Das Leid der syrischen Kinder | Welt | DW | 10.12.2013
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Welt

Das Leid der syrischen Kinder

Sie sind die Kleinsten und Schwächsten der Gesellschaft, aber ihr Leid ist unendlich groß. Mehr als 11.000 Kinder sind laut einem Bericht im syrischen Bürgerkrieg getötet worden - nicht nur als "Kollateralschaden".

Immer wieder gibt es im syrischen Bürgerkrieg Gräueltaten gegen Zivilisten. Am 2. und 3. Mai 2013 töteten syrische Regierungstruppen in den Städten al-Bayda und Baniyas im Westen des Landes mindestens 167 Menschen. Die Soldaten ermordeten zum Teil ganze Familien. Zeugenaussagen und Videoaufzeichnungen, die die Organisation Human Rights Watch gesammelt hat, deuten darauf hin, dass die meisten Opfer gezielt hingerichtet wurden, nachdem die Gefechte vorbei sind und sich die Kämpfer der Opposition zurückgezogen haben.

Knapp drei Monate später, am 4. August 2013, bringen bewaffnete Rebellen beim Angriff auf die Küstenstadt Latakia 190 Zivilisten um und nehmen 200 Geiseln - meist Frauen und Kinder. Mindestens 67 der Getöteten werden nach Angaben von Human Rights Watch aus nächster Nähe hingerichtet.

Solche Vorfälle stehen exemplarisch für einen Krieg, dem zunehmend Zivilisten zum Opfer fallen. Neben gezielten Tötungen führt auch der Abwurf von Bomben zu hohen Verlusten in der Zivilbevölkerung. "Es erinnert an den 2. Weltkrieg: Positionen des Gegners werden mit schweren Bombardements überzogen, ganze Stadtteile sind völlig ausgebombt", sagt Hamit Dardagan, Co-Autor eines neuen Berichts der Oxford Research Group (ORG) über die Opfer des Krieges in Syrien.

Statistik der Toten

Kämpfer im Bürgerkrieg in Syrien (Foto: Getty Images)

Zerschossene Wohnviertel in Syrien

In dem Bericht wird aufgelistet, dass mehr als 11.000 der rund 114.000 Todesopfer, die bis August dieses Jahres offiziell gezählt wurden, Kinder waren. Inzwischen ist die Zahl der Toten jedoch bereits auf 126.000 gestiegen. Der ORG-Bericht gliedert die Statistiken nach Alter, Geschlecht, geografischer Region und Todesursache, so weit diese bekannt ist.

"Die Zahl der getöteten Kinder ist ein Indikator für die Zahl der Zivilisten, die Opfer des Krieges wurden“, erläutert Dardagan. "Dadurch bekommt man eine Ahnung davon, wie allgegenwärtig der Krieg ist. In Syrien stehen sich nicht einfach nur Regierungstruppen und Rebellen gegenüber. Die gesamte Gesellschaft ist von den Kämpfen betroffen.“

Gräueltaten, so viel weiß man inzwischen, werden sowohl von Assads Truppen als auch von den Rebellen begangen. Der Bericht der Oxford Research Group deutet jedoch darauf hin, dass die Mehrheit der zivilen Todesopfer auf das Konto der Regierung gehen. Denn die Hauptursache für den Tod von Kindern waren "Explosionswaffen": 8.000 der fast 11.000 Kinder, deren Todesursache dokumentiert ist, kamen durch sie ums Leben.

Hoffnung auf Flugverbotszone

"Die Waffen, durch die laut dem Bericht die Mehrheit der Kinder getötet wurden, werden vom Assad-Regime kontrolliert", meint der syrische Journalist Mohammed Aly Sergie. "Die Rebellen haben keine Flugzeuge oder Hubschrauber, und sie haben auch keine Artillerie, die derartige Explosionen verursachen kann. Allein deshalb deutet vieles auf die Regierung als Schuldigen hin.“

Syrien Bürgerkrieg Kampfflugzeug über Aleppo (Foto: dapd)

Assads Kampfjets kontrollieren weiterhin den Himmel

Journalist Sergie hat die Luftangriffe von Assads Truppen selbst mit angesehen: "Ein MIG-Kampfjet hat Bomben über bewohntem Gebiet abgeworfen, auf Dörfer in denen sich vielleicht Bewaffnete aufgehalten haben, in denen es aber definitiv keine Panzer oder schwere Waffen gab.“

Die Tatsache, dass Assad noch immer ungehindert seine Luftwaffe einsetzen kann, frustriert Sergie. "Es gibt Möglichkeiten, das Bomben zu stoppen." Er kann nicht nachvollziehen, warum nicht schon lange eine Flugverbotszone über Syrien eingerichtet wurde - so wie einst im Irak oder in Libyen.

Konferenz in Genf

Eine solche Flugverbotszone könnte ein Schritt sein, zivile Opfer einzudämmen. Laut ORG wurden in Syrien knapp über 2000 Kinder durch Luftangriffe getötet. Der Bericht der ORG wird auch bei der geplanten Syrien-Friedenskonferenz in Genf eine wichtige Rolle spielen. Das glaubt zumindest Marc Pierini, ehemaliger EU-Gesandter in Syrien. Die Konferenz soll am 22. Januar starten und über die Bildung einer Übergangsregierung beraten.

"Der Bericht der Oxford Research Group ist detailliert und nachweislich belegt", so Pierini. "Er bestätigt Schilderungen von Menschenrechtsorganisationen vor Ort. Man kann nicht ausschließen, dass einige oppositionelle Gruppen Gräueltaten begangen haben, aber es scheint keinen Zweifel zu geben: der Großteil der getöteten Kinder wurde Opfer der Regierungstruppen."

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