Corona-Impfmanagement: Viel Luft nach oben | Wirtschaft | DW | 23.02.2021
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Impfstrategie

Corona-Impfmanagement: Viel Luft nach oben

Der Digital-Verband Bitkom fordert im Kampf gegen Corona verstärkt den Einsatz digitaler Technologien. Das Impfchaos sei einer Hightech-Nation unwürdig.

Ob bei der Corona-Warn-App, bei der Terminvergabe für Impfungen oder beim Aufspüren von Infektionsketten: In wesentlichen Bereichen beim Kampf gegen Corona sieht man beim IT-Verband Bitkom in Deutschland noch viel Luft nach oben. "Dieses Chaos bei der Terminvergabe ist einer Hightech-Nation absolut unwürdig", sagte Bitkom-Präsident Achim Berg am Dienstag.

Der Verband hat in den vergangenen Wochen zwei repräsentative Umfragen durchgeführt und jeweils rund 1000 Menschen über 16 Jahren befragt. Dabei kam heraus, dass in Bezug auf die Terminvergabe für eine Impfung es nur bei sechs Prozent der Befragten reibungslos funktioniert hat. Knapp 40 Prozent schätzen, dass sie telefonisch zwischen 25 und 50 Versuche unternehmen mussten, um bei den Impf-Hotlines durchzukommen.

"Das ist eigentlich nicht entschuldbar. Das Terminmanagement hat sich nicht bewährt und bei vielen Menschen zu massiven Frustrationen geführt." 75 Prozent der Befragten empfinden der Umfrage zu Folge die Organisation rund um die Corona-Impfungen als chaotisch. Trotz dieser Eindrücke aber ist die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, gestiegen: 72 Prozent würden sich impfen lassen, mit zunehmendem Alter steigt die Impfbereitschaft.

Achim Berg, Präsident des IT-Verbandes Bitkom

Achim Berg, Präsident des IT-Verbandes Bitkom

Corona-Warn-App sollte mehr können

Der Digitalverband jedenfalls fordert in verschiedenen Bereichen der Pandemiebekämpfung den konsequenten Einsatz digitaler Technologien. So sollten beispielsweise mehr Menschen die Corona-Warn-App auf ihrem Smartphone installieren. Zusatzfunktionen in der App könnten sie dabei für viele Menschen attraktiver machen. So geben über 60 Prozent derjenigen, die die App nicht nutzen an, dass sie sich in der App Hinweise wünschten, wenn sich infizierte Personen in ihrer Nähe aufhalten. Rund die Hälfte würde gerne automatische Push-Mitteilungen über den Stand des eigenen Risikos wünschen und genauere Angaben zu Ort oder Zeitpunkt einer Risikobegegnung.

Nach Umfrage und Berechnungen von Bitkom sind es bislang rund 33 Millionen Menschen, die die App bereits nutzen oder in naher Zukunft nutzen wollen. Positiv sieht der Verband hierbei den Trend: Denn bei der letzten Befragung im Juli 2020 waren es nur 28 Millionen Menschen. Das Bundesgesundheitsministerium zählt bislang knapp 26 Millionen Menschen, die die App bislang heruntergeladen haben, aktive Nutzer zählt das Ministerium rund 24 Millionen.

Gleichzeitig wünscht sich mehr als jeder Zweite (56 Prozent), dass die Corona-Warn-App um einen digitalen Impfpass erweitert wird. Den größten Vorteil eines solchen Tools sehen die Befragten darin, eine Corona-Impfung jederzeit nachweisen zu können - etwa auf Reisen oder bei Veranstaltungen. Zudem hebt mehr als die Hälfte der Befragten den Vorteil hervor, durch einen digitalen Impfpass automatisch an notwendige Impfungen oder Auffrischungen erinnert werden zu können. Rund 64 Prozent würden einen Impfpass per App dem bisherigen gelben Papier-Ausweis vorziehen. Geplant ist die Einführung eines digitalen Impfpasses im kommenden Jahr. Rund 60 Prozent der Befragten wünschten sich eine frühere Einführung des digitalen Impfpasses.

Der gelbe Impfausweis, den (fast) jeder Deutsche hat

Der gelbe Impfausweis, den (fast) jeder Deutsche hat

Vision: Das digitale Gesundheitsamt

Die Mehrheit derjenigen wiederum, die lieber auf das alte System setzen und einen digitalen Impfpass ablehnen, geben Bedenken beim Datenschutz als wichtigsten Grund an. "Datenschutz spaltet die Menschen in Deutschland", resümiert Achim Berg. So begrüßen es der Umfrage zu Folge 47 Prozent der Menschen, dass der Datenschutz in Pandemie nicht gelockert wurde. Knapp 60 Prozent wenden ein, der Datenschutz erschwere die Bekämpfung der Pandemie. Achim Berg: "Ich glaube, dass viele Menschen in Fragen des Datenschutzes zutiefst verunsichert sind. Wir brauchen hier dringend eine Versachlichung der Debatte. Wir müssen die Daten der Menschen schützen. Aber wir müssen auch ihre Gesundheit schützen."

Dazu beitragen könnte nach Ansicht des Verbandes auch eine bessere digitale Vernetzung und Ausstattung der Gesundheitsämter. So sollten die Gesundheitsämter dringend mit einheitlichen Programmen für die Kontaktverfolgung arbeiten, und deren Ergebnisse müssten zentral erfasst werden. "Corona ist ein globales Phänomen. Man kann nicht an Landes- oder Kreisgrenzen Halt machen", mahnt Achim Berg.

Zwar steht den meisten der landesweit 375 Gesundheitsämter nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums mittlerweile die Corona-Software Sormas zur Verfügung. Allerdings nutzen sie viele noch nicht. Anfang Februar waren es  mit rund 150 nicht einmal die Hälfte.

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