Der BVB ist bereit für den FC Bayern München | Sport | DW | 03.11.2018
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Bundesliga

Der BVB ist bereit für den FC Bayern München

15 Pflichtspiele und nicht eine Niederlage. Borussia Dortmund hat sich neu erfunden und setzt seine beeindruckende Serie fort. Der Sieg in Wolfsburg zeigt, dass der BVB nun bereit für das Gipfeltreffen mit dem FCB ist.

Er reckt die rechte Faust und schreit kurz in den Abendhimmel. Lucien Favre strahlt so hell wie die Flutlichtscheinwerfer, als er sich umdreht und zurück zu seiner Trainerbank geht, um dort seine Spieler abzuklatschen. Der nächste Sieg ist unter Dach und Fach. Der 1:0 (1:0)-Erfolg von Borussia Dortmund beim VfL Wolfsburg ist gleichbedeutend mit der Fortsetzung einer beeindruckenden Serie: In 15 Spielen seit Saisonbeginn ist der BVB ungeschlagen. Ein neuer Vereinsrekord.

Dass sich die Serie auch in Wolfsburg fortsetzen sollte, war erwartet worden und war dennoch nicht selbstverständlich. Denn der VfL zeigt sich als hartnäckiger Gegner, der die spielerische Überlegenheit des Dortmunder Ensembles keinesfalls einfach so anerkennen will. So entwickelt sich eine zwar nicht gerade spektakuläre, aber taktisch interessante Partie: Denn Favre probiert Neues aus. Auf neun Positionen verändert er die Startformation gegenüber dem hart erarbeiteten Pokalsieg nach Verlängerung gegen Union Berlin. Und nachdem Kapitän Marco Reus nach einer schönen Kopfballvorlage von Thomas Delaney per Kopf zum 1:0 einnickt (27.), lässt Favre seine Elf dieses Ergebnis verwalten. Angesichts des torreichen Hurra-Fußballs der vergangenen Wochen eine neue Darstellungsform des Dortmunder Spiels.

Ein Testlauf für kommende Aufgaben

Ob Paco Alcacer, Reus, Bruun Larsen oder Sancho - alle Offensivkräfte arbeiten konsequent nach hinten mit, nehmen sich so zwar selbst einiges an Gefahrenpotential, sichern aber letztlich den Sieg. Vielleicht ist es ein Testlauf unter Ernstfall-Bedingungen, den Trainer Lucien Favre da praktizieren ließ - mit Blick auf kommende Aufgaben. Zugegeben, am Ende hat Dortmund auch etwas Glück, dass die "0" stehen bleibt. Zum Beispiel beim Freistoß von Maximilian Arnold in der 87. Minute, der knapp am langen Pfosten vorbeispringt, während Axel Witsel Marcel Tisserand am Trikot zupft und so am Kopfball hindert.

Bundesliga 10. Spieltag | Vfl Wolfsburg vs.Borussia Dortmund |  Torschütze 0:1 Marco Reus (Reuters/F. Bimmer
)

Treffer Nummer 30 in der Bundesliga: Marco Reus nickt gegen Wolfsburg ein

Dennoch: Die junge und neuformierte BVB-Abwehr - bestehend aus Achraf Hakimi, Dan-Axel Zagadou (beide 19), Manuel Akanji (23) und Raphaël Adelino José Guerreiro (24) - wirkt nun zunehmend gefestigt und eingespielt. Sie ist ein Teil eines Plans, der mit einer Zäsur begann.

Der Radikalumbau gelingt

Was da im Sommer in Dortmund stattfand, war nicht weniger als ein Radikalumbau. Neuer Trainer, neuer Trainerstab, elf Abgänge, zwölf Zugänge. Die BVB-Fans mussten zu Saisonbeginn erst einmal ihre Mannschaft kennenlernen, die plötzlich ein völlig neues Gesicht hatte. Es war ein Umbruch, wie ihn nur wenige Top-Klubs wagen. Eigentlich wird die Verjüngung eines Kaders schrittweise und behutsam durchgeführt, in Dortmund von heute auf morgen. Das Verblüffende: Der Plan geht auf.

Tabellenführung mit vier Punkten Vorsprung vor den Bayern, 30:10 Tore - Dortmund spielt einen beeindruckenden, mitreißenden Offensivfußball, bietet hohen Unterhaltungswert, gewinnt zunehmend auch defensiv an Stabilität und ist damit nicht nur in der Bundesliga konkurrenzfähig, sondern auch in der Champions League. Gegen Madrid, Monaco und Brügge gab es drei Siege und kein Gegentor. Ein Traumstart, der nur eine Frage hinterlässt: Wie lange kann es noch so weitergehen?

Das wäre mal etwas Neues: "Deutscher Meister wird nur der BVB"

FC Brügge - Borussia Dortmund (picture-alliance/B. Thissen)

Mastermind des Dortmunder Neuanfangs: Lucien Favre mit neuem Vereinsrekord

Die Antwort folgt in der kommenden Woche: Dortmund muss erst zum Rückspiel zu Atletico Madrid, und anschließend kommen die Bayern in den Signal Iduna Park. Sportjournalisten sprechen bei solchen Anlässen gerne von einer "Woche der Wahrheit". So abgedroschen die Phrase ist, sie stimmt. Der BVB steht vor zwei Spielen, die zeigen, wie stabil die junge, neuformierte Mannschaft wirklich ist. "Ja klar freuen wir uns alle auf diese Spiele", sagt Manuel Akanji nach dem Spiel in Wolfsburg und klingt dabei weder unbedarft noch euphorisch.

Währenddessen skandieren die 3500 mitgereisten Fans: "Deutscher Meister wird nur der BVB". Das wäre nun wirklich mal etwas Neues im deutschen Fußball. Während die Fans singen, hüpfen die Spieler vor der Kurve ausgelassen und klatschen ihren Anhängern Beifall. Dass die davon animiert mit "Zieht den Bayern die Lederhosen aus!" noch einen drauf setzen, passt irgendwie ins neue Dortmunder Selbstbewusstsein.

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