COVID-19: Impfstoffentwicklung in Zeitraffer | Wissen & Umwelt | DW | 27.06.2020
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Coronavirus

COVID-19: Impfstoffentwicklung in Zeitraffer

Weltweit gibt es mehr als 150 Impfstoffprojekte gegen SARS-CoV-2. Warum dauert die Impfstoffentwicklung so lange und wann ist mit einem Impfstoff zu rechnen?

Wer entwickelt gerade wo Impfstoffe gegen SARS-CoV-2?

Die Suche nach einem geeigneten Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus läuft weltweit auf Hochtouren. Aktuell gibt es bereits mehr als 150 Projekte dazu. Deutschland zählt dabei international zu den Ländern mit besonders vielen COVID-19-Impfstoffprojekten. Aber nur etwa ein Zehntel aller Impfstoffprojekte befindet sich schon in der klinischen Prüfphase.

Jüngst haben etwa Forschende in Südafrika und Brasilien klinische Studien zur Bewertung des Impfstoffkandidaten ChAdOx1 nCoV-19 (AZD1222) initiiert, der von der Universität Oxford entwickelt wurde. Im besonders heftig von COVID-19 betroffenen Brasilien soll der Kandidat jetzt bei Tausenden von Mitarbeitern des Gesundheitswesens getestet werden

Es ist zum Teil schwierig, hierbei den Überblick zu behalten. Auch die Liste der Weltgesundheitsorganisation (WHO) muss ständig aktualisiert werden.

Luftaufnahme von neuen Gräbern in Sao Paulo

Gräber in Sao Paulo: Brasilien ist mit am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen

Die Entwicklung eines sicheren und wirksamen Impfstoffs hat in der Vergangenheit bis zu 20 Jahre gedauert und bis zu eine Milliarde Euro gekostet.

Doch zum Glück entwickeln die einzelnen Unternehmen und Forschungseinrichtungen nicht alle allein für sich, oftmals gibt es eine sehr weitreichende und auch interdisziplinäre Zusammenarbeit. Das spart Entwicklungskosten und natürlich vor allem Zeit.

Wieso dauert die Impfstoffentwicklung so lange?

Und auch wenn es sehr langwierig scheint: Dank der weltweiten Forschungsbemühungen erleben wir eigentlich gerade eine Impfstoffentwicklung im Zeitraffer.

Ein Krankheitserreger muss nun einmal zuerst erforscht werden, dann werden Impfstoffkandidaten entwickelt und die müssen sorgfältig auf Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen getestet werden. Wenn dann ein Impfstoff gefunden ist, muss er auch noch in Massen produziert, weltweit ausgeliefert und verimpft werden.

Sicherheit und Wirksamkeit stehen bei der Impfstoffentwicklung an oberster Stelle. Außerdem muss der Impfstoff ausreichend verfügbar und natürlich auch bezahlbar sein.

Grundsätzlich verläuft eine Impfstoffentwicklung immer in mehreren Phasen ab, die unter normalen Bedingungen 15- 20 Jahre dauern können, auch wenn einige Phasen teilweise parallel stattfinden können.

Infografik Impfstoffentwicklung

Beschleunigt wird die aktuelle Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 vor allem durch bereits vorliegendes Wissen und Verfahren bei verwandten (Corona-)Viren. Deshalb können einige Phasen übersprungen und Impfstoffkandidaten bereits ein halbes Jahr nach Beginn der Pandemie bei Freiwilligen erprobt werden.

Wann ist mit einem Impfstoff zu rechnen?

Es gibt einfach zu viele Eventualitäten, um seriös sagen zu können, wann es einen fertigen Impfstoff gibt.

Sehr zuversichtlich gibt sich die Weltgesundheitsorganisation, laut der noch in diesem Jahr hunderte Millionen Dosen eines Impfstoffs zur Verfügung stehen und nächstens Jahr zwei Milliarden Dosen produziert werden könnten, so Soumya Swaminathan. Gerade weil viele, sehr unterschiedliche Impfstoffkandidaten parallel entwickelt werden, steige die Chance, dass einer oder mehrere sich als effektiv erweisen.

