Corona-Krise: Schach-Kandidatenturnier abgebrochen | Sport | DW | 26.03.2020
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Schach-WM

Corona-Krise: Schach-Kandidatenturnier abgebrochen

Am Ende war der Druck zu stark: Der Schachweltverband FIDE hat das Kandidatenturnier im russischen Jekaterinenburg abgebrochen. Wann der nächste Gegner für Weltmeister Magnus Carlsen ermittelt wird, ist offen.

Russland Yektaerinburg | FIDE Schachturnier 2020 (Imago Images/ITAR-TASS/A. Kolchin)

Wie es im Schachsport weitergeht, liegt im Dunkeln - beim Kandidatenturnier in Jekatarinenburg wird nicht mehr gespielt.

Der Weltschachverband FIDE hat hoch gepokert – und jetzt doch gegen das Corona-Virus verloren. Nachdem auch Russland angekündigt hat, dass der Flugverkehr aus dem Land  unterbrochen wird, blieb den Schachfunktionären keine Wahl. Nach sieben von 14 Runden stoppte die FIDE das Turnier, bei dem der nächste Gegner von Weltmeister Magnus Carlsen gefunden werden sollte. Etwas kleinlaut teilte der russische FIDE-Chef Arkady Dvorkovich mit, dass der Verband nun keine sichere Rückkehr der Spieler in ihre Heimatländer mehr garantieren könne. „In dieser Lage entschied der FIDE Präsident, das Turnier zu stoppen“, heißt es in der kurzen Mitteilung der Organisatoren.

Viele offene Fragen

Damit ist der Versuch der ehrgeizigen FIDE-Führung gescheitert, trotz der weltweiten Corona-Krise noch ein hochrangiges Sport-Event durchzuführen und so den Schachsport positiv in die Schlagzeilen zu bringen.  Auch das Kalkül der russischen Organisatoren mit dem Turnier zu beweisen, dass Russland die Pandemie besonders gut im Griff hätte, ist nicht aufgegangen. Wie und auch wann es jetzt sportlich in der Schachwelt weitergeht, ist noch nicht abzusehen. Dvorkovich ließ wissen, dass das Turnier mit denselben Teilnehmern und dem bisherigen Tabellenstand fortgesetzt werde.

Russland Yektaerinburg | FIDE Schachturnier 2020 - Ian Nepomniachtchi (picture-alliance/dpa/TASS/A. Kolchin)

Spitzenreiter: Ian Nepomniachtchi (Russland) liegt zusammen mit Maxime Vachier-Lagrave (Frankreich) zur Halbzeit vorne

Nach sieben von 14 Runden liegen der Russe Ian Nepomnjaschtschi und der Franzose Maxime Vachier-Lagrave mit einem Punkt vor dem Rest des Feldes.

Kritik an FIDE-Führung

Doch sofort kam in der Schach-Szene die Frage auf, ob der ursprünglich qualifizierte aserbaidschanischen Großmeister Timor Radjabov bei einer Verschiebung nicht auch noch berücksichtigt werden müsse – schließlich war er kurz vor dem Turnier wegen der Epidemie abgesprungen und durch Vachier-Lagrave ersetzt worden. Auf die FIDE-Führung dürften schwere Zeiten zukommen. Mit heftiger Kritik der Spitzenspieler ist zu rechnen. Denn die ausländischen Spieler werden große Mühe haben, jetzt noch in ihre Heimatländer zurückzukehren. Viele von ihnen werden in Jekaterinenburg den Eindruck gewonnen haben, dass sie nur Figuren im politischen Spiel der Funktionäre gewesen sind.

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