Das lange Warten in der spanischen Nacht | Aktuell Welt | DW | 14.12.2019
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COP25

Das lange Warten in der spanischen Nacht

Wie bringt man 196 Staaten unter einen Hut? Bei der UN-Klimakonferenz in Madrid zeigt auch die Uhr, wie groß die Gegensätze sind: In der Verlängerung wird hinter den Kulissen eine Einigung gesucht - Ende weiter offen.

Die Welt wartet eigentlich nur auf einen Satz: "Die Teilnehmer der 25. UN-Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP25) haben sich auf eine gemeinsame Abschlusserklärung geeinigt." Doch dieser Satz ist bisher nicht gefallen. Statt dessen ziehen sich die Verhandlungen Stunde um Stunde in die Länge - wie schon bei früheren Klimagesprächen.

Auch in der Nacht zu diesem Samstag wurde in der spanischen Hauptstadt weiter an Texten gefeilt, die weit auseinander liegende Interessen in Kompromissformeln verstecken sollen. Und auch diesmal dürften die einen hernach diese Texte preisen, während andere sie als Leerformeln verspotten. 

Am Samstagmorgen legte die chilenische Präsidentschaft der COP neue Beschlusstexte vor, die Delegationen versammelten sich zu einem informellen Austausch darüber. 

Spanien COP 25. UN-Klimakonferenz in Madrid | Sitzungspause (Getty Images/AFP/C. Quicler)

Leere Stühle - während anderswo in kleinen Gruppen weiterverhandelt wird

Ursprünglich hätte die COP25 am Freitag um 18.00 Uhr nach zwei Wochen enden sollen. Doch dann wurde die Abschlusssitzung im Plenum immer weiter nach hinten geschoben. Konferenzpräsidentin Carolina Schmidt, die chilenische Umweltministerin, mahnte die Anwesenden: "Die Welt schaut auf uns." 

Knackpunkt: Artikel sechs

Bis zuletzt sind zentrale Themen zwischen den Teilnehmerländern umstritten. Vor allem um die Ausgestaltung von Artikel sechs des Pariser Klimaabkommens wird hart gerungen. Er sieht vor, auch Marktmechanismen zu nutzen, um die nationalen Beiträge zum Klimaschutz zu erhöhen. So könnte ein Land wie Deutschland ein Solarkraftwerk in einem afrikanischen Land finanzieren, um die Nutzung fossiler Energieträger zu verringern, und sich diese Emissionseinsparung anrechnen lassen.

Spanien COP 25. UN-Klimakonferenz in Madrid | Proteste (picture-alliance/NurPhoto/J. C. Lucas)

"Menschenrechte sind unsere roten Linien": Protest von Klimaaktivisten ...

Und natürlich geht es auch ums Geld. Besonders im Fokus steht die Finanzierung von nicht mehr vermeidbaren Schäden und Verlusten durch den Klimawandel - etwa durch Extremwetter wie Stürme oder Dürren, die häufiger auftreten und auch heftiger werden. Hier hatten ärmere Länder auf zusätzliche Unterstützung gepocht.

Schulze: EU steuert größten Erfolg bei

Bundesumweltministerin Schulze, die Deutschland auf der COP25 vertritt, betonte einen Durchbruch, der nicht in Madrid, sondern in Brüssel erzielt wurde: "Der größte Erfolg, den wir hier diskutiert haben, kommt von der EU." Die vom EU-Gipfel an diesem Freitag beschlossene Treibhausgas-Neutralität bis 2050 habe "unglaubliche Wellen geschlagen". Es werde wahrgenommen, dass Europa "hier die Führungsrolle übernimmt", sagte Schulze der Deutschen Welle.

Spanien COP 25. UN-Klimakonferenz in Madrid | Proteste (picture-alliance/ZUMA Wire/C. A. Lavin)

... und Vertretern der Indigenen im Amazonasgebiet auf der COP25 in Madrid

Die Bewegung Fridays for Future zeigte sich von den Ergebnissen der Konferenz tief enttäuscht. Noch vor dem Ende der Verhandlungen erklärten Aktivisten auf einer Pressekonferenz, der Gipfel habe nichts anderes erreicht, "als nach Schlupflöchern zu suchen".

Die prominenteste Vertreterin der Bewegung, Greta Thunberg, sagte, politische Entscheidungsträger versuchten immer noch, vor ihrer Verantwortung davonzulaufen. Fridays for Future hatte die COP25 mit Protesten begleitet, nicht nur in der spanischen Hauptstadt, sondern auch in anderen Ländern.

Spanien COP 25. UN-Klimakonferenz in Madrid - Logo (picture-alliance/Xinhua/L. Yang)

Die COP25 knüpft an frühere Konferenzen an, vor allem an den Klimagipfel von Paris 2015

Grundsätzlich soll die Konferenz in Madrid eine konkrete Marschroute festlegen, auf der die Ziele des Pariser Abkommens von 2015 erreicht werden können. Darin hatten sich fast 200 Staaten das Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter.

Dazu muss der Ausstoß von Treibhausgasen - in erster Linie Kohlendioxid (CO2) aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas - schnell und deutlich zurückgehen. Bisher steigen die globalen Emissionen jedoch weiter an. Auch für 2019 wird wieder ein Plus vorhergesagt.

jj/nob (dpa, afp, rtr)

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