Inzidenz steigt leicht - Ein Grund zur Sorge? | Aktuell Europa | DW | 10.07.2021
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COVID-19

Inzidenz steigt leicht - Ein Grund zur Sorge?

Die Corona-Zahlen gehen nach langem Sinkflug in Deutschland wieder leicht nach oben. Muss das beunruhigen oder ist die Lage durch die Impfungen jetzt eine andere? Die Diskussion darüber ist kontrovers.

Deutschland Coronavirus - Fußgängerzone in Frankfurt/Main

Vor einer Woche lag die Inzidenz in Deutschland bei 4,9, jetzt beträgt sie 5,5

Zunächst zu den aktuellen Zahlen: Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Sieben-Tage-Inzidenz am Sonntag mit 6,2 an. Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Sechs weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. 

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht sprach sich dagegen aus, alle Corona-Beschränkungen schnell aufzuheben. "Bevor wir alle Maßnahmen aufheben können, müssen wir noch deutlich weiter in Richtung Herdenimmunität kommen", sagte die SPD-Politikerin der "Augsburger Allgemeinen". Die Pandemie sei noch nicht überstanden. Gleichwohl müssten alle verbliebenen Maßnahmen laufend darauf überprüft werden, ob sie noch verhältnismäßig seien.

Video ansehen 02:54

Deutschland: Impfen im Flüchtlingsheim

Ihr Kabinettskollege, Außenminister Heiko Maas (ebenfalls SPD), hatte sich jüngst für eine Aufhebung aller Corona-Einschränkungen ausgesprochen, sobald alle Menschen in Deutschland ein Impfangebot bekommen haben. Damit sei im Laufe des Augusts zu rechnen.

FDP nennt es "unterirdisch"

Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Michael Theurer kritisierte die Regierung für ihr Corona-Krisenmanagement. Dies sei "unterirdisch" und zeige eine führungs- und orientierungslose Bundesregierung, sagte er dem "Handelsblatt". Er forderte Kanzlerin Angela Merkel  (CDU) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) dazu auf, klarzustellen, "dass die Menschen ihre Freiheitsrechte spätestens wie versprochen bis Ende Sommer zurückbekommen, sobald alle Impfwilligen ein Impfangebot haben".

In Deutschland sind nach RKI-Angaben inzwischen mehr als 42 Prozent der Gesamtbevölkerung  vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Insgesamt haben bisher 48,4 Millionen Menschen (58,2 Prozent) mindestens eine Impfdosis erhalten, rund 35 Millionen sind vollständig geimpft. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schrieb dazu bei Twitter: "Das ist gut - aber im Wettlauf mit der Delta-Variante reicht das noch nicht. Impfstoff, um jeden zu impfen, ist nun da. Bitte nutzen Sie es!"

Hunderttausende Impftermine täglich

Nach Angaben der Bundesregierung lassen sich momentan im Schnitt rund 700.000 Menschen am Tag impfen. Laut einer Umfrage der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" bei den Gesundheitsministerien der Länder gibt es keine massenhaften Absagen von Impfterminen. Flächendeckend ließen nur wenige Deutsche ihre Termine in den Impfzentren platzen, heißt es in dem Bericht. Insgesamt ergebe sich ein entspanntes Bild. Vor wenigen Tagen war eine Debatte über "Impfschwänzer" hochgekocht, die Termine verstreichen lassen, ohne vorher abzusagen.

Unterdessen sind die Corona-Infektionszahlen in verschiedenen europäischen Ländern inzwischen schon wieder deutlicher angestiegen als in Deutschland. Spanien mit den beliebten Urlaubsinseln Mallorca und den Kanaren gilt ab diesem Sonntag nach den Maßstäben der Bundesregierung wieder als Risikogebiet. Praktische Auswirkungen für Urlauber gibt es dadurch aber kaum.

Belgien EU | Paolo Gentiloni

EU-Wirtschaftskommissar Gentiloni hält eine "starke Urlaubssaison" in diesem Jahr für möglich

Nach Einschätzung der EU-Kommission ist die Urlaubssaison nicht in Gefahr. Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Wir müssen uns jetzt vor zu großer Aufregung hüten und Überreaktionen vermeiden." Dank der Impfungen führten höhere Zahlen nicht automatisch zu einer gefährlicheren Lage. Trotz der besonders ansteckenden Delta-Variante sei eine "starke Urlaubssaison" möglich.

Die Wirtschaft will nicht wieder runter fahren

Nach Ansicht der großen Wirtschaftsverbände darf auch bei steigenden Corona-Zahlen in Deutschland das Geschäftsleben nicht wieder heruntergefahren werden. Der Präsident des Deutschen Indsutrie- und Handelskammertages (DIHK), Peter Adrian, sagte dem "Handelsblatt", es gelte, sich "viel stärker auf wissenschaftliche Daten und belastbare Erkenntnisse aus dem betrieblichen Alltag" zu stützen, um "pauschale Schließungen mit ihren oft gravierenden Folgewirkungen zu vermeiden".

Die Inzidenz allein dürfe bei einer hohen Impfquote nicht mehr das Maß aller Dinge sein, sagte Joachim Lang, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes machte deutlich: "Unsere Branche wird einen weiteren Lockdown nicht mehr akzeptieren."

haz/ust (dpa, afp)

 

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