Der Dachs als Schatzgräber | Staunen und Wundern | DW | 11.09.2013
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Staunen und Wundern

Der Dachs als Schatzgräber

Er wollte nur seinen Bau erweitern - und machte dabei einen bedeutsamen Fund. Als dann ein ganzes Rudel Archäologen sein Heim belagerte, wurde es ihm zu bunt: Der Dachs zog aus!

Ein Dachs. (Foto: dpa - Report)

Mancher Dachs ist auch Archäologe

Gesucht hat der Dachs danach sicherlich nicht, dennoch machte er bei der Vergrößerung seines Baus in der Uckermark einen historischen Fund. Den räumte er schlichtweg aus dem Weg und an die Erdoberfläche - denn bei seinen Bauarbeiten war er im Weg.

Dabei war die Ausgrabung, die er da auf dem Grundstück eines Bildhauer-Paares an die Oberfläche gebuddelt hatte, sehr bedeutsam. "Dass dort ein Dachsbau ist, wussten wir längst", erinnert sich Hendrikje Ring. Aber dass der darin lebende Dachs auch ein Archäologe ist, weiß das Pärchen erst, seitdem sie beim Spazierengehen über das Grundstück einen ausgebuddelten Knochen fanden - und noch mehr: Ein Schwert und eine Bronzeschale sowie eine verzierte Gürtelschnalle hatte der emsige Dachs untergraben. Das Gebiet habe ausgesehen wie ein Bestattungsplatz, erzählt der Kunsthandwerker und ehrenamtliche Denkmalpfleger Lars Wilhelm.

Spuren aus dem Mittelalter- zwischen Dachsbau und Grabstätte

Pfote von einem Dachs. (Foto: CC BY-SA-Dellex)

Ideal für Ausgrabungen: Die Dachspfote

Danach übernahmen geschulte Archäologen die weiteren Ausgrabungen und legten nach und nach acht Gräber frei, davon zwei Fürstengräber aus dem 12. Jahrhundert. In einem war ein rund 40-jähriger Krieger bestattet, der zur Oberschicht gehört haben muss - die gefundene Bronzeschale ist ein Indiz für Wohlstand, wie der Grabungsleiter Felix Biermann von der Universität Göttingen erklärte. Im Mittelalter diente eine solche Schale dazu, sich die Hände vor dem Essen mit Wasser zu benetzen.

Die Ausgrabungen auf dem Grundstück sind mittlerweile abgeschlossen. Die Funde werden zunächst restauriert, wissenschaftlich ausgewertet und können dann bald besichtigt werden. Von der Ausgrabungsstätte auf ihrem Grundstück sei heute nichts mehr zu sehen, sagt Hendrikje Ring. Allerdings auch nicht mehr vom Dachs. Das Künstlerpärchen vermutet, dass ihr Mitbewohner Reißaus nahm, als das Expertenteam zum Schaufeln angerückt ist. "Seitdem die archäologischen Ausgrabungen stattgefunden haben, haben wir den Dachs nicht mehr bemerkt."

Wohl überlegter Auszug aus dem Jahrhundert-Bau

"Es kommt selten vor, dass ein Dachs umzieht", sagt Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier-Stiftung der DW. Es dauere oftmals Jahrzehnte, bis ein Dachsbau geräumig ausgebaut ist: Er wird von Generation zu Generation größer gebuddelt, erklärt der Experte. "Dachsbauten gleichen richtigen Burgen, die bis zu 2,5 Meter unter die Erde reichen, mit weitverzweigten Röhren und Gängen."

Der tierische Baumeister baut sogar Luftkamine sowie Haupt- und Nebenröhren fürs richtige Klima sowie Toiletten für die nötige Hygiene. "Er wird es sich gut überlegt haben, ganz von vorne anzufangen", meint der Dachs-Experte. Aber das Wildtier ist eben ein Einzelgänger - und menschenscheu.

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