Corona aktuell: Todeszahlen auf Rekordhöhe | Aktuell Welt | DW | 08.01.2021
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COVID-19

Corona aktuell: Todeszahlen auf Rekordhöhe

Nicht nur aus Deutschland werden traurige Spitzenwerte gemeldet. Die EU verdoppelt ihre Impfstoffbestellung. China stemmt sich gegen die zweite Corona-Welle.

Coronavirus - Berlin Intensivpflege

Viele Intensivstationen in Deutschland arbeiten unter höchster Belastung (Archivbild)

In Deutschland ist die Zahl der offiziell erfassten Corona-Todesfälle auf einen Rekordwert gestiegen. 1188 Menschen seien binnen eines Tages an oder mit dem Virus gestorben, teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) mit. Der bisherige Höchststand von 1129 wurde vor gut einer Woche verzeichnet. Die Gesundheitsämter meldeten 31.849 Neuinfektionen.

Weil um Weihnachten und den Jahreswechsel herum weniger Menschen zum Arzt gingen und getestet wurden, sind die Werte nur eingeschränkt belastbar. Experten rechnen damit, dass erst ab Anfang übernächster Woche ein klares Bild vorliegt, wie sich das Infektionsgeschehen über die Feiertage hinweg entwickelt hat.

Belgien Brüssel | Pressekonferenz Brexit | Ursula von der Leyen

300 Millionen Impfdosen zusätzlich: Ursula von der Leyen (Archivbild)

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union wollen am 21. Januar erneut über das weitere Vorgehen in der Pandemie beraten. Die EU-Kommission stockte unterdessen ihre Bestellung des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer auf das Doppelte auf. Es seien zusätzliche 300 Millionen Impfdosen geordert worden, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Davon sollten 75 Millionen Dosen bereits im zweiten Quartal zur Verfügung stehen. Der neue Vertrag folgt auf Klagen über eine Impfstoffknappheit in Deutschland und anderen EU-Staaten. Bereits zuvor hatte die Europäische Union für alle 27 Mitgliedsländer 300 Millionen Impfstoffdosen bei BioNTech/Pfizer bestellt.

Jetzt sechs statt bisher fünf Dosen pro Ampulle

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA genehmigte die Entnahme von sechs statt bisher fünf Dosen dieses Wirkstoffs aus einer Ampulle. Wie ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums bestätigte, können damit mehr Menschen als bisher mit der gleichen Vakzinmenge immunisiert werden, was die Impfungen beschleunigen dürfte.

Laut einer vorläufigen Studie der Universität Texas, an der Pfizer selbst beteiligt war, wirkt das Mittel auch gegen die neuen Varianten des Virus, die zuerst in Großbritannien und Südafrika aufgetaucht waren. Hier werde ebenfalls eine Immunisierung von 95 Prozent der Geimpften erreicht, heißt es nach einem Experiment mit archiviertem Blutserum von lediglich 20 Probanden. Weitere Untersuchungen seien allerdings nötig.In Großbritannien wächst dagegen die Besorgnis angesichts der Mutationen, "weil es sein könnte, dass der Impfstoff darauf nicht in gleicher Weise anspricht", wie Verkehrsminister Grant Shapps dem Radiosender LBC sagte.

Moderna-Impfstoff auch in Großbritannien zugelassen

Inzwischen ließ auch das Vereinigte Königreich - nach der EU - den Corona-Impfstoff des US-Herstellers Moderna zu. Nach dem Vakzin von Biontech/Pfizer sowie dem heimischen Impfstoff der Universität Oxford und dem Konzern Astrazeneca ist es bereits das dritte Präparat, das in Großbritannien geimpft werden darf. Es wurden 17 Millionen Dosen des Moderna-Mittels geordert. Der Impfstoff gilt als ebenso wirksam, aber etwas unkomplizierter in der Verwendung als das Mittel von Biontech/Pfizer. Er muss anders als das Mittel von Biontech/Pfizer nicht bei minus 70 Grad gekühlt werden.

Coronavirus | Impfstoff | Moderna

Der Impfstoff von Moderna hat einen großen Vorteil: Er muss nicht auf Minus 70 Grad Celsius gekühlt werden

Bislang wurden in Großbritannien nach Angaben der Regierung rund 1,5 Millionen Menschen gegen Corona geimpft. Das Tempo der Impfkampagne soll jedoch deutlich beschleunigt werden, um dem außer Kontrolle geratenen Virus Herr zu werden. Ziel ist es, bis Mitte Februar den besonders gefährdeten 15 Millionen Briten eine erste Impfung anzubieten.

Infektionsrekord auf den Balearen

Die Urlaubsinsel Mallorca, die Region Madrid und weitere Teile Spaniens haben sich wegen anziehender Infektionszahlen für eine erneute Verschärfung der Corona-Maßnahmen entschieden. Nach einem regionalen Infektionsrekord auf den Balearen müssen auf Mallorca ab Dienstag alle Restaurants, Bars und Cafés sowie auch alle Kaufhäuser, Einkaufs- und Fitnesszentren für zwei Wochen geschlossen bleiben, wie die balearische Regierungssprecherin Pilar Costa in Palma mitteilte. Im Einzelhandel sind alle Läden mit einer Verkaufsfläche von mehr als 700 Quadratmetern betroffen. Erlaubt bleibt der Verkauf von Lebensmitteln, Medikamenten und allen Produkten des Grundbedarfs.

