Countdown für Bach | Sport | DW | 10.09.2013
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Sport

Countdown für Bach

Der Deutsche Thomas Bach gilt als Favorit bei der Wahl des neuen IOC-Präsidenten am Dienstag in Buenos Aires. Doch die undurchsichtigen Beziehungen im olympischen Komitee sind immer für eine Überraschung gut.

Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), will IOC-Präsident werden. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Thomas Bach kandidiert für IOC-Präsidentenamt

Gefühlt scheint diese Wahl schon gelaufen: Was soll schon noch passieren? Nach Monaten, vielleicht sogar, wie IOC-Insider munkeln, nach Jahren der Vorbereitung. Nach hemmungslosem Lobbying bis zur letzten Minute. Nach so vielen Versprechen, Verabredungen und Visionen. Jetzt muss sich das Netzwerk, das Thomas Bach in den vergangenen 30 Jahren mit Geduld und Geschick gewebt hat, als tragfähig erweisen und den Deutschen ins höchste Sportamt der Welt hieven: Thomas Bach will am Dienstag (10.09.2013) zum neunten Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt werden.

Wahlen ohne Wahlkampf

Es gibt sechs Bewerber: Drei chancenlose Außenseiter und drei aussichtsreiche Kandidaten: Die härtesten Rivalen von Thomas Bach sind Richard Carrión aus Puerto Rico und Ng Ser Miang aus Singapur. Ein asiatischer Diplomat und ein Banker aus Amerika. Beide hatten sich im Gegensatz zu Bach eher zurückgehalten in den letzten Tagen. Der deutsche Bewerber wurde auch prompt von seinem Rivalen aus der Schweiz, Daniel Oswald, an die Vorgaben erinnert: Richtigen Wahlkampf darf keiner der Kandidaten machen - das verbieten die Ethikregeln des IOC. Schon eine Einladung zum Mittagessen wirkt da anrüchig.

Der deutsche Florett-Fechter Thomas Bach sitzt auf einer Bank am 23.04.1972 in Deutschland. Foto: +++(c) Picture-Alliance / ASA+++

Ehemaliger Fechter: 1976 gewann Bach mit der Mannschaft Olympia-Gold.

Der interessanteste Ort der internationalen Sportpolitik ist in diesen Tagen die Lobby des Hilton Hotels in Buenos Aires. Der Glasquader liegt ohnehin leicht abseits, im schicken Hafenviertel Puerto Madero. Dazu ist das Hotel zu einer absurden Festung umfunktioniert worden, in die sich Kandidaten und Wähler zurückziehen können, ohne von der lästigen Öffentlichkeit gestört zu werden. Doch auch in ihrer abgeschotteten Welt werden die Kandidaten nicht wirklich konkret: Sie reden von Einheit in Vielfalt, von den ewigen Werten des Sports, von ihrer Leidenschaft für den olympischen Gedanken. Da ging Thomas Bach schon einen Schritt weiter, als er im Interview mit einer deutschen Boulevardzeitung seine Visionen für Olympia nannte: Runter mit den Hürden für die Bewerberstädte! Mehr Künstler und Wissenschaftler in die olympische Bewegung! Frischer Wind für das IOC!

Keine Experimente!

Das sind allerdings Sätze, die so gar nicht ins Vokabular des IOC passen: Mit Neuerungen tun sich die Prinzen und die Könige, die Scheichs und die Ex-Athleten eher schwer, mit Transparenz und Offenheit sowieso. Experimente werden im Reich der Ringe nicht wirklich begrüßt. Nie wurde das so klar wie bei der Wahl der Olympiastadt 2020: Politische und ökonomische Stabilität haben den Ausschlag gegeben, die Spiele 250 Kilometer entfernt von einer strahlenden Atomruine stattfinden zu lassen. Die Karawane zieht dorthin, wo voraussichtlich das meiste Geld zu machen ist. Geld regiert auch die IOC-Welt. Und da erscheint plötzlich einer von Thomas Bachs Gegenkandidaten in ganz neuem Licht: Richard Carrión ist vielleicht kein Netzwerktalent wie Bach. Er ist sicher kein Visionär. Aber er ist Banker. Bekannt geworden ist er als Chef der IOC-Finanzkommission. Als solcher hat er das Vermögen des Weltsportclubs von 130 auf 1200 Millionen Dollar vermehrt. Und Carrión hat die US-TV-Rechte für die Spiele für die Rekordsumme von knapp viereinhalb Milliarden Dollar verkauft. Da bekommen die IOC-Männer in den grauen Anzügen leuchtende Augen.

Der heiße Atem der Gegner

Bach (m.) bei den Olympischen Spielen 2012 mit der Queen. Foto: REUTERS/Kai Pfaffenbach

Bach bei den Olympischen Spielen 2012 mit der Queen.

Thomas Bach will mehr als den Reichtum des IOC zu mehren. Dafür bewegt er sich seit Jahrzehnten geschmeidig durch die olympische Welt. Zu geschmeidig, sagen Kritiker: Besonders seine Nähe zum mächtigen Scheich Ahmad al-Sabah aus Kuwait wird dem deutschen Kandidaten immer wieder vorgeworfen. Außerhalb des IOC gilt das vielen als unanständiges Politgemauschel, innerhalb fürchtet manches Mitglied, dass sich da ein Staat im Staate bilden könnte. Der natürliche Instinkt ist es dann, im Komitee Gegenkoalitionen zu schmieden.

Bis zur Wahl gilt Thomas Bach als aussichtsreichster Kandidat. Trotzdem scheint es manchmal, als müsse er kämpfen, um seinen Vorsprung über die Ziellinie zu retten, als spüre er den heißen Atem der Verfolger im Nacken. Seine wichtigsten Gegenkandidaten, Carrión und Ng, haben in den letzten Tagen in der Hilton-Lobby auffällig oft miteinander getuschelt. Und, sagt Walter Tröger, der Altmeister der deutschen Sportpolitik und ehemaliger Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, "auf hoher See und im IOC ist alles möglich." Die Wahl ist möglicherweise doch noch nicht gelaufen.

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