Coronavirus: Wie deutsche Unternehmen reagieren | Wirtschaft | DW | 27.01.2020
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Coronavirus

Coronavirus: Wie deutsche Unternehmen reagieren

Deutsche Unternehmen in Wuhan beobachten die Lage in China genau, Reiseveranstalter sagen ihre Trips nach China ab. Und auch in Deutschland bereiten sich die Unternehmen vor.

Der Ausbruch des Corona-Virus kam für Chinas Tourismus-Industrie zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Das chinesische Neujahrsfest ist Hochsaison für Reisende in Asien, viele besuchen ihre Familien zu Hause. Doch Disneyland Shanghai ist geschlossen. Wuhan, die Hauptstadt der Provinz Hubei, wo das Virus erstmals auftrat, ist wie mittlerweile andere Metropolen  komplett abgeriegelt.

Auch deutsche Firmen sind direkt oder indirekt betroffen. Die Lufthansa verzeichnet eigenen Angaben zufolge eine "leicht zurückhaltende Buchungslage" für Flüge von und nach China. Der deutsche Studienreiseanbieter Studiosus hat gerade Reisen bis Mitte April nach China abgesagt.

Mittlerweile haben viele deutsche Unternehmen zumindest Reisewarnungen für ihre Mitarbeiter herausgegeben. Am Dienstag schränkte der Essener Technologiekonzern Thyssenkrupp Reisen von und nach China ein. "Thyssenkrupp empfiehlt allen Beschäftigten dringend, zur Sicherheit bis auf weiteres alle Reisen von und nach China zu unterlassen, die nicht unbedingt erforderlich sind", erklärte ein Sprecher am Dienstag. Eine ähnliche Ansage gibt es vom Autohersteller Volkswagen.

Die großen deutschen Autohersteller wie VW, BMW und Daimler, aber auch Chemiekonzerne wie Evonik oder BASF halten sich nach eigenen Angaben an die Empfehlungen von offizieller Seite: der Weltgesundheitsorganisation, dem Auswärtigen Amt und dem Robert-Koch-Institut. Mittlerweile gibt es den ersten bestätigten Infektionsfall in Deutschland und das Außenministerium soll laut Medienberichten planen etwa 90 Deutsche mit Hilfe der Bundeswehr aus Wuhan zu evakuieren.

China Wuhan Pharmazieangestellte in Schutzanzügen (Getty Images/AFP/H. Retamal)

In vielen Supermärkten in Wuhan werden besondere Hygiene-Vorkehrungen getroffen.

Gesundheit wichtiger als wirtschaftliche Aspekte

Einige wenige Unternehmen haben schnell und rigoros reagiert. So hat der Automobilzulieferer Schaeffler bereits am Donnerstag einen Reisestopp nach China verhängt, vorläufig bis Mitte Februar.

Auch der mittelständische Ventilatoren-, Luft und Klimatechnikhersteller Ziehl-Abegg schickt seit Donnerstag keine Mitarbeiter mehr nach China. "Die Gesundheit unserer Mitarbeiter ist wichtiger als wirtschaftliche Aspekte", erklärte der Vorstandsvorsitzende Peter Fenkl.

Firma Ziehl-Abegg in Künzelsau (DW/Zhang Danhong)

Das mittelständische Unternehmen Ziehl-Abegg hat schnell ein Reiseverbot nach China für seine Mitarbeiter ausgesprochen und Material auf dem Weg nach China zurückgeholt.

Und sogar Material muss in Deutschland bleiben. Das Unternehmen stoppte die Verschiffung eines Containers mit Bauteilen und Maschinen für die China Refrigeration in Wuhan im April - die bedeutendste Messe der Branche im asiatischen Raum.

Für den Großhändler Metro geht es in China nicht nur um Mitarbeiter- sondern auch um Kundensicherheit. Die Metro AG betreibt in Wuhan vier Märkte und hat dort sicherheitshalber Körpertemperatur-Kontrollpunkte eingeführt, Mitarbeiter mit Mundschutz ausgestattet und die Häufigkeit der Reinigung und Desinfektion der Märkte erhöht. Krankheitsfälle von Mitarbeitern würden dokumentiert, seien allerdings bisher nicht aufgetreten.

