Corona-Krise: Deutsche Auslandsschulen in Gefahr | Deutschland | DW | 03.05.2020
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COVID-19

Corona-Krise: Deutsche Auslandsschulen in Gefahr

Derzeit bleiben alle 140 Deutschen Schulen im Ausland geschlossen. Dadurch brechen die Einnahmen ein. Ohne Soforthilfe vom Bund ist die Existenz vieler Schulen bedroht.

Peru Alexander-von-Humboldt-Schule in Lima (WDA)

Die Alexander-von-Humboldt-Schule in Lima

Seit sieben Wochen bleiben die Klassenzimmer der Humboldt-Schule in Perus Hauptstadt Lima leer. Normalerweise lernen hier etwa 1.500 Kinder und Jugendliche. Doch seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sehen die Schüler ihre Lehrer nur noch auf dem Bildschirm. Die Umstellung auf digitalen Unterricht ist allerdings nicht die größte Herausforderung, vor der die Schule derzeit steht.

Die Bildungseinrichtung befindet sich in einer finanziellen Notlage. "Wir waren immer sehr gut aufgestellt", sagte Ann-Katrin Petersen der DW. Sie ist Vorsitzende des Schulvereins. "Aber jetzt gerät alles ins Wanken." Die Humboldt-Schule ist eine von 140 Deutschen Schulen im Ausland. Sie wird  -ebenso wie jede andere Auslandsschule - von einem gemeinnützigen Trägerverein geführt. Die Träger erwirtschaften rund 70 Prozent ihrer Mittel eigenständig über Schulgelder. Den Rest stellen Bund und Länder auf Grundlage des Auslandsschulgesetzes bereit - zum Beispiel durch das Entsenden von Lehrkräften.

Zahlungsmoral der Eltern durch Pandemie verschlechtert

"Durch die Pandemie sind die Schulen fast flächendeckend in eine missliche Wirtschaftslage gerutscht", sagte Dr. Peter Fornell der DW. Er ist Vorstandsvorsitzender des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen (WDA). "Die Schulen sind darauf angewiesen, dass die Eltern das Schulgeld zahlen", so Fornell. Doch viele Familien seien durch die Corona-Krise selbst von finanziellen Einbußen betroffen und könnten deshalb die Gebühren nicht mehr zahlen.

Ann-Katrin Petersen (WDA)

Ann-Katrin Petersen leitet den Humboldt-Schulverein in Lima

"Die Zahlungsmoral vieler Eltern ist sehr schlecht - auch bei Familien, bei denen das Geld eigentlich da ist", beschreibt Schulvereins-Vorsitzende Petersen die Situation an der Humboldt-Schule in Peru. Politiker und Eltern fordern eine Senkung der Schulgebühren, da der Unterricht nur noch digital stattfindet. Das Problem: Fixkosten müssen weiter gedeckt und Lehrkräfte bezahlt werden. "Wir sind zwar privat, aber nicht gewinnorientiert. Alles Geld fließt direkt in die Schule", so Petersen. Große Rücklagen gebe es nicht.

Umfrage: Soforthilfen dringend benötigt

Wie ernst die Lage für viele Auslandsschulen ist, zeigt auch eine Umfrage des WDA. Darin wurden 105 Schulträger zur aktuellen Situation während der Corona-Pandemie befragt. Das Ergebnis: 64 Trägervereine sehen die Existenz ihrer Schulen stark bedroht. 72 Prozent rechnen damit, dass die Zahl ihrer Schüler sinken wird. Nahezu alle Schulen fürchten eine negative Geschäftsentwicklung. 

"Damit der Schulbetrieb nicht zusammenfällt, brauchen wir Soforthilfen vom Deutschen Staat", so Peter Fornell vom WDA. Außerdem solle es den Auslandsschulen einfacher gemacht werden, an Kredite zu kommen.

Dr. Peter Fornell (WDA)

Dr. Peter Fornell ist Vorstandsvorsitzender des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen

Wie genau eine schnelle Unterstützung der Schulen aussehen kann, darüber diskutieren Vorstände und Leiter aller Deutschen Auslandsschulen in der kommenden Woche bei einer Webkonferenz. Auch Mitglieder des Bundestages und die für die Auslandsschulen zuständige Staatsministerin Michelle Müntefering werden an der Debatte teilnehmen.

Peter Fornell rechnet mit der Unterstützung der Politik. Der Bundestag hatte erst im November beschlossen, die Deutschen Auslandsschulen als zentralen Bestandteil der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik zu stärken.

Auch der Trägerverein der Humboldt-Schule hofft auf schnelle Hilfen aus Deutschland. "Ansonsten können wir das Lehrpersonal bald nicht mehr bezahlen", so Ann-Katrin Petersen. Ein Ende der Ausnahmesituation ist in Peru noch nicht in Sicht. In dem südamerikanischen Land gelten seit Wochen sehr strenge Ausgangsregeln. Trotzdem steigt die Infektionsrate weiter an. Die Schulen sollen deshalb frühestens im Dezember wieder öffnen. 

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