Der 1. FC Köln versteht die Welt nicht mehr | Sport | DW | 31.10.2018
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2. Runde

Der 1. FC Köln versteht die Welt nicht mehr

Nach einer starken Leistung in der zweiten Runde des DFB-Pokals sind die Kölner gegen den FC Schalke 04 ausgeschieden - und sie hadern mit sich selbst. Trainer Markus Anfang erhofft sich dennoch einen Schub für die Liga.

Als das Spektakel beendet war und die Enttäuschung sich innerhalb einer Millisekunde breit machte, verharrten die Anhänger des 1.FC Köln ganz ruhig auf ihren Plätzen. Das 5:6 im Elfmeterschießen gegen den FC Schalke 04 in der zweiten Runde des DFB-Pokals hatte eine spürbare Wirkung bei den 50.000 Besuchern hinterlassen. Mark Uth hatte zum Sieg des Ruhrgebietsklubs verwandelt und damit die Träume der Kölner gänzlich unromantisch im Keim erstickt.

Es dauerte rund eine Minute, bis sich der Schock über diese knappe und auch unverdiente Niederlage gelegt hatte. Erst dann zollten sie ihren Spielern, die noch immer enttäuscht auf dem Rasen herumstanden und nicht wussten, wohin mit sich und ihrer Enttäuschung, den verdienten Applaus. 

"Für uns ist es wahnsinnig bitter, so ein Spiel zu verlieren", sagte FC-Trainer Markus Anfang rund eine halbe Stunde nach dem Abpfiff. Und die Stimme des 44-Jährigen war immer noch so brüchig, als könnte er die Welt nicht mehr verstehen. Die Kölner hatten den Champions-League-Teilnehmer aus Gelsenkirchen tatsächlich ganz nah an den Rand einer Niederlage gebracht. Es fehlte allerdings der kaltblütige FC-Spieler im Team, der den Schalkern den entscheidenden Schubs über die (Verlierer-) Kante verlieh. 

DFB-Pokal 2. Runde | 1. FC Köln vs. FC Schalke 04 | Trainer Markus Anfang (Getty Images/Bongarts/L. Baron)

Setzt ein Zeichen für die 2. Bundesliga: Kölns Trainer Markus Anfang

Cordoba lässt Kölner Träume entstehen

Jhon Cordoba hatte die Rheinländer nach 43 Minuten in Führung geschossen und damit die Träume erst entstehen lassen. Er hatte damit der Leistung der starken Kölner Mannschaft Nachdruck verliehen, die ihre Chance vor allem mit spielerischen Mitteln suchten.   

Der FC versuchte sich aus der Abwehr mit gezieltem Passspiel nach vorne zu arbeiten. Die Innenverteidiger Rafael Czichos und Jorge Meré betätigten sich als erste Aufbauspieler. Und auch wenn den Kölner Fans und Trainer Anfang bei manch einem engen Pass ins Mittelfeld der Atem stockte, so war dies  genau die Taktik, die die Schalker in Bedrängnis brachte. 

Dem Anfang-Team gelang es zudem überaus überzeugend, die Schalker vom Kölner Tor fernzuhalten. Timo Horn musste eigentlich keinen gefährlichen Ball entschärfen. Und dennoch musste er hinter sich greifen, weil Nabil Bentaleb nach 88 Minuten per Elfmeter traf. Innenverteidiger Rafael Czichos war der Ball unglücklich an den Arm gesprungen. Es waren nur ein paar Sekunden, die den Rheinländern zum großen Triumph gegen den Bundesligisten fehlten. 

Viel Leidenschaft und Herz

"Solche Spiele laufen ganz anders als in der zweiten Liga. Ich hoffe, das haben jetzt alle Spieler mal verinnerlicht", sagte Anfang. Der Coach erwartet sich trotz der Niederlage im Alltag einen Schub für sein Team. Zuletzt hatte der FC drei Spiele in Folge in der Liga nicht gewinnen können und erste Anzeichen für einen Durchhänger gezeigt. Davon war an diesem regnerischen Kölner Abend aber nichts zu sehen. 

Der Zweitligist legte gegen die Königsblauen viel Herz, Leidenschaft und auch eine große Portion Esprit in seine Bemühungen - aber er ließ die Schalker überleben. Weil der starke FC-Angreifer Serhou Guirassy oft zu lange mit dem Torabschluss zögerte. Und weil Cordoba nach seinem Treffer sehr viel Laufarbeit leistete und sich in Zweikämpfen aufrieb, aber kaum noch zu Torabschlüssen kam. Und: weil der Dauerläufer Dominick Drexler den siebten Strafstoß der Kölner im Elfmeterschießen über das Tor bugsierte und den Schalkern damit den Weg zum Sieg ebnete. "Wir haben die ein oder andere Torchance nicht genutzt", sagte Anfang. "Aber die Jungs haben immer weiter gemacht und versucht, das Spiel zu entscheiden." So richtig böse konnte er seinen Spielern trotz der Pleite nicht sein. 

Hadern mit dem Schiri

Es sollte an diesem Tag einfach nicht sein. Und dass dann auch noch "ein Spieler den entscheidenden Elfmeter verwandelt, der gar nicht mehr auf dem Platz hätte stehen dürfen, ist besonders ärgerlich", sagte der Coach. Anfang meinte Uth. Der Schalker Angreifer hatte kurz vor Ende der Verlängerung einen Ball absichtlich mit den Händen abgefangen und hatte zuvor bereits Gelb gesehen. Eine klare Fehlentscheidung von Schiedsrichter Harm Osmers, den Schalker Angreifer nicht mit Gelb-Rot des Feldes zu verweisen. Uth sorgte dann mit dem siebten Schalker Versuch für die Entscheidung. Bei manchen Spielen kommt eben (zu) viel zusammen.   

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