Mitarbeitern in China wird zudem geraten, keine Bauernhöfe und Märkte zu besuchen und den Kontakt mit Tieren zu vermeiden. Über Auswirkungen auf die Warenversorgung vor Ort und das Produktangebot wollte sich die Metro AG gegenüber der DW nicht äußern. Es sei dem Konzern jedoch wichtig zu betonen, dass es sich um reine Vorsichtsmaßnahmen handelt.

Viele Betriebe bleiben zum Neujahrsfest geschlossen

Für viele deutsche Industrie-Unternehmen in China ist das Neujahrsfest wohl eher Glück im Unglück. So zum Beispiel für den Batteriehersteller Hoppecke aus Brilon im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Das Unternehmen betreibt drei Standorte in China, allein 500 Mitarbeiter arbeiten im Hauptwerk in Wuhan, wo das Unternehmen Bleibatterien herstellt.

Seit Samstag ist das Werk allerdings geschlossen, "99 Prozent der Mitarbeiter befinden sich im Urlaub", teilt das Unternehmen mit. Deutsche Mitarbeiter seien derzeit auch nicht in China. Das gibt erst einmal etwas Zeit, um zu sehen, wie sich die Situation vor Ort entwickelt und wie deutsche Behörden reagieren. Um die Ausbreitung des Virus zu verhindern hat die Regierung nun die Neujahrs-Feiertagswoche um mehrere Tage verlängert. 

So halten es viele Unternehmen in Deutschland und auch der Schweiz. Der schweizer Industriekonzern ABB etwa informiert seine Mitarbeiter per mobilen Apps über notwendige Verhaltensweisen, die Produktion in Wuhan mit rund 100 Mitarbeitern sei aber nicht eingeschränkt, erklärte der Konzern auf DW-Anfrage.

Vorbereitungen in Deutschland

Indonesien Coronavirus
(picture-alliance/Zumapress/A. I. Damnik)

In Indonesien werden bereits Temperatur-Screenings für Reisende eingesetzt.

Auf Temperatur-Screenings verzichtet der internationale Flughafen in Frankfurt derzeit noch - in enger Abstimmung mit den Behörden. Auf den digitalen Anzeigen in den Abflughallen und Terminals werden allerdings vermehrt Gesundheits- und Hygiene-Informationen angezeigt. "Wir fühlen uns gut vorbereitet", erklärt Jana Schäfer von Fraport, dem Betreiber des Rhein-Main-Airports. Schließlich sei dies nicht die erste Krise. Man habe beim Ausbruch von SARS 2003 viele Erfahrungen sammeln können.

Frankfurt ist einer von fünf sogenannten "Sanitätsflughäfen" zur Infektabwehr in Deutschland - neben Berlin, Düsseldorf, Hamburg und München. Dort steht medizinisches Personal bereit, das im Verdachtsfall noch im Flieger Passagiere untersucht, das Risiko bewertet, gegebenenfalls eine Quarantäne anordnet und sich auch um benachbarte Passagiere kümmert.

Am Robert-Koch-Institut sei mittlerweile eine Koordinierungsstelle für Deutschland eingerichtet worden, die Informationen zusammenführt und so ein schnelles Handeln ermöglichen soll, erklärte Bärbel Bas, die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im deutschen Bundestag.

Trotz der geringen Infektionsgefahr in Deutschland greift die Angst vor Ansteckung um sich. In Krefeld und Ulm etwa haben chinesische Schule ihren Festakt zum chinesischen Neujahrsfest abgesagt, um ganz sicher zu gehen. Und an der Frankfurter Börse sackte der Deutsche Aktienindex Dax zum Wochenauftakt auch wegen der Sorgen um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus um über zwei Prozent ab. 

Update: Der Artikel wurde zuletzt am 28.01.2020 um 13:37 Uhr aktualisiert.

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