Der ewige Antisemit | DokFilm | DW | 27.01.2020
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DokFilm

Der ewige Antisemit

Wie antisemitisch ist Europa? Müssen Juden in Deutschland um ihre Sicherheit, ihr Leben fürchten? Der Publizist Henryk M. Broder und der mit ihm befreundete Schriftsteller und Regisseur Leon de Winter begeben sich auf eine Reise durch Europa.

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Die Freunde Henryk M. Broder und Leon de Winter begeben sich auf die Suche nach der verlorenen Zeit, auf die Suche nach einem Deutschland, nach einem Europa, dem die Leichtigkeit des Seins abhandengekommen ist, auf eine Reise von Dresden über Paris bis hinauf ins kalte Malmö. "Der ewige Antisemit" ist ein Road-Movie, eine intensive, schöne, nachdenkliche und melancholische Reise. Auch Hamed und Henryk verbindet eine wunderbare Freundschaft seitdem sie vor fünf Jahren gemeinsam für die Doku-Reihe "Entweder Broder" kreuz und quer durch Europa fuhren. Inzwischen wurde Hamed von den Muslimbrüdern mit einer Fatwa belegt, weil er von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf eine Auszeichnung annahm. Seitdem braucht er rund um die Uhr Personenschutz und kann an der Reise nur teilnehmen, wenn es seine Personenschützer erlauben. Henryk, Leon, Hamed und ihr chauffierender Produzent Joe Schroeder fahren in wechselnden Konstellationen nach Dresden, Paris, Naumburg, Hildesheim, München und Malmö, um herauszufinden, was die Ereignisse der letzten Jahre für die Handvoll Juden, die noch in Europa leben, bedeuten. Im Marais, dem alten jüdischen Viertel von Paris, leben nur noch wenige Juden. Seit dem Anschlag 2015 auf das Konzerthaus Bataclan dominieren nicht nur Touristen das Straßenbild, sondern auch schwer bewaffnete Einheiten der Armee. Zurück in Deutschland treffen sie in Naumburg Hans Püschel, der nach der Wende sich für die SPD engagierte, um dann zur NPD überzutreten und als Holocaustleugner aufzutreten. Nach zwei Verurteilungen deswegen sprach ihn das Oberlandesgericht Naumburg davon frei - die "Frankfurter Allgemeine" nannte dies ein "Skandalurteil erster Klasse!" Im fernen Schweden treffen sie den Rabbiner der jüdischen Gemeinde von Malmö. In seiner Synagoge sind die Scheiben aus Panzerglas. Der Lehrer einer Grundschule erzählt, dass seine 6-12-jährigen Schüler, deren Eltern vor ein paar Jahren nach Schweden kamen, ihre Konflikte aus ihrem Land mitbrachten. Er wird als "Drecksjude" beschimpft und von Elfjährigen manchmal mit dem Hitlergruß empfangen - von den 320.000 Einwohnern der Stadt Malmö sind 128.000 Migranten. Auf ihrer 5.000 Kilometer langen Reise diskutieren die Freunde in "Der ewige Antisemit" klug und witzig, wütend und resigniert, melancholisch und erschüttert über die ewige Frage nach dem Ursprung des Antisemitismus, des Anti-Zionismus, warum ausgerechnet die progressive Linke Ende der 1960er Jahre sich gegen Israel richtete und inwiefern die Zuwanderung aus muslimischen Ländern heute eine Rolle spielt. Trotz allem, so Henryk M. Broder ironisch: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."