Die Europäische Arzneimittel Agentur EMA rechnet bei einem optimalen Verlauf mit der Zulassung eines Impfstoffs im Frühjahr 2021. Bereits das wäre eine Rekordleistung in der Impfstoffentwicklung.

ine Frau zeigt ihren markierten Finger, nachdem sie eine orale Cholera-Impfung in einem Lager erhalten hat.

Transport und Verimpfung eines Impfstoffs auch in strukturschwachen Gebieten wird eine große Herausforderung

Dabei ist zu hoffen, dass am Ende einige der zahlreichen Impfstoffkandidaten das Rennen machen. Denn fürs globale Wohl wäre es am besten, wenn möglichst einige Impfstoffe zugelassen würden, die dann in möglichst vielen Produktionsanlagen hergestellt und möglichst weitreichend auch verteilt und verimpft werden.

Da die Bewältigung der Corona-Krise ein globales Anliegen ist, wollen viele Unternehmen und Forschungsinstitute sich wechselseitig unterstützen und maximale Produktionskapazitäten zur Verfügung stellen bzw. vorhandene Kapazitäten weiter auszubauen.

Gemeinsam zu Erfolg

Weltweit werden Milliarden Impfdosen benötigt. Und natürlich lässt sich mit Impfstoffen sehr viel Geld verdienen. Dies hat in den vergangenen Wochen immer wieder zu heftigen Ausschlägen an den Finanzmärkten oder wilden Verschwörungstheorien geführt.

Weniger häufig wird allerdings darüber berichtet, welche immensen Kosten mit einer Impfstoffentwicklung, Produktion und auch mit den anschließenden Impfkampagnen verbunden sind.

Oftmals fällt ein Impfstoffkandidat erst im späteren Verlauf einer klinischen Studie durch oder Zulassungen verzögern sich. Dann sind bereits investierte Millionen verloren. Vor allem, wenn die Unternehmen aus Zeitersparnis bereits parallel zu den Klinischen Studien mit der Produktion begonnen haben, die dann wieder komplett vernichtet werden muss.

Symbolbild impfen (picture-alliance/imagebroker)

Kosten und Risiken bei der Impfstoffentwicklung werden durch "Product Development Partnerships" geteilt

Um die mit der Impfstoffentwicklung verbundenen Kosten und auch Risiken auf mehr Schultern zu verteilen, haben sich zahlreiche gemeinsame Projekte von Regierungs- und Hilfsorganisationen, Unternehmen, Stiftungen oder Forschungseinrichtungen zu sogenannten "Product Development Partnerships" (PDP) zusammengeschlossen.

Bei größeren Epidemien können über diese PDP Gelder meist in Form befristeter Zuschüsse (Grants) an Unternehmen oder Forschungseinrichtungen vergeben werden, die ohne solche Zuschüsse überfordert wären. Diese PDP haben sich zum Beispiel bei der Entwicklung von neuen Medikamenten gegen Malaria, Tuberkulose und Schlafkrankheit bewährt.

Europa setzt auf Solidarität

Bei einem internationalen Corona-Spendenmarathon kamen derweil neue Hilfszusagen in Höhe von 6,15 Milliarden Euro zusammen. Allein die EU-Kommission und Deutschland sagten am Samstag bei einer virtuellen Geberkonferenz zusammen knapp 5,3 Milliarden Euro zu. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von einem unglaublichen Ergebnis. Weitere Großspenden kamen zum Beispiel aus den USA und Kanada.

Bereits Anfang Juni haben sich Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande zu einer "Inclusive Vaccine Alliance"

zusammengeschlossen, die dafür sorgen soll, dass entsprechende Impfstoffe möglichst schnell und an möglichst vielen Standorten in der EU produziert werden. So will die EU nicht nur ihren Mitgliedsstaaten, sondern auch etwa ärmeren afrikanischen Staaten bezahlbare Impfstoffe zur Verfügung stellen. Wie der Name schon sagt soll diese "Inclusive Vaccine Alliance" auch für andere Länder offenstehen.

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