Das Gesicht des Protests in Birma: Aung San Suu Kyi | Politik | DW | 25.09.2007
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Politik

Das Gesicht des Protests in Birma: Aung San Suu Kyi

Seit einer Woche finden in Birma die größten Proteste seit 20 Jahren statt. Das prominenteste Opfer der Militärdiktatur und Symbolfigur der Opposition ist die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi.

Ein Porträtbild der Politikerin. Quelle: AP

Kämpft seit Jahren gegen die Militärdiktatur: Aung San Suu Kyi (Archivbild 1996).

Aung San Suu Kyi ist eine schmale Frau. Sie wirkt fast zerbrechlich und hat doch unglaublich viel Energie. Seit 18 Jahren kämpft sie: "Meine Rolle war immer die, meine Pflicht zu tun, als Generalsekretärin der Nationalen Liga für Demokratie, die eine Partei ist, die dem Volk dienen will", beschreibt sie selbst. Eine Partei, die gegründet worden sei, um Birma Demokratie zu bringen. "Und wir müssen sicherstellen, dass die Demokratie für Birma schnell und auf richtigem Wege kommt."

Quelle: AP

Ein Mönch betet vor einem Bild der Oppositionsführerin

Unter Arrest statt Regierungschefin

In Birma, früher eine britische Kolonie, herrschen seit 1962 Militärregime. Die aktuelle Junta regiert seit 1989, dem Jahr in dem Suu Kyi zum ersten Mal eingesperrt wurde. Eigentlich hätte sie Regierungschefin werden müssen, denn ihre "Nationale Liga für Demokratie" (NLD) gewann bei freien Wahlen 80 Prozent der Parlamentssitze. Doch die Junta ignorierte das Ergebnis und blieb an der Macht. Suu Kyi käme nur frei, wenn sie das Land verlasse. Sie blieb lieber unter Arrest. Auch dafür bekam sie 1991 den Friedensnobelpreis.

Sie begeistert die Menschen und schafft Vertrauen

Suu Kyi ist Tochter des birmanischen Unabhängigkeitshelden Aung San. Sie studierte im britischen Oxford, heiratete einen Dozenten und zog zwei Söhne groß. Um ihre kranke Mutter zu pflegen,

Suu Kyi steht mit einem Mikrofon auf einem Balkon, Menschenmassen stehen auf einem Platz vor ihr und hören zu. Quelle: AP

Die charismatische Rednerin Suu Kyi kann die Massen begeistern (Archivbild 2002)

kehrte sie 1988 nach Birma zurück. Schnell wurde sie erfolgreiche Politikerin. Wenn die charismatische Suu Kyi öffentlich auftritt, begeistert sie die Menschen. Sie ist eine begnadete Rednerin, die für ihr Land kämpft: "Ich möchte so schnell wie möglich Wandel, weil wir so viel zu tun haben im Land. Ich glaube nicht, dass wir uns leisten können, zu warten, nicht mal einen Tag mehr. Jeder Tag, den wir auf Wandel warten, bedeutet einen verlorenen Tag bei unseren Bemühungen, unser Land wieder aufzubauen."

Die Militärs haben Birma herunter gewirtschaftet. Viele Menschen glauben, dass mit Suu Kyi Freiheit, Frieden und Wohlstand kommen. Sie ist gebildet. Sie kann Vertrauen schaffen. Sie spricht überzeugend. Und sie bewegt sich würdevoll, ja fast königlich graziös. Millionen schauen zu ihr auf. Sympathie offen zu zeigen, ist jedoch gefährlich. Menschenrechtler werfen der Junta vor, regelmäßig Oppositionelle festzunehmen, sie ohne Verfahren in Gefängnisse oder Arbeitslager zu stecken und manche zu foltern. Das Militärregime weist alle Vorwürfe von zurück. Gleichzeitig setzen die Generäle Suu Kyi immer wieder fest, ohne sie je angeklagt zu haben.

Gefangene im eigenen Haus

Ein riesiges Poster der Politikerin Suu Kyi. Davor steht ein kleines Mädchen. Quelle: AP

In Birma ist Suu Kyi eine Symbolfigur, zu der viele aufschauen. (Archivbild 2001)

1989 wird sie verhaftet - 1995 folgt die Freilassung. Die nächste Verhaftung kommt 2000, zwei Jahre später ist sie wieder frei. Seit Mitte 2003 steht Suu Kyi erneut unter Hausarrest - im Moment ist sie im zehnten Jahr gefangen. Mehrmals ging sie vorübergehend in den Hungerstreik, einmal sogar in ihrem Auto an Stadtrand von Rangun. Sie war mit Auflagen frei und wollte trotz Verbot durchs Land reisen. Als Sicherheitskräfte ihren Wagen stoppten, blieb Suu Kyi tagelang aus Protest in ihrem Auto sitzen. Schließlich wurde sie abgeführt und wieder unter Arrest gestellt. Suu Kyi ist in ihrem Haus an Ranguns Inya-See eingesperrt. Ihre Telefonleitung ist gekappt, seit Jahren ist die Friedensnobelpreisträgerin mundtot. So wollen es die Generäle.

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