Das Problem mit der Dollar-Stärke | Wirtschaft | DW | 09.07.2018
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Währungen

Das Problem mit der Dollar-Stärke

Der US-Dollar hat in den letzten Monaten gegenüber vielen anderen Währungen an Wert gewonnen. Das sorgt für viel Wirbel - in den Schwellenländern, aber auch im Handelskonflikt mit China.

Gegenüber dem japanischen Yen, dem Euro, dem britischen Pfund, dem Schweizer Franken - gegenüber vielen Währungen hat der US-Dollar zuletzt zugelegt. Knapp fünf Prozent beträgt die Aufwertung in den letzten drei Monaten.

"Der Dollar reagiert auf die gute Wirtschaftslage in den USA. Außerdem sind die US-Zinsanhebungen eingepreist", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer im DW-Interview.

Anders als die Europäische Zentralbank hat die US-Notenbank Federal Reserve schon 2015 begonnen, den Abschied von der lockeren Geldpolitik einzuleiten. Bereits sieben Mal hob die Fed seitdem die Zinsen an, weitere Erhöhungen gelten als wahrscheinlich.

Wer sein Geld in Dollar anlegt, bekommt also deutlich höhere Zinsen als im Euroraum. Das stärkt auch die Dollar, denn Währungen werden "getrieben von Veränderungen im erwarteten Zinsvorteil", so Krämer. Wenn also in einem Land die Zinsen stärker steigen als anderswo, legt meist auch die Währung zu.

Schwellenländer unter Zugzwang

Weil in den USA die Zinsen steigen, ziehen Anleger ihr Geld aus anderen Regionen ab. Statt auf indische Rupie, türkische Lira, argentinischen Peso oder südafrikanischen Rand setzen sie auf den Greenback. Für die Schwellenländer sind die Auswirkungen unangenehm. Es gibt weniger Geld für Investitionen, und die nationalen Währungen verlieren an Wert.

Der südafrikanische Rand hat gegenüber dem Dollar in einem Quartal knapp 13 Prozent nachgegeben, bei Argentiniens Währung sind es knapp 40 Prozent. "Wenn es in der Vergangenheit Phasen der Zinserhöhung [in den USA] gegeben hat, haben immer auch die Schwellenländer gelitten", so Krämer.

Türkei Istanbul Containerschiff (Imago/OceanPhoto)

Die Türkei trifft die Aufwertung des Dollars besonders hat

Besonders hart treffe es aber jene Länder, die dazu noch hausgemachte Probleme haben. Bestes Beispiel ist die Türkei:Die Lira hat innerhalb von drei Monaten fast 14 Prozent gegenüber dem Dollar eingebüßt. Erdogans Einmischung in die Geldpolitik der Zentralbank und seine autoritären Tendenzen würden von Anlegern als unheimlich und unsicher empfunden, sagt Krämer, deshalb zögen diese ihr Geld ab.

An frisches Geld zu kommen, ist dann meist schwierig. Anleger verlangen einen Risikoaufschlag in Form höherer Zinsen, damit werden Kredite teurer.

Das ist besonders problematisch, weil sich viele Unternehmen in Schwellenländern in Dollar verschuldet haben. Je mehr ihre nationalen Währungen gegenüber dem Dollar nachgeben, desto schwieriger wird die Bedienung der Kredite. In der Türkei hatten einige Großkonzerne bereits Schwierigkeiten, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.

Der Finanzhistoriker Russell Napier sieht deshalb bereits "erste Krisensymptome im globalen Kreditsystem", sagte er der Neuen Zürcher Zeitung. Vor allem europäische Banken könnten in Bedrängnis geraten, weil sie in Schwellenländern besonders stark engagiert sind.

Der Dollar dagegen werde trotz der hohen Staatsverschuldung in den USA weiter zulegen, glaubt Napier. Vielleicht sogar ähnlich stark wie Mitte der 1980er Jahre, als sich die US-Währung gegenüber D-Mark und Yen fast verdoppelte.

Damals zogen Frankreich, Großbritannien, die USA, Japan und Deutschland gemeinsam die Notbremse. Im sogenannten Plaza-Abkommen 1985 einigte man sich, gemeinsam den Dollar zu schwächen. In den folgenden zwei Jahren verlor er denn wieder fast 50 Prozent an Wert.

China und ein möglicher Währungskrieg

Doch Wechselkurse sind auch scharfe Waffen. Gerade mit Blick auf den Handelsstreit zwischen den USA und China stellt sich die Frage, ob neben der Zoll- nun auch noch die Währungskeule geschwungen wird. Knapp sieben Prozent hat der chinesische Renminbi oder Yuan in den letzten drei Monaten zum Dollar abgewertet.

Folgt man der Argumentation des Ökonomen Thomas Straubhaar, setzt China bereits auf den Währungsjoker. Eine Abwertung der eigenen Währung sei ein flächendeckender Importzoll auf alle Produkte aus dem Ausland und hebele die Wirkung der US-Strafzölle mehr als aus, sagt der Schweizer Wirtschaftsprofessor.

Hinzu kommt, dass Chinas Produkte im Ausland dadurch günstiger werden, während die Stärke des Dollars Waren aus den USA teurer macht.

Ein starker Dollar liege nicht im Interesse Trumps, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer. Aber etwas daran ändern könne Trump eben nicht. "Amerika ist nicht die Türkei. Zinspolitik ist die Sache der Notenbank und die Gewaltenteilung in den USA funktioniert."

USA China - Handel (picture alliance/AP Photo/A. Wong)

Drehen die Chinesen an der Währungsschraube?

Laut Krämer verfolgen die USA bei den aktuellen Strafzöllen ein übergeordnetes Ziel: "Ich habe den Eindruck, dass es der amerikanischen Administration darum geht, den wirtschaftlichen und auch den militärischen Aufstieg Chinas zur konkurrierenden Weltmacht zu behindern. Das wäre für die wirtschaftliche Entwicklung Chinas sehr gefährlich", so Krämer zur DW.

Aus seiner Perspektive sei die Abwertung des Yuan deshalb weniger einem Währungskrieg als vielmehr den Markterwartungen geschuldet. Anleger gingen davon aus, dass "der wirtschaftliche Aufstieg Chinas durch den US-Protektionismus behindert wird", so Krämer.

Kann eine weitere Abwertung der chinesischen Währung im Interesse der aufstrebenden Volksrepublik sein? Wohl nur kurzfristig, denn auch die Chinesen wollen, dass ihre Währung für Anleger interessant bleibt. Ein immer stärkerer Dollar wie in den 80er-Jahren würde langfristig niemandem wirklich gelegen kommen: Nicht den Schwellenländern, nicht den USA und auch nicht China.

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