″Das war Mord″ an George Floyd | Aktuell Amerika | DW | 19.04.2021
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Polizeigewalt

"Das war Mord" an George Floyd

Im Prozess um den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners wurden die Schlussplädoyers gehalten. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft muss der weiße Ex-Polizist Derek Chauvin schuldig gesprochen werden.

USA I Minnesota I Abschlussplädoyers im Fall George Floyd

George Floyd vor seiner Festnahme am 25. Mai 2020

In den Schlussplädoyers im Prozess um den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd hat die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung des ehemaligen US-Polizisten Derek Chauvin gefordert. Der 45-Jährige sei in allen Anklagepunkten schuldig, erklärte Staatsanwalt Steve Schleicher vor Gericht in Minneapolis.

Chauvin habe Floyd getötet, indem er ihm neun Minuten und 29 Sekunden lang das Knie in den Nacken gedrückt habe. Und das - so Schleicher - obwohl Floyd nur wegen des Verdachts festgenommen worden sei, mit einem falschen 20-Dollar-Schein gezahlt zu haben. "Das war keine Polizeiarbeit. Das war Mord", betonte der Staatsanwalt. Chauvin habe "das Polizeiabzeichen verraten und alles, wofür es stand".

USA I Minnesota I Abschlussplädoyers im Fall George Floyd

Staatsanwalt Steve Schleicher

Schleicher schilderte eindrücklich die letzten Minuten in Floyds Leben Ende Mai 2020. Der 46-Jährige habe "gebettelt, bis er nicht mehr sprechen konnte. Er hat mit seinem allerletzten Atemzug um Hilfe gebeten, aber der Polizist hat nicht geholfen." Zu diesem Zeitpunkt sei lediglich "ein wenig Mitgefühl" nötig gewesen - "und an diesem Tag wurde keines gezeigt".

Der Staatsanwalt unterstrich, nicht der Polizei als Ganzes werde der Prozess gemacht, sondern dem Angeklagten Chauvin. Die Geschworenen müssten sich von dem Gedanken freimachen, dass Polizisten keine Verbrechen begehen könnten, auch wenn das schwierig sei, sagte Schleicher.

"Dynamischer" Polizeieinsatz

Chauvins Verteidiger Eric Nelson meinte hingegen, die Anklage habe die Schuld seines Mandanten nicht zweifelsfrei bewiesen. Falls nur ein einziger begründeter Zweifel bestehe, müsse das Urteil auf nicht schuldig lauten, sagte er an die Geschworenen gerichtet. Auch dessen Herzprobleme und Drogenkonsum könnten bei Floyds Tod eine Rolle gespielt haben. In seinem Blut waren das Opioid Fentanyl und die Aufputschdroge Methamphetamin nachgewiesen worden. 

USA I Minnesota I Abschlussplädoyers im Fall George Floyd

Angeklagter Derek Chauvin (r.) mit seinem Verteidiger

Ohnehin könne kein Verbrechen vorliegen, weil es sich bei Chauvins Handeln um berechtigte Gewaltanwendung im Rahmen eines "dynamischen" Polizeieinsatzes gehandelt habe, erklärte Nelson in seinem Plädoyer. Die Geschworenen sollten nicht nur jene Minuten berücksichtigen, in denen Chauvin auf Floyd kniete, sondern auch die rund 17 Minuten vorher, in denen sich der Afroamerikaner einer Festnahme widersetzt habe, verlangte Nelson. Chauvin selbst plädierte ebenfalls auf nicht schuldig.

Zeichen gegen Rassismus?

Über Schuld oder Unschuld entscheidet nun die Geschworenen-Jury - ohne Zeitvorgabe. Das Urteil könnte im Verlauf dieser Woche fallen.

Die Erwartungen an das Verfahren sind immens. Viele Menschen, wohl auch die meisten Schwarzen, hoffen auf ein Urteil, das ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA setzen wird - und dagegen, dass Sicherheitskräfte oft straffrei davonzukommen scheinen.

Sollte Chauvin freigesprochen werden oder eine kurze Haftstrafe bekommen, weil die Geschworenen ihn zum Beispiel nur des Totschlags für schuldig befinden, dürfte es zu massiven Protesten kommen. Die Sicherheitskräfte haben ihre Präsenz in Minneapolis daher bereits verstärkt.

wa/AL (afp, dpa)

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