Corona kommt nach China zurück | Aktuell Asien | DW | 03.03.2020
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COVID-19

Corona kommt nach China zurück

Die Zahl der Neuinfektionen in China geht allmählich zurück. Doch nun meldet das asiatische Land einen Anstieg bei Coronafällen, die aus dem Ausland eingeschleppt wurden.

Der Iran hortet Medizinprodukte, Italien holt pensionierte Ärzte aus dem Ruhestand und Südkorea will Milliardensummen in Hilfsmaßnahmen stecken - das Coronavirus hat die Welt weiter fest im Griff. Doch die zunehmende Ausbreitung des Erregers der Lungenkrankheit im Nahen Osten, in Europa und Südkorea steht im Gegensatz zum steigenden Optimismus in China. Dort konnten schon Tausende Infizierte als geheilt wieder nach Hause entlassen werden.

Doch das Virus kommt nach China zurück, wenn auch in bislang überschaubarem Ausmaß: Die Behörden melden einen Anstieg von Coronavirus-Fällen, die aus dem Ausland eingeschleppt werden. Bestätigt wurden 13 Fälle, in denen chinesische Staatsbürger bei der Einreise mit dem Erreger infiziert waren. Wie offizielle Stellen in der ostchinesischen Provinz Zhejiang mitteilten, seien darunter acht Chinesen gewesen, die in der norditalienischen Region Lombardei im selben Restaurant gearbeitet hatten. Sie trafen vergangene Woche aus Italien ein.

Vier weitere Betroffene kehrten demnach aus dem Iran nach China zurück, ein infizierter chinesischer Staatsbürger reiste aus Großbritannien über Hongkong in die südchinesische Metropole Shenzhen.

Rückgang der Neuinfektionen

Insgesamt ging in China die Zahl der Neuinfektionen nach massiven Quarantänemaßnahmen bereits zurück. Aktuell werden 125 neue Fälle gemeldet. Das ist die niedrigste Zahl neuer Infektionen seit sechs Wochen. Chinas Botschafter bei den Vereinten Nationen sagte, das Land gewinne seinen Kampf gegen COVID-19. "Wir sind nicht weit vom Sieg entfernt", sagte Zhang Jun.

USA New York | UN Vertreter für China Zhang Jun (picture-alliance/AA/T. Coskun)

UN-Botschafter Zhang: "Nicht weit vom Sieg entfernt"

Nach Angaben der Nationalen Gesundheitskommission erhöhte sich die Zahl der Todesfälle um 31. Alle Todesopfer stammten aus der Provinz Hubei, dem Epizentrum der Epidemie. Landesweit starben damit bislang mehr als 2900 Menschen an dem Virus.

In der Provinz Hubei war das Virus erstmals im Dezember aufgetaucht. Inzwischen gibt es in mehr als 70 Ländern Infizierte. Insgesamt haben sich in China mehr als 80.000 angesteckt. Weltweit infizierten sich mehr als 90.000 Menschen.

"Drive-Through"-Virentestzentren in Südkorea

Zu den Schwerpunkten außerhalb Chinas gehört weiterhin Südkorea. Mehr als 370 Neuinfektionen wurden gemeldet, hauptsächlich im Großraum Daegu im Südosten, wo sich viele Fälle rund um eine örtliche Kirche häufen. Insgesamt wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörde KCDC inzwischen mehr als 5100 Menschen in Südkorea positiv auf das Virus getestet.

Südkorea Gwangju | Menschen werden in Autos auf COVID-19 getestet (picture-alliance/dpa/YNA)

Virentests an Autofahrern in Gwangju: Speichelproben per Wattestäbchen

In verschiedenen Städten des Landes wurden "Drive-Through"-Virentestzentren in Betrieb genommen. Dort stehen Mitarbeiter in Schutzanzügen bereit, um per Wattestäbchen Speichelproben von Autofahrern zu nehmen. Soldaten sind in unterwegs, um Straßen und Gassen mit Desinfektionsmitteln zu besprühen.

Die Zahl der Todesopfer des Landes ist mittlerweile auf 28 gestiegen. Präsident Moon Jae-in nannte den Corona-Ausbruch "eine ernste Situation". Seine Regierung werde darauf drängen, mehr als 30 Billionen Won (umgerechnet 22,6 Millionen Euro) zur Finanzierung von Kliniken, als Hilfe für kleine Unternehmen und andere Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Virus zur Verfügung zu stellen. Die Geldspritze bedarf noch der Zustimmung des Parlaments. "Das ganze Land befindet sich in einen Krieg gegen eine Infektionskrankheit ", sagte Moon.

Hilfe aus Europa für den Iran

6500 Kilometer weiter westlich, im Iran, trafen Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO ein, um Ärzte und Pfleger zu unterstützen und medizinische Vorräte zu liefern. Frankreich, Deutschland und Großbritannien sagten zu, dringend benötigtest Testzubehör, Schutzanzüge und Handschuhe in den Iran zu liefern. Sie boten zudem Unterstützung in Höhe von rund fünf Millionen Euro an.

Vereinigten Arabische Emirate Dubai | Al Maktum International Airpoart: Medizinische Hilfsgüter für den Iran (Getty Images/AFP/K. Sahib)

Verladung von WHO-Hilfsgütern (in Al Maktum): Medizinische Vorräte für den Iran

Der Präsident des Obersten Gerichtshofes im Iran, Ebrahim Raisi, sagte, einige Leute hätten medizinische Güter aus Profitgründen gelagert. Er forderte die Staatsanwaltschaft auf, "keine Gnade für Hamsterer" zu zeigen. Durch das Horten von Desinfektionsmitteln würde man mit dem Leben von Menschen spielen, so Raisi.

Aus dem europäischen Hotspot Italien wird ein weiterer Anstieg der Infiziertenzahl gemeldet, auf nun mehr als 2030 Fälle. Nach Angaben von Beamten könne es bis zu zwei Wochen dauern, um festzustellen, ob Maßnahmen wirksam seien - einschließlich der Einschränkungen in den elf Städten, die im Norden des Landes unter Quarantäne gestellt wurden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP sollen nun auch pensionierte Ärzte beim Kampf gegen das Virus helfen.

Entwarnung gab es zumindest für einen Prominenten in Rom: Papst Franziskus leidet unter einer Erkältung und hat kein Corona. Ein entsprechender Test sei bei dem 83-Jährigen negativ ausgefallen, meldet die Zeitung "Il Messaggero".

Leipziger Buchmesse fällt Corona zum Opfer

Aus Deutschland wird erneut die vorsorgliche Absage einer Großveranstaltung gemeldet. Die Leipziger Buchmesse wird wegen der Ausbreitung des Coronavirus nicht stattfinden. Das haben Messeleitung und Stadtspitze entschieden, wie eine Sprecherin der Buchmesse mitteilte. Die Bücherschau sollte am 12. März starten.

Im Bemühen um eine Eindämmung des Virus fielen zuvor bereits andere Großveranstaltungen aus, nicht nur in Deutschland. Hierzulande wurden bereits die Tourismusmesse ITB, die Sterneverleihung des Guide Michelin in Hamburg und die Internationale Handwerksmesse in München abgesagt.

AR/sti (afp, ap, rtr, dpa)

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