1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Corona-Hilfe auch für mittelgroße Firmen

6. April 2020

Die Bundesregierung hat nach Tagen der Kritik ein weiteres Corona-Hilfsprogramm auf den Weg gebracht. Erste Reaktionen sind positiv.

https://p.dw.com/p/3aYFe
Deutschland Corona | Regierung sagt Kredite ohne Begrenzung zu | Scholz und Altmaier
Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU, rechts)Bild: AFP/J. MacDougall

Die Bundesregierung hat ein zusätzliches Schnellkreditprogramm für den Mittelstand beschlossen, bei dem der Staat die Garantie für die Kredite zu 100 Prozent übernimmt.

Unternehmen mit elf bis 50 Beschäftigten können künftig vollständig vom Bund verbürgte Kredite in einer Höhe von bis zu 500.000 Euro erhalten, wie Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) bei einer gemeinsamem Pressekonferenz mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Montag in Berlin sagte.

Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl zwischen 50 und 250 erhalten im Rahmen des neuen Programms Kredite von bis zu 800.000 Euro, so Scholz. Die Zinsen für die Kredite liegen bei drei Prozent, die Laufzeit soll zehn Jahre betragen.

Nur für gesunde Firmen

Die Unternehmen, so steht es in dem Programm,  dürfen zum 31. Dezember 2019 nicht in Schwierigkeiten gewesen sein und müssen "geordnete wirtschaftliche Verhältnisse" aufweisen.

Beim bisherigen Sonderkreditprogramm trägt die staatliche Förderbank KfW bis zu 90 Prozent des Kreditrisikos.

Aus der Wirtschaft waren wiederholt Klagen laut geworden, Kreditprüfungen der Hausbanken seien zu aufwendig und Kredite würden nicht vergeben, weil Firmen in der derzeitigen Krise nicht kreditwürdig seien. Wirtschaftsverbände hatten deshalb eine "Förderlücke" für den Mittelstand bei bisherigen Programmen beklagt.

Dem soll die 100-prozentigen Staatshaftung jetzt entgegenwirken. Die Kredithöhe liegt dem Programm zufolge bei drei Monatsumsätzen des Jahres 2019 - maximal jedoch pro Unternehmen mit elf bis 50 Mitarbeitern bei 500.000 Euro. Bei Unternehmen ab 50 Mitarbeitern soll es bis zu 800.000 Euro Kredit geben.

Zuschüsse für die Kleinsten

Anders als für diese mittelgroßen Unternehmen gibt es für Solo-Selbstständige und Firmen mit bis zu zehn Beschäftigten staatliche Direktzuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Der Bund gibt dafür Mittel im Volumen von bis zu 50 Milliarden Euro.

Der Industrieverband BDI begrüßte die neue Regelung: "Es ist gut, dass die Bundesregierung jetzt die Mittelstandslücke schließt", sagte Verbandssprecher Joachim Lang. Für mittelständische Unternehmen sei es überlebenswichtig, schnell und unbürokratisch Kredite zu erhalten.

Lob von Verbänden und Ökonomen

Nach einer Umfrage des Deutsche Industrie- und Handelskammertag sieht sich derzeit jeder fünfte Betrieb im Land von der Pleite bedroht.

Zustimmend äußerten sich auch Ökonomen. "Wichtig ist, dass weiterhin zwischen guten und schlechten Unternehmen unterschieden wird. Das ist hier gewährleistet", sagte Finanzprofessor Jan Pieter Krahnen von der Goethe-Universität Frankfurt.

Im Gegensatz zu den Direkthilfen für Kleinstunternehmen gebe es dabei ein relativ geringes Missbrauchspotenzial, da nur Unternehmen Geld erhalten sollen, die in den vergangenen Jahren Gewinne geschrieben haben, sagte der Ökonom Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim hervor.

ar/bea (dpa, reuters, afp)