Das lukrative Geschäft mit gebrauchten Maschinen | Wirtschaft | DW | 25.07.2019
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Maschinen aus zweiter Hand

Das lukrative Geschäft mit gebrauchten Maschinen

Mit einer Online-Plattform ist ein Unternehmen aus dem Ruhrgebiet auf dem Weg zum Weltmarktführer. Das Marktvolumen der angefragten Second-Hand-Maschinen beläuft sich auf über zehn Milliarden Euro.

Thorsten Muschler ist ein Unternehmer, dem man das richtige Gespür für eine erfolgreiche Geschäftsidee zur rechten Zeit attestieren muss. Als er 1999 zur Finanzierung seines Studiums für einen Maschinenhersteller arbeitete und in dessen Auftrag im Internet auch nach gebrauchten Maschinen Ausschau halten sollte, da stellte er entnervt fest, "dass das schrecklich umständlich war". In der Überzeugung, "dass man mit den Möglichkeiten des Internets wesentlich effizienter auf dem Markt agieren kann", gründete er die Online-Plattform Maschinensucher.de. Anfangs ein Ein-Mann-Betrieb, auf den interessierte Händler erst allmählich aufmerksam wurden, befindet sich Muschler inzwischen auf dem Weg zum Weltmarktführer. So belief sich das bei dem Portal im vergangenen Jahr angefragte Warenvolumen auf weit über zehn Milliarden Euro.

Thorsten Muschler - Geschäftsführer der Online-Plattform maschinensucher.de (maschinensucher.de)

Gründer und Geschäftsführer Thorsten Muschler

Der 46-Jährige versteht sich als Vermittler, der Anbieter von gebrauchten Maschinen und Kaufinteressenten auf seiner Plattform zusammenbringt. Und das mit Erfolg: Auf den Plattformen der Maschinensucher-Gruppe werden zurzeit rund 300.000 Objekte von über 9200 Händlern angeboten. Von einfachen Holzbearbeitungsmaschinen für knappe 200 Euro über tonnenschwere Fräsen im Bereich von 10.000 Euro bis hin zu einem kompletten Betonmischwerk.

Kommunikationswissenschaften, Philosophie und Psychologie hat der Unternehmer aus Essen studiert, der, wie er sagt, "früh die Gunst der Stunde erkannt und genutzt hat für die Möglichkeiten, die das Internet bietet." Bis 2008 hat Muschler "die Firma allein gestemmt". Kein Investor hat auch nur einen Cent in sein Start-Up-Unternehmen gesteckt. Thorsten Muschler hat nicht nur sein Unternehmen in die Erfolgsspur gebracht, dessen Portal im Internet inzwischen über vier Millionen Besucher im Monat registriert, sondern nebenbei auch noch sein Studium abgeschlossen. "Weil man das, was man angefangen hat, auch zu Ende bringen soll."

Produkte der Online Plattform Maschinensucher - Pizzaautomat (Maschinensucher.de)

Was darf es denn (gebraucht) sein? Ein Pizza-Automat?

Suchmaschine mit 66 Länderversionen

Die Nutzer von Maschinensucher.de kommen zur Hälfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eine stetig steigende Nachfrage verzeichnet man zudem aus osteuropäischen Ländern wie Polen, Tschechien, der Slowakei und Russland. Ebenso aus Frankreich, Italien und Spanien. "Denn gebrauchte Maschinen",  sagt Thorsten Muschler aufgrund seiner Erfahrung, "haben praktisch immer Konjunktur." Das heißt: läuft die Wirtschaft schlechter, steigt die Nachfrage nach gebrauchten, preisgünstigen Maschinen. Springt die Konjunktur an, kommen die Hersteller bei den neuen Aufträgen nicht nach, so dass gebrauchte Maschinen gefragt bleiben.

Produkte der Online Plattform Maschinensucher - Strassenbahn (Maschinensucher.de)

Oder lieber ein ausrangierter Strassenbahn-Wagen?

Auch außerhalb Europas. Darum ist das Unternehmen aus dem Ruhrgebiet auch weltweit im Netz unterwegs.  "Denn vor allem der internationale Handel", da ist Muschler überzeugt, "wird weiter zunehmen. Gebrauchte Maschinen sind äußerst kosteneffizient und deshalb für Unternehmen aus Schwellenländern besonders interessant." Davon profitierten nach seiner Ansicht nicht nur die Händler, sondern ebenso renommierte Hersteller, da ein florierender Sekundärmarkt auch den Wert neuer Maschinen erhöhe.

Produkte der Online Plattform Maschinensucher - Helikopter (Maschinensucher.de)

Oder ein Helikopter?

Maschinen mit Rädern beleben den Umsatz

Aktuell steht die Suchmaschine in 66 Länderversionen zur Verfügung, "um die Käufer auch in ihrer Landessprache zu empfangen", wie es Thorsten Muschler formuliert. Das Spektrum fällt entsprechend breit gefächert aus: von Chinesisch über Hebräisch bis Hindi. Außerdem erreicht man per App für mobile Geräte potentielle Käufer in mehr als 150 Ländern.  Als Handelsplattform mischt man sich aus Prinzip nicht in die Verkaufsberatung ein. Der Profit des Unternehmens stammt aus den Gebühren für die Inserate. Gibt ein Einmalverkäufer bis zu fünf Inserate für eine Mindestlaufzeit von drei Monaten auf, fallen 39 Euro pro Monat an. Also umgerechnet 7,80 Euro pro Inserat. Für Händler gibt es Inserate im Rahmen einer Jahres-Subskription bereits ab 0,80 Euro pro Monat. Bei diesen Konditionen nutzen immer mehr Händler die Maschinensucher-Plattform, woraus in den vergangenen Jahren ein starkes Wachstum resultierte.

Produkte der Online Plattform Maschinensucher - Produktionsanlage (Maschinensucher.de)

Oder besser doch eine Getränke-Abfüllanlage?

2008 stellte Thorsten Muschler mit einem Ex-Kommilitonen einen ersten Mitarbeiter ein. Mittlerweile beschäftigt sein Unternehmen 40 Mitarbeiter und bis 2020 soll der Stamm in der Essener Zentrale auf 60 wachsen. Gebraucht und darum gesucht werden vor allem Experten aus dem IT-Bereich sowie Vertriebskräfte mit Fremdsprachenkenntnissen. Schließlich gibt es bei stark steigender Nachfrage auch aus osteuropäischen Ländern immer mehr zu tun.

Neben dem bisherigen Marktplatz im Internet für "Maschinen ohne Räder" setzt Thorsten Muschler nunmehr auch auf Maschinen mit Rädern. Zu Beginn des Jahres hat der kreative Kopf mit Gespür für Gebrauchtes nämlich die Plattform Truckscout24.de übernommen und die rollenden Gerätschaften mit ins Programm genommen. Das sorgt bereits für eine zusätzliche Umsatzbelebung. Bei Maschinen mit Rädern, sagt Muschler, läuft der Verkauf einfach schneller. "Den Bagger setzen sie hier auf einen Tieflader und fahren mit dem nach Polen. Da baggert der dann dort direkt los." Oder anderswo in Osteuropa, wo gerade gebrauchte Maschinen dringend benötigt werden.

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