Der Bundestag wird vielfältiger | Deutschlehrer-Info | DW | 07.10.2021
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Deutschlehrer-Info

Der Bundestag wird vielfältiger

Schon ein Blick auf die Namen vieler Abgeordneter im Parlament deutet an: Die Zeiten, in denen fast alle Politiker weiß und männlich waren, sind vorbei. Der Nachname aber, der am häufigsten vertreten ist, bleibt Müller.

Bild von Cem Özdemir aus dem Jahr 1994

Cem Özdemir: 1994 noch Vorreiter

Sein Einzug in das deutsche Parlament erregte vor 27 Jahren Aufsehen: Im Jahr 1994 war der Grünen-Politiker Cem Özdemir der erste Bundestagsabgeordnete mit türkischen Wurzeln. Aber auch wenn in späteren Legislaturperioden einige weitere Abgeordnete folgten, wie zum Beispiel die Linken-Politikerin Sevim Dağdelen vor 16 Jahren, blieben Politiker und Politikerinnen mit Einwanderungsgeschichte noch lange eine Ausnahme.

Auch heute noch sind Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund im Parlament unterrepräsentiert, doch ihr Anteil wird im 20. Bundestag deutlich höher sein als im letzten: Vor vier Jahren hatten laut einer Recherche des Mediendienstes Integration etwa acht Prozent der Abgeordneten eine Einwanderungsgeschichte. Jetzt sind es mit mindestens 83 Sitzen schon 11,3 Prozent. Unter den Wahlberechtigten in Deutschland beträgt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund etwa 13 Prozent.

So kommen zum Beispiel aus Dresden zwei junge Abgeordnete mit Wurzeln im arabischen Raum: die Sozialdemokratin Rasha Nasr und der Grüne Taher Kassem Saleh. Nasr ist 1992 geboren. Ihre Eltern sind aus Syrien in die DDR eingewandert. Saleh wurde als Kurde im Nordirak geboren. Er ist Bauingenieur und hat zuletzt noch einen Flakbunker in Hamburg zum Kreativtreffpunkt mit Dachgarten umgebaut.

Der Frankfurter Sozialdemokrat Armand Zorn lebte noch bis zur siebten Klasse in Kamerun. Er konnte kein Deutsch, als er im Jahr 2000 nach Halle zog. Auch der bayerische FDP-Politiker Muhanad Al-Halak kam erst im Jahr 2000 mit elf Jahren aus dem Irak nach Deutschland.

Bild von Armand Zorn, im Hintergrund das SPD-Logo

Armand Zorn hat seinen Wahlkreis in Frankfurt direkt gewonnen

 Schahina Gambir wurde im afghanischen Kabul geboren, wuchs aber in Niedersachsen auf. Die Grünen-Politikerin beschloss, in die Politik zu gehen, nachdem vor eineinhalb Jahren in Hanau ein 43-jähriger Rechtsextremist und Rassist mehrere Menschen mit Migrationshintergrund erschossen hat. Neu für die Grünen im Bundestag ist auch die prominente deutsch-syrische Religionspädagogin Lamya Kaddor. Sie ist eine der bisher acht Abgeordneten, die im Bundestagssteckbrief als ihre Religion den Islam angeben.

Auch in anderer Hinsicht wird der neue Bundestag vielfältiger: Der Anteil der Frauen ist mit etwa 35 Prozent zwar weiterhin niedrig, aber die Tendenz ist steigend. Denn in der ablaufenden Legislaturperiode waren es gerade einmal 31 Prozent. Mit Tessa Ganserer und Nyke Slawik (beide Grüne) haben erstmals auch zwei Transfrauen Mandate errungen.

Nur eine Sache hat sich nicht verändert: Der häufigste Nachname lautet auch im neuen Bundestag Müller. Gleich 13 Abgeordnete tragen diesen Namen.

ip/sts (epd)

 

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