Iberisches Hausschwein

Die Extremadura ist die derzeit von Corona am schwersten getroffene Region Spaniens

Mit 529 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen sind die Balearen nach Extremadura an der Grenze zu Portugal (716) die derzeit von Corona am schwersten getroffene Region Spaniens. Mit 707 Infektionen binnen 24 Stunden hätten die Inseln den höchsten Wert seit Ausbruch der Pandemie registriert, sagte die regionale Gesundheitsministerin Patricia Gómez. Besonders schlimm ist die Lage auf Mallorca, wo es innerhalb eines Tages 485 Neuinfektionen gab.

In der Region um Madrid werden ab Montag weitere neun Gemeinden und 23 kleinere Bezirke für zwei Wochen abgeriegelt, wie die Regionalregierung bekanntgab. Damit erhöht sich die Zahl der abgesperrten Gebiete, die man nur mit triftigem Grund verlassen oder betreten darf, auf insgesamt 14 Gemeinden und 41 kleinere Bezirke. Betroffen sind rund 1,2 Millionen der insgesamt 6,7 Millionen Bewohner der sogenannten Autonomen Gemeinschaft.

Schweden schwenkt um

Schweden leitet derweil einen Schwenk seiner Corona-Politik ein. Der Reichstag beschloss ein Pandemiegesetz, das den Behörden erlaubt, zum Beispiel Geschäfte, Einkaufszentren, Fitnessstudios oder andere Einrichtungen zu schließen und Kontaktbeschränkungen zu verhängen. Das Gesetz gilt vorläufig bis September. Bisher ging das skandinavische Land einen Sonderweg und verzichtete weitgehend auf staatliche Restriktionen im Kampf gegen das Virus. Gemessen an der Bevölkerungszahl hat Schweden derzeit im Vergleich zu Deutschland eine deutlich höhere Ansteckungsrate.

Brasilien Corona l Desinfektion im Slum von Rio de Janeiro

Mehr als 200.000 Corona-Tote in Brasilien: Desinfektion in einem Slum von Rio de Janeiro (Archivbild)

Viele Länder weltweit kämpfen gerade mit einer zweiten Welle der Pandemie. In den USA stieg die Zahl der Todesfälle binnen 24 Stunden erstmals über die Marke von 4000. Zusammengerechnet starben damit mehr als 365.000 Menschen an oder mit dem Erreger SARS-CoV-2. Zudem wurden 274.703 Neuinfektionen verzeichnet.

China riegelt zwei Metropolen von der Außenwelt ab

In Brasilien wuchs die Zahl der Corona-Toten auf insgesamt 200.498. Innerhalb eines Tages infizierten sich 87.843 Menschen mit dem Virus. Nach den USA und Indien verzeichnet das größte und bevölkerungsreichste Land in Südamerika die meisten Ansteckungen. Das Gesundheitsministerium kündigte an, 100 Millionen Dosen des chinesischen Impfstoffs "Coronavac" zu kaufen, der in Brasilien aber noch nicht zugelassen ist.

Corona-Pandemie | Impfstoff von BioNTech/Pfizer

Experten prüfen Wirksamkeit gegen Virusmutationen: Wirkstoff von BioNTech/Pfizer (Archivbild)

In China, wo die Pandemie nach Ansicht westlicher Wissenschaftler ihren Ausgang genommen haben könnte, stemmen sich die Behörden angesichts des nahenden chinesischen Neujahrsfests und der üblichen Reisebewegungen gegen eine neue Infektionswelle. In der nordöstlichen Provinz Hebei wurde eine zweite Millionenstadt weitgehend abgeriegelt. Nach der Metropole Shijiazhuang ist nun auch die Stadt Xingtai betroffen, in der etwa sieben Millionen Menschen leben. Nur in dringenden Fällen dürften Anwohner die entsprechenden Zonen verlassen, teilten die Behörden mit. Shijiazhuang liegt etwa 300 Kilometer südlich der Hauptstadt Peking.

Ist der Impfstoff halal?

Während in westlichen Ländern vor allem die Wirksamkeit eines Impfstoffs und mögliche Nebenwirkungen im Mittelpunkt der Debatte stehen, betrachten Muslime eine Immunisierung auch unter religiösen Gesichtspunkten. Die Ulema - also der Rat der Religionsgelehrten - in Indonesien erklärte das chinesische Vakzin "Coronavac" für halal. Das bedeutet, das vom Sinovac-Konzern entwickelte Mittel ist unter religiösen Gesichtspunkten zulässig. Indonesien ist der Staat mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit.

jj/pg (dpa, afp, rtr)

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