Der Ausdruck des Körpers | Sprachbar | DW | 10.08.2016
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Sprachbar

Der Ausdruck des Körpers

Manche Menschen haben Tomaten auf den Augen, andere haben Pudding in den Beinen und wieder andere haben einen Floh im Ohr. Natürlich nur im übertragenen Sinne! Im Deutschen gibt es viele Redewendungen rund um den Körper.

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Der Ausdruck des Körpers

Als ob ein Dichter am Werke gewesen wäre und jahre-, ach was, jahrzehntelang überlegt hätte, wie sich Gefühle und Eigenschaften mit Sprachbildern ausdrücken lassen. Aber es war nur selten ein Poet, sondern meistens das Volk.

Menschliches, allzu Menschliches

Aus der Haut fahren ist so ein Bild. Es veranschaulicht, dass sich da einer aufregt und schimpft. Derartig aufbrausen, das tun besonders hitzige Gemüter beziehungsweise heißblütige Charaktere – und sind damit genau das Gegenteil von jenen, die immer einen kühlen Kopf bewahren.

Ein wütender Geschäftsmann mit geballten Fäusten. Colourbox/Rugdal

Nicht jeder hat die Fähigkeit, einen kühlen Kopf zu bewahren

Der ist ein Vorteil, denn mit ihm lassen sich Situationen klarer einschätzen und Entscheidungen sicherer treffen.

Übrigens hat der kühle Kopf lange vor der Zeit existiert, in der die Jugendsprache den coolen Typen erfand, der weitgehend nüchtern und distanziert seine Umgebung betrachtet und mit überlegener Geste auf jedes Ereignis reagiert.

Lausige Leber und Flöhe im Ohr

Tierisches rückt dem Menschen auch zu Leibe, sprachlich gesehen. „Na dem ist aber eine Laus über die Leber gelaufen“, sagt man immer dann, wenn jemand verstimmt ist, wütend und ärgerlich, ohne dass genau erkennbar wäre, woher denn der Grund für diesen Ärger rührt.

Eine Zecke im Ohr eines Hundes. Colorbox/P. Sarutnuwat

Egal ob Zecke oder Floh im Ohr: Wenn sie nicht entfernt werden, werden sie sehr dick

Ein ähnlich kleines Tier und Parasit dazu hat eine ganz andere Bedeutung. Einem Menschen einen Floh ins Ohr zu setzen, also einen unerfüllbaren Wunsch in ihm zu wecken, bedeutet: Die Enttäuschung ist vorprogrammiert.

Der Traum vom berühmten Schauspieler, vom erfolgreichen Superverkäufer oder Musikstar. Jeder von uns hat seine kleinen Träume. Nur mit schlechten Ratgebern wachsen diese Träume manchmal zur fixen Idee, zur Größenfantasie, und da ist er dann, der Floh im Ohr.

Da ist der Wurm drin

Weitaus harmloser ist da der Ohrwurm. Der ist nämlich nur ein Musikstück oder ein Lied, das man nicht mehr aus dem Kopf bekommt und das einem ständig in den Ohren klingt, obwohl es – real – gerade gar nicht zu hören ist. Da macht das Gedächtnis einfach, was es will und dudelt einem die Melodie immer wieder in die Ohren.

Symbolbild: Eine Frau mit einem Kopfhörer auf dem Kopf hört Musik und freut sich dabei.

Einen Ohrwurm möchte man immer und immer wieder hören

Sonst eher grün und niedlich, gibt es da noch einen anderen tierischen Plagegeist: den Frosch im Hals.

Vor allem, wenn man aufgeregt ist oder auch schlicht erkältet, dann gibt’s eben diese Bremse im Hals – also den Frosch – der verhindert, dass die Worte so herauskommen aus dem Mund, wie sie eigentlich sollten. Was natürlich besonders unangenehm ist, wenn man gerade eine Rede halten will.

Süßspeisen in den Beinen

Und wenn so ein blöder Frosch im Hals sitzt und man gerade vor großem Publikum etwas Wichtiges zu sagen hat, dann ist es sogar sehr ärgerlich, also gerade zum Haare raufen, dass das einfach nicht klappt. Aber diese Situationen gehören zum Leben.

Genauso wie das Gefühl, Pudding in den Beinen zu haben, wenn die Gruppe besonders groß ist, vor der man sprechen will oder aus lauter wichtigen Persönlichkeiten besteht. Wo es doch gerade hier so sehr darauf ankommt, die richtigen Worte zu finden und sie selbstbewusst und sicher vorzutragen. An Tagen mit solchen Erlebnissen kommt man nach Hause und hat Füße wie Blei, genauso wie nach einer riesigen Wanderung durchs Gebirge.

Gemüse und andere Dinge im Gesicht

Filmszene aus Pippi Langstrumpf mit der Schauspielerin Inger Nilsson und ihrem Äffchen Herrn Nilsson auf der Schulter.

Sie hat ordentlich Haare auf den Zähnen: Pippi Langstrumpf

Besonders ängstliche Menschen haben dagegen lange vorher kalte Füße bekommen, haben aufgegeben und die Rede gar nicht erst gehalten. Aber natürlich gibt es noch die mit den Haaren auf den Zähnen, Menschen, die nicht nur recht unfreundlich sind, sondern auch von einem Selbstbewusstsein, das nicht zu erschüttern ist.

Egal, ob die nun erkältet sind oder nicht, der Vortrag gelungen oder daneben: die werden erhobenen Hauptes den Saal verlassen.

Auch mit Gemüse wird der Körper sprachlich verziert. „Hast du denn Tomaten auf den Augen?“, heißt es, wenn jemand etwas Augenfälliges übersieht: die rote Ampel, den Fußgänger auf der Kreuzung oder den Kollegen, der mit einer Tasse Kaffee direkt vor einem steht. Die akustische Ergänzung dazu findet sich, wenn einer Bohnen in den Ohren hat. Also geradezu gar nichts hört, vor allem aber nicht das, worauf es ankommt.

Hand und Fuß

Die wichtigsten Körperteile, auch sprachlich, sind vielleicht Hände und Füße. Mit ihnen bewegen wir uns schließlich durchs Leben. Hand und Fuß hat in der Sprache das, was realistisch ist, eine klare Aussage, ein schlüssiges Argument. Zum Beispiel die Rede eines Politikers, der weiß, wovon er spricht und die Menschen überzeugen kann.

Lange Finger machen ist dagegen weniger beliebt. Das bedeutet nämlich, etwas zu stehlen und kann einen ins Gefängnis bringen. Und nach einem solchen Gefängnisaufenthalt ist es für viele schwierig, wieder auf die Beine zu kommen und einen akzeptierten Platz in der Gesellschaft zu finden.

Körpersprache

Nun müsste man sich eigentlich die Haare raufen, weil es noch so vieles gibt, was der Körper in der Sprache ausdrückt und hier nicht genannt werden kann. Aber ich bin mehr dafür, kühlen Kopf zu bewahren. Ist ja schließlich kein Beinbruch, nicht alles auf einmal zu erledigen.



Arbeitsauftrag
Beschreibt eure Sitznachbarin bzw. euren Sitznachbarn schriftlich. Wie sieht sie/er aus? Wie ist ihr/sein Charakter? Wie tritt sie/er auf? Verwendet so viele Redewendung rund um den Körper wie möglich. Wer mag, kann seine Beschreibung vortragen.

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