Corona-Krise: Wie geht es weiter mit dem Fußball? | Sport | DW | 13.03.2020
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Coronavirus-Krise

Corona-Krise: Wie geht es weiter mit dem Fußball?

Corona-Fälle, Geisterspiele, Absagen - der Fußball in Deutschland und Europa erlebt chaotische Tage. Wie geht es weiter mit Bundesliga, Europapokal und der EURO 2020? Ein Überblick über den Status Quo.

Wann wird wieder Bundesliga-Fußball gespielt?

Als letzter großer europäischer Ligaverband hat auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) nun doch den Spielbetrieb der Bundesliga und der 2. Liga wegen der Coronavirus-Pandemie vorerst eingestellt. "Angesichts der Dynamik des heutigen Tages mit neuen Corona-Infektionen und entsprechenden Verdachtsfällen in direktem Zusammenhang mit der Bundesliga und 2. Bundesliga" habe sich das DFL-Präsidium zu diesem Schritt entschlossen, teilte die DFL an diesem Freitag (13. März) mit. Wenige Stunden zuvor hatte der Verband noch erklärt, den 26. Spieltag in Form von Geisterspielen, also ohne Zuschauer, durchziehen zu wollen. Die Stadt Bremen hatte daraufhin bereits verfügt, dass das Montagsspiel zwischen Werder und Bayer 04 Leverkusen nicht stattfinden könne. Die Stadt verwies zur Begründung darauf, dass trotz des vorgesehenen Geisterspiels mindestens 2000 bis 3000 Menschen rund um das Stadion erwartet würden. Die Vereine Fortuna Düsseldorf und SC Paderborn hatten bei der DFL beantragt, das Freitagsspiel zwischen beiden Teams zu verlegen. 

Für Montag ist eine Krisensitzung der DFL angesetzt. Dabei will das Präsidium bei den Mitgliedern für seine Empfehlung werben, den Spielbetrieb in der Bundesliga und der 2. Liga vorerst bis einschließlich 2. April zu unterbrechen. Höchstwahrscheinlich werden die Klubs dieser Empfehlung folgen. Ob danach wieder Fußball gespielt werden kann, ist derzeit nicht absehbar. 

Wie stehen die Vereine und Spieler zur Strategie der DFL?

Die Kritik an der eher zögerlichen Haltung der DFL hatte vor der Entscheidung deutlich zugenommen. Einige Profis und auch Vereinsvertreter hatten sich offen gegen die Linie des Ligaverbands gestellt. "Fußballer werden in dieser Situation wie Affen im Zirkus behandelt", twitterte Union Berlins Torhüter Rafal Gikiewicz. Der spanische Mittelfeldspieler Thiago von Bundesliga-Spitzenreiter FC Bayern schrieb: "Das ist verrückt. Bitte hört auf herumzualbern und kommt in der Realität an." Abwehrspieler Uwe Hünemeier vom Tabellenletzen SC Paderborn äußerte sich ebenfalls auf Twitter: "Es ist nicht der Zeitpunkt, um noch Zeit zu verlieren! Priorität hat einzig und allein die Gesundheit aller." Thomas Röttgermann, Vorstandschef von Fortuna Düsseldorf begründete den Antrag, das Freitagsspiel abzusagen, so: "Das Risiko ist aus unserer Sicht einfach zu hoch."

Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte dagegen die später revidierte Haltung der DFL verteidigt. "Es geht am Ende des Tages auch im Profifußball um Finanzen", sagte Rummenigge. Wenn die ausstehende Zahlung der TV-Rechteinhaber ausbleibe, bekämen zahlreiche kleinere und mittlere der 36 Profiklubs in Deutschland Liquiditätsprobleme: "Es steht ein größerer dreistelliger Millionenbetrag für die 1. und 2. Liga im Feuer." Diese Position könnte erklären, warum die DFL so lange an der Fortsetzung der Saison festhielt.

Wie sieht es im deutschen Amateurbereich aus?

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat allen Landesverbänden empfohlen, den gesamten Spielbetrieb ruhen zu lassen. Die Verbände haben daraufhin die anstehenden Spiele vorerst abgesagt - allerdings für unterschiedliche Zeiträume.

Wie haben die großen Fußballverbände in Europa reagiert?

In den anderen großen europäischen Ligen ruht bereits der Spielbetrieb. Nach Italien haben auch Spanien, Frankreich und England die Saison unterbrochen. Auch die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat reagiert: Wegen erster Corona-Fälle unter Spielern von Topvereinen wurden alle für die kommende Woche angesetzten Spiele der Champions und Europa League auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben.

Wir steht es mit Länderspielen und der geplanten Europameisterschaft im Sommer?

Generalversammlung der DFL Fritz Keller (picture-alliance/dpa/A. Gora)

Fritz Keller ist skeptisch

DFB-Präsident Fritz Keller hatte sich bereits pessimistisch geäußert, dass die nächsten beiden geplanten Länderspiele in Spanien (26. März) und in Nürnberg gegen Italien (31. März) wirklich ausgetragen würden. "Ich gehe davon aus, dass die Spiele auf Basis der heutigen Faktenlage nicht stattfinden können", ließ Keller wissen. Die UEFA arbeite "mit Hochdruck daran, europaweit für alle Nationalverbände die beste Entscheidung für die Länderspiele und die Europameisterschaft im Sommer zu finden." 

Der EM-Test gegen Italien ist inzwischen abgesagt. Auslöser ist allerdings die Stadt Nürnberg. Sie untersagt wegen der Coronavirus-Pandemie alle Events mit mehr als 100 Menschen. Der Ausfall des Fußball-Klassikers ist aber vermutlich nur der erste Schritt. Für Dienstag hat die UEFA eine Telefonkonferenz mit allen 55 Mitgliedsverbänden sowie Vertretern von Klubs und Spielern angesetzt, bei der über den weiteren Fahrplan der Saison entschieden werden soll. Es zeichnet sich ab, dass die geplante erste paneuropäische Europameisterschaft (12. Juni bis 12. Juli) auf den Sommer 2021 verschoben wird, damit die nationalen und europäischen Ligen ihre aktuellen Spielzeiten in den Juni verlängern und so beenden können.

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