COP26: Die Klimarettung verzögert sich wegen Covid-19 | Welt | DW | 03.04.2020
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Klimawandel

COP26: Die Klimarettung verzögert sich wegen Covid-19

Wegen der Corona-Pandemie wird die COP26 verschoben. Die wichtigste Klimakonferenz seit dem Pariser Abkommen von 2015 soll nun im kommenden Jahr stattfinden. Doch wann genau, ist offen. Umweltorganisationen sind besorgt.

Verschiebung des Klimagipfels wegen Coronavirus (Getty Images/WPA/J. Selwyn)

Der britische Premier Boris Johnson (r.) gab im Februar den Startschuss zur COP26, die nun nicht stattfindet

Corona hat Vorrang, das Klima muss warten: Die mit Spannung erwartete nächste UN-Klimakonferenz wurde diese Woche offiziell verschoben."Die Welt steht derzeit vor einer beispiellosen globalen Herausforderung, und die Länder konzentrieren ihre Bemühungen zu Recht auf die Rettung von Leben und den Kampf gegen Covid-19. Deshalb haben wir beschlossen, die COP26 zu verschieben", so Konferenzpräsident Alok Sharma.

Die COP26 sollte eigentlich vom 9. bis 20. November in Glasgow stattfinden. Klimaschützer hofften, dass in der schottischen Stadt die weichgespülten Vereinbarungen der COP25, die im vergangenen Jahr in Madrid stattfand, nachgebessert würden.

Große Erwartungen an Glasgow

Obwohl die Konferenz im Dezember 2019 mit über zwölf Tagen eine Rekordlänge hatte, gelang es den Unterhändlern in der spanischen Hauptstadt weder, eine Einigung über einen Marktmechanismus zu erzielen, der Regeln für den Handel mit Emissionsrechten festlegen würde, noch konnten sie sich darauf einigen, wie ärmere Länder beim Schutz vor den Auswirkungen des Klimawandels unterstützt werden können.

Ein Hundeschlitten gleitet durch blaues Schmelzwasser über dem Schnee (picture-alliance/AP/Danmarks Meteorologiske Institut/S.M. Olsen)

Durch den Temperaturanstieg haben die arktischen Regionen in den vergangenen Jahren erhebliche Mengen Schnee und Eis verloren

Auf der COP26 in Glasgow sollte nun auch zum ersten Mal seit 2015 das Pariser Abkommen überprüft werden. Im Rahmen dieses Abkommens hatten sich fast 200 Länder darauf geeinigt, durch die Reduzierung von Emissionen, den weltweiten Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Doch seit Paris hat sich viel auf der Welt verändert. So sind auf der einen Seite die USA unter Präsident Donald Trump aus dem ehrgeizigen Klimaabkommen ausgeschert. Andererseits hat sich die von Greta Thunberg angestoßene Fridays-for-Future-Bewegung weltweit Gehör verschafft.

Organisationen fordern weitere Klimaanstrengungen

Auch wenn sich alle einig sind, dass Gesundheit und Sicherheit der Menschen in aller Welt derzeit die oberste Priorität haben, sollte die Corona-Pandemie nicht die Klimakrise überschatten - denn die wird bald unumkehrbar, warnen Wissenschaftler.

"Die Regierungen müssen jetzt Antworten auf die globale Gesundheitskrise finden, aber sie können den Klimaschutz nicht ignorieren", so Ann-Kathrin Schneider vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

So sieht es auch Tasneem Essop vom Climate Action Network (CAN), einem Zusammenschluss von weltweit rund 1300 Umweltorganisationen: "Erinnern wir uns daran, dass diese Pandemie vor dem Hintergrund einer ökologischen Krise stattfindet."

Auch Emma Howard Boyd, Vorsitzende der Environment Agency, der öffentlichen Umweltagentur in Großbritannien, macht deutlich, dass trotz der Pandemie die Reduktion von Emissionen und die Bemühungen um eine nachhaltige globale Wirtschaft wesentlich bleiben und schnell wieder aufgenommen werden sollten.

Der Direktor der Denkfabrik "Power Shift Africa" sorgt sich, dass die Industriestaaten ihre durch Corona lahmende Wirtschaft versuchen, auf Kosten des Klimaschutzes wieder in Gang zu bringen: "Die Wirtschaft des reichen Nordens darf nicht mit schmutzigen Investitionen angekurbelt werden, die zu Klimaschäden im globalen Süden führen."

2020 entscheidend für den Klimawandel

Vor der Covid-19-Pandemie galt das Jahr 2020 als entscheidend für die Klimapolitik. Grüne Politiker und Aktivisten hofften, dass die Dynamik der weltweiten Umweltproteste zu grundlegenden strukturellen Verschiebungen im Energiesektor führen würde, weg von fossilen Brennstoffen.

Die Notwendigkeit dringender Klimaschutzmaßnahmen hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen, da immer mehr wissenschaftliche Berichte auf die Unumkehrbarkeit der globalen Erwärmung hinweisen, falls Politiker nicht rechtzeitig handeln.

Eine kleine Gruppe von Menschen bahnt sich ihren Weg durch die Berge des Himalaja, in dem kein Eis und Schnee zu sehen ist (Getty Images/P. Mathema)

Wasser wird im Himalaja knapp, die Gletscher verlieren jedes Jahr acht Milliarden Tonnen Wasser

Bereits der Sonderbericht des Weltklimarats (IPCC) von 2018 zeigt, wie schlimm die Situation selbst bei einem globalen Temperaturanstieg um nur 1,5 Grad Celsius werden würde. Seitdem veröffentlichte der IPCC  zwei weitere Berichte, in denen die Experten vor den Folgen zu hoher Treibhausgas-Emissionen warnen.

Dem Weltklimarat zufolge hat sich die Erwärmung der Ozeane seit 1993 mehr als verdoppelt, und selbst wenn die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzt würde, wären die Auswirkungen auf die Küstenökosysteme immer noch "schwerwiegend".

Bei einem vergleichbaren Erwärmungsszenario für Land und Boden würde Wüstenbildung die Nahrungsmittelversorgung von fast 180 Millionen Menschen gefährdet.

"Wir müssen von diesem Jahr an zeigen, wie wir in diesem Jahrzehnt eine Reduzierung von 45 Prozent der Emissionen gegenüber dem Niveau von 2010 erreichen und wie wir bis Mitte des Jahrhunderts Klimaneutralität erreichen", sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres Anfang März mit Blick auf die COP26. Doch nun starten die Verhandlungen dazu erst 2021. Einen konkreten neuen Termin für die Klimakonferenz haben die UN-Mitgliedsstaaten noch nicht festgelegt. Nur eines steht fest: Der Klimawandel wird wegen Corona nicht pausieren.

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