Coronavirus: Zahl der Todesfälle sprunghaft gestiegen | Aktuell Welt | DW | 22.01.2020
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Lungenkrankheit

Coronavirus: Zahl der Todesfälle sprunghaft gestiegen

Mehr Tote, mehr nachweislich Erkrankte: Eine neuartige Lungenkrankheit verunsichert die Menschen in China und außerhalb der Volksrepublik. Viele fühlen sich an die SARS-Pandemie von 2002/2003 erinnert.

Die Zahl der Toten durch die neuartige Lungenkrankheit in China ist sprunghaft auf 17 gestiegen. Mit gut 150 Nachweisen binnen eines Tages nahm auch die Zahl erfasster Virus-Infektionen stark auf mindestens 544 erfasste Fälle zu.

Der Vizeminister der Nationalen Gesundheitskommission, Li Bin, warnte, es gebe Hinweise auf eine grippeähnliche Übertragung des Virus über die Luft durch Tröpfcheninfektion. In der Provinz Hubei, in deren Hauptstadt Wuhan der Ursprung des Virus vermutet wird, sollen öffentliche Versammlungen eingeschränkt werden. Unternehmen in China statteten ihre Mitarbeiter mit Mundschutz-Masken aus und warnten sie vor Reisen in die Millionenmetropole Wuhan.

Die chinesische Regierung informiert täglich über die Anzahl der bekannten Fälle, um Panik in der Öffentlichkeit zu vermeiden. Ab Freitag treten viele der 1,4 Milliarden Chinesen wegen Feierlichkeiten rund um das chinesische Neujahrsfest Reisen im In- und Ausland an.

Peking, Schutz gegen das Coronavirus durch Masken (imago images/ITAR-TASS/A. Ivanov)

Auch in Peking tragen Menschen Schutzmasken

Das Risiko einer weiteren Ausbreitung der Epidemie erhöhe sich dadurch, die Prävention würde erschwert, sagte Li. Knapp 2200 Menschen, die mit infizierten Personen in Kontakt kamen, wurden isoliert. Die Regierung rief die Bevölkerung dazu auf, besonders vorsichtig beim Auftreten von Fieber und Erkältungssymptomen zu sein.

Krisentreffen bei der WHO

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prüft auf einer Krisensitzung, ob der Ausbruch einen internationalen Gesundheitsnotstand darstellt. Das würde schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung einer Krankheit nach sich ziehen. Unterdessen hat sich das Virus auch auf Städte wie Peking, Shanghai, Macau und Hongkong ausgebreitet. Außerdem wurde erstmals ein Fall in den USA gemeldet. Es wurden auch Erkrankungen in Thailand, Südkorea, Japan und Taiwan festgestellt.

Coronavirus China (picture-alliance/dpa/S. Myung-Geon)

Auch am Flughafen in Incheon bei Seoul wurden die Schutzmaßnahmen intensiviert

Der internationale Gesundheitsnotstand wurde in Folge der SARS-Epidemie in den Jahren 2002 und 2003 entwickelt und bislang erst fünf Mal ausgerufen - 2009 wegen Schweinegrippe, 2014 wegen Polio und Ebola, 2016 wegen des Zika-Virus und 2019 erneut wegen der Ebola-Epidemie in Afrika.

Ob sich das Coronavirus zu einer Pandemie mit Ausmaßen ähnlich zur SARS-Erkrankung entwickeln könnte, lässt sich noch nicht sagen. Zwar gehört der neue Erreger derselben Virusart wie SARSan, er ist nach Untersuchungen des Berliner Virusforschers Christian Drosten aber eine andere Variante. Der von der WHO "neues Coronavirus" - 2019-nCoV - genannte Erreger scheint sowohl weniger ansteckend als auch weniger gefährlich zu sein.

Bei der Lungenkrankheit SARS wurden 2002/2003 insgesamt 8000 Infektionen erfasst, von denen 800 tödlich verliefen. Es starb also etwa einer von zehn nachweislich Erkrankten. Das neue Virus verläuft derzeit noch weitestgehend mild, allerdings gibt es bei den Erkrankten möglicherweise eine hohe Dunkelziffer. 

Coronavirus China (picture-alliance/dpa/Center of Disease Control)

Chinesische Behörden befürchten eine Mutation des Coronavirus

Hinter dem Ausbruch der neuartigen Lungenerkrankung steht ein neuer Stamm des Coronavirus, dessen Ursprünge auf einen Fischmarkt in Wuhan zurückgeführt werden. Auf ihm sollen Tiere auch illegal verkauft worden sein.

Bundesregierung: Kein Grund für Alarmismus

In Europa gibt es bislang keine Nachweise. Nach Einschätzung der Bundesregierung bedeutet die Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit nur ein "sehr geringes" Gesundheitsrisiko für die Menschen in Deutschland. Es gebe keinen Grund, jetzt in Alarmismus zu verfallen, sagte ein Sprecher von Gesundheitsminister Jens Spahn.

Die EU-Präventionsbehörde ECDC sieht derzeit ein moderates Risiko, dass der Erreger in die Europäische Union eingeschleppt wird. Mit dem erhöhten Reiseverkehr zum chinesischen Neujahr Ende des Monats wachse die Wahrscheinlichkeit, dass Fälle in der EU auftauchen, teilte das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten mit.

lh/ww (dpa, rtr, afp)