Coronavirus: Europa im Dauerlockdown? | Europa | DW | 13.01.2021
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

COVID-19

Coronavirus: Europa im Dauerlockdown?

Schon vor Wochen haben viele europäische Länder wegen der überall rasant steigenden Zahl von Corona-Infizierten einen erneuten Lockdown verhängt, doch von Entwarnung ist bislang wenig zu spüren. Ein Überblick.

Viele Länder in Europa befinden sich wegen der Corona-Pandemie seit Wochen im Dauer-Lockdown, mal wieder. Trotz aller Beschränkungen: Ein Ende ist vielerorts erstmal nicht abzusehen. Einige Beispiele. 

Deutschland: Lockdown bis Ostern? 

Eigentlich sollten die Beschränkungen in Deutschland nur bis Weihnachten gehen, so das Versprechen der Politiker. Doch daraus wurde nichts - im Gegenteil. Aus einem Lockdown-Light wurde wegen anhaltend hoher Infektionszahlen wieder ein richtiger Lockdown: Nicht lebensnotwendige Geschäfte und andere Einrichtungen haben bis zum 31. Januar geschlossen, weitgehend auch die Schulen und Kitas.

Deutschland Coronavirus - Homeschooling

In Deutschland steht mal wieder Home-Schooling auf dem Plan - erstmal bis Ende Januar

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach am Dienstag von "acht bis zehn sehr harten Wochen", die Deutschland bevorstünden. Sie warnte besonders vor der Coronavirus-Mutation. Wann die Beschränkungen gelockert werden können, ist noch unklar. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat als Zielmarke eine 7-Tages-Inzidenz von 25 benannt, zur Zeit liegt sie bei rund 165 auf 100.000 Einwohner.

Niederlande: Strengere Regeln in Sicht

Trotz Lockdown wollen auch in den Niederlanden die Infektionszahlen kaum runtergehen. Das Land ist schwer getroffen. Die 14-Tages-Inzidenz lag laut EU-Infektionsschutzbehörde Ende Dezember bei 760.

Niederlande Jahreswechsel Amsterdam

Der Amsterdamer Leidseplein an Silvester - in diesem Jahr nahezu menschenleer

Schulen und Geschäfte sollen deshalb voraussichtlich bis zum 9. Februar geschlossen bleiben, so ein Beschluss dieser Woche.

Bereits Mitte Dezember hatte das Land wieder strenge Regeln verhängt. Nun könnte es noch härter kommen - auch wenn vielfach gefordert wird, wenigstens die Grundschulen wieder zu öffnen. "Wenn der geringe Rückgang sich nicht fortsetzt und die englische Mutation die Oberhand gewinnt, dann werden wir wahrscheinlich strengere Maßnahmen sehen", sagte der Virologe Menno de Jong dem Fernsehsender AT5. Ministerpräsident Mark Rutte erklärte, eine Ausgangssperre zu erwägen. Bereits vorige Woche wurden über 50 Fälle der neuen Mutation identifiziert.

Österreich: Streit um Unterricht

Seit Ende Dezember gelten in Österreich wieder strenge Regeln, der bereits dritte Lockdown startete am 26. Dezember. Der Handel machte bis auf die Grundversorgung zu, Kontakte müssen eingeschränkt werden. Das Ziel ist es, die Inzidenzzahl auf unter 100 zu drücken, zur Zeit liegt sie im Schnitt bei 163 auf 100.000 Einwohner und bewegt sich laut Experten eher "seitwärts" - also weder signifikant nach oben oder unten.

Österreich Wien | Coronavirus | Schlange vor Geschäft

Schlange stehen vor einem Wiener Geschäft: Seit Ende Dezember gelten wieder strenge Regeln in Österreich

Eigentlich sollte am 18. Januar der Präsenzunterricht an Schulen wieder beginnen. Doch derzeit stehen die Zeichen eher auf eine Verlängerung des Lockdowns. Laut der Tageszeitung "Österreich" soll sich Kanzler Sebastian Kurz für eine Verlängerung von mindestens einer Woche ausgesprochen haben, auch ein Schul-Lockdown bis Mitte Februar wird diskutiert. 

Italien: In Zonen aufgeteilt

Italien war im Frühjahr schwer von der Corona-Pandemie getroffen und hatte monatelang den Lockdown ausgerufen. Auch im Winter griff das Land zu harten Maßnahmen. Nun schaut es aber genau darauf, welche Teile Italiens besonders betroffen sind. Bei einer Inzidenz von 250 oder mehr pro 100.000 Einwohnern wird die Region zur "roten Zone" erklärt, mit strengem Ausgangsverbot, geschlossenem Handel und Lokalen und Home-Schooling. Der durchschnittliche Inzidenzwert im Land liegt bei bei 203.

Italien Rom | Schüler Protest gegen Corona-Regelungen

"Unbildung tötet mehr als COVID" steht auf dem Zettel einer gegen Home-Schooling protestierenden Schülerin in Rom

Ein Hoffnungschimmer: Mehr als eine halbe Million Menschen haben sich bereits impfen lassen, damit liegt Italien europaweit ganz vorne. Werbung dafür kam von (fast) ganz oben: das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus, rief dazu auf.

Irland: Im dritten Lockdown 

Besonders heftig hat es nun Irland getroffen. In der Advents- und Weihnachtszeit waren die Zahlen wieder in die Höhe geschnellt - und die neue Virus-Variante könnte das Wachstum noch weiter antreiben. Die Inzidenzzahlen sind extrem hoch: Im Landesdurchschnitt liegen sie laut Medienberichten bei 1291 (Stand 9. Januar) pro 100.000 Einwohner. Einige Bezirke wie Monaghan und Louth haben rund doppelt so hohe Werte.

Kurz vor Ende des Jahres verkündete der irische Regierungschef Micheal Martin deshalb wieder mal einen Lockdown - diesmal für mindestens einen Monat. Die neuen Regeln sind in Teilen deutlich strenger als in Deutschland, private Besuche sind beispielsweise komplett untersagt. Ausnahmen gelten nur für Hochzeiten mit bis zu sechs und Beerdigungen mit bis zu zehn erlaubten Personen. Sport im Freien darf nur in einem Umkreis von fünf Kilometern betrieben werden. Alle nicht lebensnotwendigen Geschäfte sind geschlossen. 

Schweden: Ein Kurswechsel steht an

Das skandinavische Land war in der Corona-Pandemie bislang für seinen durchaus umstrittenen Sonderweg bekannt. Während im Frühjahr 2020 viele europäischen Länder das öffentliche Leben lahmlegten, setzten die Schweden auf die Vernunft der Menschen. Das klappte nur mäßig, die Infektionszahlen schossen in die Höhe. Derzeit liegt die Inzidenz in dem dünn besiedelten Land bei 515.

Corona-Krise Schweden Stockholm | Abstandsregeln in U-Bahn

Abstandsregeln in der Stockholmer U-Bahn: Schweden setzte bisher auf Einsicht und Vernunft

Von einem Lockdown ist in Schweden immer noch nicht die Rede, doch ab sofort könnte die Regierung strenge Maßnahmen verhängen und zum Beispiel Einkaufszentren oder Fitnessstudios schließen - wenn sie denn will. Das neue Pandemiegesetz, das derartige Maßnahmen erlauben würde, wurde am Freitag im Eilverfahren verabschiedet. Die schwedischen Medien sprechen von einem "demokratischen Ausnahmezustand" (so die Zeitung Dagens Nyheter) und einer "einmaligen Machtverschiebung" (so die Zeitung Svenska Dagbladet). Welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden müssen, sollen die kommenden Wochen zeigen.

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema

Anzeige