DAF-Sänger Gabriel Delgado-Lopez gestorben | Kultur | DW | 24.03.2020
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Musik

DAF-Sänger Gabriel Delgado-Lopez gestorben

Mit seiner Elektro-Punk-Gruppe "Deutsch Amerikanische Freundschaft" wurde er zum Wegbereiter der Neuen Deutschen Welle. Nun ist der deutsch-spanische Musiker Gabriel Delgado-Lopez überraschend gestorben.

Delgado-Lopez, den alle nur "Gabi" nannten, starb, wie DAF-Mitbegründer Robert Görl und die Band auf ihren Facebook-Seiten bekannt gaben, bereits am Sonntag in einem Krankenhaus in Portugal, wo er zuletzt mit seiner Frau Jane lebte.

Delgado-Lopez und Görl hatten das Elektro-Punk-Projekt Ende der 1970er Jahre aus der Taufe gehoben. Mit ihren harten, weitgehend auf elektronische Beats reduzierten Klängen nahmen sie Einfluss auf die New-Wave-Bewegung im Deutschland der 1980er Jahre. Ihre - bisweilen martialische, punkige - Wirkung unterstrichen sie durch militärische Kurzhaarschnitte, Lederoutfits und missverständliche Textpassagen.

Speerspitze der Neuen Deutschen Welle

In einem Stück röhrten sie: "Tanz den Mussolini", was Spekulationen über eine mögliche Rechtslastigkeit der Band auslöste. "Verschwende Deine Jugend" hieß das zweite DAF-Album von 1981 und traf ganz offenbar den Zeitgeist. Nicht umsonst galt das Duo aus Sänger Gabi Delgado und dem Münchner Schlagzeuger Robert Görl als Speerspitze von Post-Punk und Neuer Deutscher Welle.

Angefangen hat Gabriel Delgado als Macher eines Punk-Fanzines "The Ostrich". Der in Cordoba in Spanien geborene und im Ruhrpott aufgewachsene Deutsch-Spanier gehörte der Düsseldorfer Punk-Szene im "Ratinger Hof" an. Die Künstlerkneipe wurde seit 1976 von dem Maler und Bildhauer Imi Knoebel betrieben und war im Handumdrehen wichtigster Treffpunkt der Neuen Welle. Hier trafen sich Kunststudenten und Punks. Es galt die Ansage des Düsseldorfer Akademie-Professors Joseph Beuys, wonach "Jeder Mensch ein Künstler" sei. "Da entstand so eine ganz spezielle Mischung aus Kunst und Punk", erzählte Gabi später in einem Interview.

DAF ließ die Tanzböden erzittern

1978 schloss sich Gabi Delgado, eigentlich ein Black-Music- und James-Brown-Fan, erst mal der Gruppe "Mittagspause" an. Später gründeten Delgado und Görl zusammen mit drei weiteren Musikern die "Deutsch Amerikanische Freundschaft".  

Das erste Album "Die Kleinen und die Bösen" des experimentellen Quintetts erschien beim Londoner Mute-Label. Danach schrumpfte die Band zum Duo, verband harte Rhythmen und Gesang zu einer eigenartig harten, mitreißenden Mischung. Der provozierende Hit "Tanz den Mussolini" wummerte landauf, landab durch die deutschen Diskos. "Geh in die Knie, und klatsch in die Hände", heißt es darin, "beweg deine Hüften. Und tanz den Mussolini!"

"Kebabträume" beschwor die Band, und zwar in der DDR: "Kebabträume in der Mauerstadt, Türk-Kültür hinter Stacheldraht", so der provozierende Text, "Neu-Izmir ist in der DDR, Atatürk der neue Herr." In seinen kurzen, einprägsamen Texten voller Imperative holte Gabi die Themen der Zeit auf den Dancefloor und machte auch vor schwulem Sex und Sadomaso nicht halt. Für das DAF-Album "Alles ist Gut" erhielt er den Deutschen Schallplattenpreis.

Delgado bediente sich eines Deutsch, das er zwar erst als Jugendlicher erlernt hatte, dem er aber einen amüsierten Unterton beimischte. Nun ist Gabriel Delgado gestorben - er wurde nur 61 Jahre alt.

Sd/pg (dpa, Wikipedia)