Damaskus wirft Rebellen Einsatz von Giftgas vor | Aktuell Nahost | DW | 30.10.2016
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Aktuell Nahost

Damaskus wirft Rebellen Einsatz von Giftgas vor

Die syrische Führung hat den Aufständischen in Aleppo vorgeworfen, Chemiewaffen eingesetzt zu haben. In der Metropole wird unterdessen mit aller Brutalität gekämpft. Der UN-Sonderbeauftragte de Mistura ist "geschockt".

Kämpfer des islamistischen Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah am Freitag bei Aleppo (Getty Images/AFP/O. Haj Kadour)

Kämpfer des islamistischen Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah am Freitag bei Aleppo

Die Kämpfe um die zwischen syrischen Rebellen und Regierungstruppen geteilte Stadt Aleppo sind am Wochenende mit neuer Härte geführt worden. AFP-Korrespondenten berichteten von zahllosen Luftangriffen und Artilleriesalven an der Frontlinie im Westen der Stadt. Syrische Staatsmedien warfen den Aufständischen vor, dabei auch Giftgas-Granaten auf von den Regierungstruppen gehaltene Stadtviertel abgefeuert zu haben.

Rebellen greifen am Sonntag mit Panzern Regierungstruppen in Aleppo an (picture alliance/abaca/B. el Halabi)

Rebellen greifen am Sonntag mit Panzern Regierungstruppen in Aleppo an

Nach Angaben der staatlichen Medien wurden die Giftgas-Granaten auf zwei Stadtviertel im Westen von Aleppo abgefeuert. Der Chef des Universitätskrankenhauses der Stadt sagte im Staatsfernsehen: "36 Menschen wurden verletzt, weil sie giftiges Chlorgas inhalierten." Dieses sei "von Terroristen" - der Bezeichnung der Führung in Damaskus für die Aufständischen im Land - freigesetzt worden.

Von Toten war nicht die Rede. Auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, es gebe derartige Berichte. Es sei aber unklar, ob es sich um Chlorgas gehandelt habe. Die Rebellengruppe Fastakim sprach dagegen von einer Lüge. Vor wenigen Tagen hatten UN-Ermittler Syriens Präsident Baschar al-Assad in einem Bericht einen Einsatz von Giftgas vorgeworfen.

Syriens Präsident Baschar al-Assad (im März mit seiner Ehefrau Asma) (picture alliance/dpa/SANA)

Syriens Präsident Baschar al-Assad (im März mit seiner Ehefrau Asma)

Im Westen von Aleppo haben sich an einer 15 Kilometer langen Frontlinie nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte etwa 1500 Rebellen vereint. Unter ihnen sind auch Kämpfer der Fatah-al-Scham-Front (Armee der Eroberung), die bis zu ihrer Abspaltung vom Terrornetzwerk Al-Kaida Al-Nusra-Front hieß.

Die Rebellen starteten am Freitag ihre Offensive auf von Regierungstruppen gehaltene Stadtteile im Westteil Aleppos. Ihr erklärtes Ziel ist es, einen Durchgang freizukämpfen zu den von Aufständischen gehaltenen Vierteln im Ostteil der Stadt. Seit Juli sind die Rebellen im Osten der Stadt von Regierungstruppen eingekesselt. Dort leben schätzungsweise 250.000 Menschen, die von jeder Versorgung abgeschnitten sind.

Kämpfer der Fatah al-Scham bei einer Übung in Aleppo (Reuters/A. Ismail )

Kämpfer der Fatah al-Scham bei einer Übung in Aleppo

Der UN-Sonderbeauftragte Staffan de Mistura zeigte sich "entsetzt" und geschockt" von den heftigen neuen Kämpfen. Es gebe glaubhafte Informationen über "eine große Zahl getöteter Zivilisten, darunter mehrere Kinder, und hunderte Verletzte", erklärte er in Genf. Dies sei durch nichts zu rechtfertigen - auch nicht dadurch, "dass man vorgibt, die Belagerung von Ost-Aleppo beenden zu wollen."

Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden durch Rebellen-Angriffe seit Beginn der neuen Offensive am Freitag mindestens 38 Zivilisten getötet, darunter 14 Kinder. Die Rebellen hätten "hunderte" Geschosse auf den Westteil Aleppos abgefeuert, dabei seien seit Freitagmorgen 250 weitere Zivilisten verletzt worden. Zudem seien 55 Soldaten beziehungsweise mit der Armee verbündete Kämpfer und 64 Rebellen getötet worden, erklärte die Beobachtungsstelle, deren Angaben nur schwer zu überprüfen sind.

stu/as (afp, rtr, dpa)

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