hat, in die 1. Bundesliga aufzusteigen und stattdessen den SC Paderborn vorbeiziehen lässt". Mehr will Magath dazu erstmal nicht sagen. Nur so viel: "Wer übernimmt Verantwortung für dieses Desaster?" 

Höhere Zinsbelastungen?

Der Klub hat derzeit ein Tief erreicht, dass sich in dieser Form kaum jemand in Hamburg und Umgebung und natürlich auch nicht Magath vor Saisonbeginn hätte vorstellen können. Und neben dem sportlichen Tiefgang muss der Klub auch noch einen großen Schuldenberg verwalten. Auf 85 Millionen Euro türmen sich die Verbindlichkeiten bei einem Umsatz von rund 133 Millionen Euro. Der angekündigte Jahresverlust von 20 Millionen Euro dürfte die Bilanz weiter verdunkeln. 

Ex-Spieler und -Manager Felix Magath sorgt sich um den HSV (picture-alliance/dpa/S. Hoppe)

Ex-Spieler und -Manager Felix Magath sorgt sich um aktuellen Zustand des HSV

Eine Frage wird sein, wie sich die Finanzinstitute verhalten werden, die dem HSV längerfristige Kredite gewährt haben. "Werden die Banken stillhalten?", fragt der Hamburger Professor und Experte für Sportökonomie Wolfgang Maennig.

Denn die Folge aus dem Nichtaufstieg wird sein, dass die Fernseheinnahmen in der kommenden Saison weiter sinken werden. Dann dürften andere Voraussetzungen herrschen, als die, die bei Vertragsunterzeichnung der Kredite vorlagen. "Banken reagieren auf solch ein Szenario normalerweise mit einem Risikoaufschlag, was die Zinsbelastung für den Klub erhöhen würde", so Maennig. 

Wunder Punkt

Der Saisonetat von derzeit 28,5 Millionen Euro dürfte demnach in der kommenden Spielzeit gesenkt werden. Auch das Gesicht der Mannschaft wird sich deutlich verändern. So steht bereits fest, dass Stürmer Pierre-Michel Lasogga und Mittelfeldspieler Lewis Holtby keinen neuen Vertrag erhalten. Talent Jann-Fiete Arp hat beim FC Bayern unterschrieben. Und auch bei Trainer Hannes Wolf darf zumindest bezweifelt werden, ob er in der kommenden Saison noch beim HSV auf der Bank sitzt.

Bundesliga Hamburg vs Mönchengladbach (picture-alliance/dpa/D. Reinhardt)

Nie mehr HSV! Lewis Holtby muss gehen

Sportlich ist das zweite Jahr im Unterhaus eine Katastrophe für das einstige Bundesliga-Urgestein. Doch der verpasste Aufstieg hat auch einen gesamtgesellschaftlichen Aspekt. Die Sportstadt Hamburg bleibt damit wie im Handball oder Eishockey auch im Fußball weiterhin ohne Erstligisten. "Dieses Szenario trifft schon einen wunden Punkt in der Stadt", sagt Maennig. So etwas kratze auch am Selbstbewusstsein der Hamburger Bevölkerung, weil Spitzensport ein wichtiger Teil der Identifikation mit der Heimatstadt ist. Einzig  Aufsteiger Hamburg Towers hält im Basketball die hanseatische Fahne in der ersten Liga hoch.

Sportliche Flaute in Hamburg, doch zumindest im Fußball sehen Kritiker nicht ganz schwarz: "Der HSV wird auch diese Phase überstehen und auch in drei oder vier Jahren noch existieren und auch irgendwann wieder in der Bundesliga sein", sagt Magath. Der Ex-Spieler, Ex-Trainer und Ex-Manager muss es wissen. Schließlich kennt kaum einer den Hamburger SV so gut wie er.