„Das Meer darf kein Friedhof für unsere Söhne sein“ | Medientraining | DW Akademie | DW | 27.11.2017
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Medientraining

„Das Meer darf kein Friedhof für unsere Söhne sein“

Vertreter von Flüchtlingsorganisationen waren auf Einladung der DW Akademie zu einem Workshop nach Dakar gekommen. Das Thema: Kommunikation rund um das Thema „illegale Migration“. 

Yayi Bayam Diouf wird den Abend im Frühjahr 2007 nie vergessen: das Telefon klingelt und ihr Sohn Alioune teilt ihr mit, dass er jetzt in Europa sein Glück versuchen will; er sei bereits unterwegs. „Bete für mich, Mama , sagt er zum Schluss. Das war sein letzter Anruf.

Etliche Wochen späte erfuhr die Senegalesin, dass die Piroge, das Holzboot, ihres Sohnes gekentert war. Alioune und viele weitere junge Männer hatten das Unglück nicht überlebt.  

 DW Akademie in Dakar (DW/Klaudia Pape)

Yayi Bayam Diouf beim Training in Dakar

Yayi Bayam Diouf hatte ihr einziges Kind verloren und stand wochenlang unter Schock. Bis ihr klar wurde, dass etwas passieren musste. Sie beschloss, über ihr Schicksal zu reden, um es damit vielleicht anderen Familien zu ersparen. Sie gründete einen Verein von Frauen, die sich gegen die illegale Migration engagieren. Zum Beispiel klären sie auf Großveranstaltungen und in den Medien andere Familien darüber auf, wie skrupellos die Menschschmuggler sind, wie gefährlich die Überfahrt nach Europa ist und wie traurig das Leben vieler Afrikaner im vermeintlichen Eldorado.

Yayi Bayam Diouf war eine von elf Teilnehmerinnen und Teilnehmern eines Kommunikationstrainings der DW Akademie in Dakar. Auch Vertreter von Jugendorganisationen, Rückkehrer-Programmen oder Berufsbildungszentren waren dabei. Gemeinsam mit den Trainerinnen der DW Akademie erarbeiteten sie, wie sie ihre Botschaften im Interview klar formulieren, wie sie Kommunikationsstrategien entwickeln und über welche Maßnahmen und Kanäle sie vor allem Jugendliche am besten erreichen.

 DW Akademie in Dakar (DW/Anne Le-Touzé)

Das Training ist Teil des Projekts "The Migration Dilemma"

Das Medientraining ist Teil des Projektes „The Migration Dilemma“, das vom Auswärtigen Amt finanziert wird.  Die Afrikaprogramme der Deutschen Welle organisieren dazu  Townhall-Debatten in verschiedenen westafrikanischen Großstädten und produzieren TV-, Radio- und Webreportagen.  Ziel ist, dass das Thema auf allen Kanälen diskutiert und die Jugend besser informiert wird.

Doch auch die Teilnehmer des Kommunikationstrainings wissen, dass Informationen über die Risiken und Gefahren der irregulären Migration nicht ausreichen, um junge Menschen davon abzuhalten. Die meisten sehen in ihrer Heimat keine Zukunft; viele wissen nicht, wie sie ihre Familien ernähren sollen. Die Flucht nach Europa scheint für unzählige Afrikaner der letzte Ausweg.

Im Seminar von Dakar war deshalb für alle klar: vor allem muss - soweit es sie gibt - über Alternativen gesprochen werden. Was kann ein junger Afrikaner im eigenen Land tun, um Geld zu verdienen? Welche Jobs bietet zum Beispiel der boomende Bausektor? Wie kommt man an gute und bezahlbare Ausbildungen und Kredite, um ein kleines Geschäft aufzubauen? Welche Programme ermöglichen legale Auslandsaufenthalte? Die Teilnehmer des Workshops wollen versuchen, auch darüber noch mehr zu informieren: in  Interviews, auf Veranstaltungen, in den sozialen Netzwerken und in kleinen Videos. Gemeinsam haben sie Botschaften für ihre Anliegen formuliert. Eine der prägnantesten: „Das Meer darf kein Friedhof für unsere Söhne sein.“

Yayi Bayam Diouf geht jeden Abend an den Strand und schaut in die Wellen. Das Meer, sagt sie, hat mir meinen Sohn genommen. Aber es gibt mir auch, was ich zum Leben brauche. Die 60jährige verdient ihren Lebensunterhalt in der Muschelverarbeitung.  Sie wünscht sich sehnlichst, dass auch die Jugend die Chance bekommt und ihre Energie nutzt, um im eigenen Land etwas aufzubauen.

 

Daniela Wiesler, Leiterin Medientraining DW Akademie (Foto: Stefan Lemanski).

Daniela Wiesler-Schnalke

Leiterin Medientraining

T: +49.228.429-2078
E: dw-akademie.medientraining@dw.com