Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten ab Samstag | Aktuell Deutschland | DW | 06.08.2020
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Gesundheit

Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten ab Samstag

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus müssen sich Einreisende aus internationalen Risikogebieten ab Samstag bei der Rückkehr nach Deutschland testen lassen. Das ordnete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an.

Deutschland Berlin | Pressekonferenz Corona | Jens Spahn (picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

Gesundheitsminister Jens Spahn erläutert in Berlin seine Anordnung zur Corona-Bekämpfung

Mit der Testpflicht für Rückkehrer aus Gebieten mit hohen Fallzahlen wolle man "auf Nummer sicher" gehen, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Berlin. "Mir ist sehr bewusst, dass das ein Eingriff in die Freiheit des Einzelnen ist." Es sei aber ein zumutbarer Eingriff. Dafür soll es insbesondere an den Flughäfen Teststationen geben, auch bei der Einreise mit Bahn oder Auto sollen Testmöglichkeiten bereitgestellt werden. Bereits jetzt gibt es die Möglichkeit für alle Einreisenden, sich binnen 72 Stunden nach der Ankunft in Deutschland kostenlos testen zu lassen.

Spahn erinnerte an die weiterhin geltende Vorschrift, dass sich Rückkehrer aus Risikogebieten ohne negativen Corona-Test für zwei Wochen in Quarantäne begeben müssen und sich beim Gesundheitsamt melden müssen. Alternativ könne ein negatives Testergebnis vorgelegt werden, "das nicht mehr als zwei Tage alt" sei. Bereits seit Samstag der Vorwoche können sich alle Einreisenden aus dem Ausland freiwillig und kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Jede bisher unentdeckte Infektion mache einen Unterschied, sagte Spahn. Er verteidigte es erneut, dass die Reisenden dafür nicht selbst zur Kasse gebeten werden sollen. Die Kosten übernimmt letztlich der Bund.

Auch mehrere Risikogebiete in der EU

Als Risikogebiete eingestuft sind derzeit die meisten Staaten der Erde, auch die USA oder Brasilien. In der EU hat das Robert-Koch-Institut Luxemburg, die belgische Region Antwerpen und die drei spanischen Regionen Aragón, Katalonien und Navarra als Risikogebiet ausgewiesen, ebenso mehrere europäische Staaten außerhalb der EU. Auch die vier türkischen Küstenprovinzen, für die keine Reisewarnung des Auswärtigen Amts mehr gilt, sind weiterhin als Risikogebiete eingestuft. Zentrales Kriterium ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat.

Deutschland Corona Testzentrum Köln-Bonn (DW/L. Hänel )

Am Flughafen Köln-Bonn können sich Reisende schon seit einiger Zeit auf Corona testen lassen

Spahn appellierte zudem an die Bürger, sich weiter an Abstands- und Hygieneregeln sowie die Maskenpflicht zu halten. Bei einigen setze Ermüdung ein. Es gebe das "trügerische Gefühl", es sei alles nicht so schlimm gewesen, sagte der CDU-Politiker und betonte: "Die Pandemie ist noch da."

Wieder mehr als 1000 Neuinfektionen

Der Minister äußerte sich besorgt über den aktuellen Anstieg der Infektionszahlen. Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte von Mittwoch auf Donnerstag 1.045 nachgewiesene Neuinfektionen gemeldet. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich laut RKI mindestens 213.067 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus SARS-CoV-2 angesteckt. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nun bei bei 9175. Als genesen gelten 195.200 Menschen

Mit dem jüngsten Anstieg breitet sich das Corona-Virus in Deutschland wieder so schnell aus wie zuletzt vor drei Monaten. Die Grenze von 1000 an einem Tag galt auch beim RKI in der Vergangenheit als kritisch: Bei mehr Infektionen könnte es für die Gesundheitsämter schwierig werden, die Infektionsketten nachzuverfolgen und damit das Virus unter Kontrolle zu halten. Die erhöhten Infektionszahlen fallen zusammen mit dem Schulbeginn in mehreren Bundesländern sowie mit der Rückkehr von Urlaubern, die sich zum Teil in Risikogebieten aufgehalten haben.

Video ansehen 01:44

Berlin: Demo gegen Corona-Politik der Regierung (01.08.2020)

Nahezu flächendeckende Ausbreitung

Das RKI hatte bereits Ende Juli bereits Alarm geschlagen und an die Menschen appelliert, die Abstands- und Hygieneregeln wieder einzuhalten. Hier seien viele Menschen zuletzt nachlässig gewesen. Sorge machte dem Institut auch, dass die Infektionszahlen nicht mehr wie in vergangenen Monaten auf lokale Ausbrüche wie etwa an Schlachthöfen zurückzuführen seien, sondern nahezu flächendeckend stiegen.

Auch die Einzelhändler warnten vor einer zweiten Welle. "Die steigenden Infektionszahlen machen uns große Sorgen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth. "Der Handel appelliert deshalb an alle Kunden, die Corona-Regeln zu beachten."

kle/sti (rtr, afp, dpa, epd)

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