Das Unwort des Jahres 2019: „Klimahysterie“ | Deutschlehrer-Info | DW | 14.01.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschlehrer-Info

Das Unwort des Jahres 2019: „Klimahysterie“

Diffamierend und irreführend: Die Wortneuschöpfung „Klimahysterie“ stemple Klimaschützer als nervenschwach und aufbrausend ab, so die Jury. Grund genug, den Begriff zum Unwort des Jahres zu küren.

Die Wahl des jährlichen Unworts spiegelt stets den Zeitgeist und die aktuelle politische Debatte. Kaum ein Thema bewegte die Menschen 2019 so sehr wie der Klimaschutz: Fridays-for-Future-Demonstrationen, Greta Thunberg, Weltklimagipfel und verheerende Klimakatastophen. Folgerichtig entschied sich die Jury der sprachkritischen Aktion für „Klimahysterie“, ein Wort, das „Klimaschutzbemühungen und die Klimaschutzbewegung diffamiert und Debatten diskreditiert“, heißt es in der Begründung. Der Ausdruck würde „das zunehmende Engagement für den Klimaschutz als eine Art kollektiver Psychose“ pathologisieren. „Vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Klimawandel ist das Wort zudem irreführend und stützt in unverantwortlicher Weise wissenschaftsfeindliche Tendenzen“, sagte die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich, Sprecherin der sprachkritischen Aktion. In der politischen Debatte des vergangenen Jahres war der Begriff häufig von Politikern der rechten Partei AfD genutzt worden.

Klimapolitische Wortneuschöpfungen

Wie in jedem Jahr waren alle Bürger dazu aufgerufen, Vorschläge für das „Unwort des Jahres" einzureichen. Dabei sei „Klimahysterie“ neunmal genannt worden, wie überhaupt Einsendungen rund um Ökologie und Umweltschutz stark zugenommen hätten, so Janich. Zu den weiteren Vorschlägen aus diesem Bereich zählten beispielsweise die Begriffe „Ökodiktatur“, „Ökofaschismus“, „Ökoterrorismus“, „Klimaabsolutismus“, „CO2-Gläubige“, „CO2-Jünger“ oder „Klimakirche“. Insgesamt gab es 671 Einsendungen mit 397 Vorschlägen.

Das jährliche Unwort wird seit 1991 gekürt. Die fünfköpfige Jury besteht aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten, die im jährlichen Wechsel mit einem weiteren Sprachexperten ergänzt wird – in diesem Jahr war der in Deutschland populäre Kabarettist Urban Priol mit von der Partie. Die Aktion selbst ist institutionell unabhängig und soll „als Anregung zu mehr sprachkritischer Reflexion" dienen. Sie will für Sprache sensibilisieren und auf undifferenzierten, verschleiernden oder diffamierenden Gebrauch aufmerksam machen. In den vergangenen Jahren waren beispielsweise „alternative Fakten“ (2017), „Gutmensch“ (2015) oder „Lügenpresse“ (2014) zum Unwort des Jahres gekürt worden.

woy/suc (mit dpa/KNA)

Die Redaktion empfiehlt