Depressionen behandeln: Elektrokrampftherapie | Fit und gesund | DW | 27.11.2013
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Fit und gesund

Depressionen behandeln: Elektrokrampftherapie

Obwohl vielfach geschmäht, gehört die Elektrokrampftherapie, auch EKT genannt, seit mehr als 70 Jahren zu den erfolgreichsten Behandlungsverfahren gegen Depressionen. Eingesetzt wird sie zur Behandlung schwerster Depressionen, die auf eine medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlung nicht ansprechen.

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Die EKT wird heute unter einer kurzen Vollnarkose mit Sauerstoff-Beatmung durchgeführt. Mit wenigen Sekunden dauernden Stromimpulsen wird dabei ein epileptischer Anfall im Gehirn ausgelöst - ähnlich wie bei einem Defibrillator fürs Herz, allerdings nur mit einem Achtel der Dosis. Zu spüren ist von den Stromimpulsen, die durch das Gehirn strömen, nichts. Der Patient bekommt ein Schlafmittel, außerdem ein muskelentspannendes Präparat. Für wenige Sekunden durchfließt ein schwacher Strom das Gehirn. Es kommt dabei zu neurochemischen Veränderungen im limbischen System des Hippocampus, dem Zentrum der Gefühle. Durch den elektrischen Reiz entstehen dort eine Zunahme der Durchblutung und eine vermehrte Ausschüttung bestimmter Botenstoffe. Zum anderen "ordnet" der Strom die bei Depressionen gehäuft vorkommenden diffusen Verbindungen zwischen bestimmten Hirnarealen. Üblich sind sechs bis zwölf Behandlungen. Als Hauptnebenwirkung ergeben sich in der Regel nur - meist reversible - Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, jedoch keine Schädigungen des Gehirns. Von Patienten wird die Therapie sehr gut beurteilt. Oft können anschließend die Medikamente reduziert werden. Und: Viele Patienten sind nach einer solchen Elektrokrampftherapie überhaupt erst in der Lage, eine Psychotherapie zu beginnen. Außerdem spüren die Patienten nach einer EKT schneller eine Wirkung als nach anderen psychotherapeutischen und psychopharmakologischen Verfahren wie etwa Tabletten, deren Wirkung manchmal Wochen auf sich warten lässt. Der Nachteil: Die Behandlung ist extrem personalaufwändig und muss ein Leben lang wiederholt werden. Gute Erfolge erzielten Ärzte im Rahmen von Studien mit Ketamin. Die als Partydroge und Narkotikum bekannte Substanz Ketamin verändert den Botenstoffhaushalt im Gehirn und damit das Bewusstsein. Dieser Wirkmechanismus könnte helfen, neue Antidepressiva zu entwickeln Bei leichten und mittelschweren Depressionen zeigt Sport sehr gute Wirkung. Studien zeigen, dass regelmäßiges, intensives Ausdauertraining depressiven Menschen hilft und Depressionen vorbeugen kann. Nach Bewegung schüttet der Körper Endorphine aus. Das sind Glückshormone, die direkt auf die Psyche einwirken. Nach Expertenmeinung hellt sich die Stimmung auf, das Selbstbewusstsein steigt und die Schmerzempfindlichkeit vermindert sich. Außerdem hat körperliche Anstrengung einen angstlösenden Effekt. Die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin werden verstärkt abgebaut. Man fühlt sich weniger angespannt und innerlich unruhig.