Der Dichter des Tauwetters Jewgeni Jewtuschenko ist tot | Aktuell Kultur | DW | 01.04.2017
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Nachruf

Der Dichter des Tauwetters Jewgeni Jewtuschenko ist tot

Als der Sowjetdiktator Stalin starb und das Land freier atmete, gab Jewgeni Jewtuschenko einer ganzen Generation eine Stimme. Mit 84 Jahren ist der russische Dichter in den USA gestorben.

Wie das russische Staatsfernsehen berichtete, starb Jewgeni Jewtuschenko in einem Krankenhaus in Tulsa im Bundesstaat Oklahoma. Präsident Wladimir Putin sprach der Familie sein Beileid aus. "Jewtuschenko war ein großer Poet, sein Erbe ist ein wichtiger Teil der russischen Kultur", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Warnung vor Antisemitismus in der Sowjetunion

Jewtuschenko, geboren 1932, machte sich als Dichter vor allem in der Zeit der Entstalinisierung und des sogenannten Tauwetters in den 60er Jahren einen Namen.

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Ukraine: Die Schatten von Babyn Jar

In dem Gedicht "Babyn Jar" erinnerte er an den deutschen Massenmord an Kiewer Juden 1941 und verband dies mit Warnungen vor Antisemitismus in der Sowjetunion. In Deutschland wurde er auch mit seinen autobiografischen Romanen "Stirb nicht vor deiner Zeit" (1994) und "Der Wolfspass. Abenteuer eines Dichterlebens" (2000) bekannt.

Mit seinen Lesungen füllte Jewtuschenko in Russland ganze Hallen und Stadien. So kritisch er das sowjetische System sah, brach er doch nie ganz damit. Im nach-sowjetischen Russland beklagte er die "kommerzielle Zensur", die "McDonaldisierung der Kultur". 1991 ging er in die USA und lehrte dort in Tulsa als Gastdozent russische Literatur.

Späte Anerkennung

"Er war einer der herausragenden Dichter der Sowjetunion und Russlands, und er wird uns sehr fehlen", sagte der Direktor des Gorki-Literaturinstituts, Alexej Warlamow, der Agentur Tass. Jewtuschenko hatte an dem Institut in Moskau studiert, es aber 1954 aus politischen Gründen verlassen müssen. Erst 2001 wurde ihm sein Abschlussdiplom nachgereicht.

Der russische Schriftstellerverband würdigte Jewtuschenko als "poetisches Symbol einer ganzen Epoche". Sein letzter Wille sei, in dem Moskauer Literatenvorort Peredelkino begraben zu werden, sagte Michail Morgulis, ein Freund der Familie. In Peredelkino ist auch das Grab des Literaturnobelpreisträgers Boris Pasternak.

fab/rk (dpa, afpe)

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