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SoHo-Club Berlin

16. Mai 2010

Als die Mauer fiel, war Berlin schmutzig, gefährlich, verboten. Jetzt will die Hauptstadt auch exklusiv sein und entdeckt: die geschlossene Gesellschaft. Zum Beispiel im neuen Club SoHo House. Da kommt nicht jeder rein.

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SoHo House in Berlin (Foto: dpa)
Wenig Pool für viel Geld: das SoHo House in BerlinBild: picture alliance/dpa

Man braucht schon eine Menge Geld und den richtigen Job, um im SoHo House Berlin, einem Club mit angeschlossenem Hotel, ein- und auszugehen. Wahrscheinlich auch eine gepuderte Nase oder das richtige Handtäschchen in der Armbeuge. Und die Ersten sind schon da. Ken und Rosana Stone, aus London. "Ach das ist ein sehr angenehmer Ort, wo man einfach sehr gerne ist und sich gerne aufhält. Und es ist auch ein bisschen so, als wäre man bei jemandem zu Hause", sagt Frau Stone.

Das Ganze nennt sich neudeutsch "Private Members Club" und ist eine Idee des 47-jährigen Hotelmanagers Nick Jones. Vor 15 Jahren hat er den ersten Club dieser Art in London gegründet, und nach New York und Hollywood ist jetzt Berlin an der der Reihe. "Wir wollen Individualisten und keine Schlipsträger", so Jones' Credo. Ken und Rosana hören gar nicht mehr auf zu schwärmen. "Wunderschön", sei es. Das Haus biete "pefekte Entspannung" und sei dabei "einfach sehr gemütlich". Besonders die Innenausstattung findet ihr Gefallen: "An den Wänden hängen tolle Bilder, es gibt viele hübsche Dinge zu entdecken."

SoHo House in Berlin (Foto: dpa)
Edel, edel - und in jedem Zimmer ein PlattenspielerBild: picture alliance/dpa

Nichts für den Normal-Geldbeutel

Wer im SoHo House residiert, muss es sich leisten können. Der Jahresbeitrag kostet 1200 Euro, wer jünger als 27 ist, braucht nur die Hälfte zu berappen. Dafür ist aber auch der weltweite Eintritt in alle SoHo Clubs inklusive. Bis auf die Drinks, die muss jeder selber zahlen. Der Vorteil, loben Insider: man ist unter Seinesgleichen. Die Berliner Dependance: ein hipper Spiel- und Tummelplatz der Kreativen. Das Erste, was man im Foyer sieht, sind Tischtennisplatten. Vielleicht findet Rosana Stone deshalb, dass es hier "familiärer" ist als in London. "Als ob ich einen Freund besuchen würde. Außerdem merkt man den Räumen ihre lange Geschichte an."

Chillen im SED-Club

Das Gebäude hat eine extrem schicksalhafte Geschichte. Zunächst dienste das denkmalgeschützte mächtige Eckhaus mit kolossaler Fassade in Berlin Mitte als jüdisches Kaufhaus, das von den Nazis "arisiert" wurde. Danach war es Sitz der Hitlerjugend. Nach 1946 nutzte es vor allem die SED – für Parteivorstand und Zentralkomitee. Später diente es als Fortbildungstätte für DDR-Funktionäre und als Parteiarchiv. Heute ist davon ist nur noch wenig zu sehen. Lediglich die Wandvertäfelung des Arbeitszimmers des ersten DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck ist erhalten. Jetzt befindet sich darin eine Lounge, die sich neckisch "Politbüro" nennt.

SoHo House in Berlin (Foto: dpa)
Hier residierte auch mal die SEDBild: picture alliance/dpa

Im Clubhotel SoHo House gibt man sich lässig, und hat daher alle Zimmer mit Plattenspieler und echten Vinylscheiben ausgestattet. In einigen Zimmern steht in der Mitte die Badewanne, die Wände sind mit Streifentapeten beklebt. Diese Mischung aus französischem Boudoir, Berliner Bar und englischem Club soll eine einzigartige Atmosphäre kreieren. Passend dazu tragen sonnengebräunte junge Frauen Miniröcke, enge Jeans, lässige Seidenkleider und wagenradgroße Sonnenbrillen.

Der Deutschland-Korrespondent der holländischen Tageszeitung Volkskrant, Merlin Schoonenboom, lächelt. Das Ganze sei ein erneuter, hilfloser Versuch, Berlin als London zu stilisieren. "Das ist das große Problem von Berlin", sagt er. "Es will eine Metropole werden, aber in dem Moment, in dem es Metropole ist, hat es zugleich seine große Anziehungskraft verloren, denn dann ist es eine Großstadt wie London."

Die günstige Alternative

Das wirklich Herausragende am Club SoHo House – der Pool ist leider zu klein geraten, man kann gerade mal seine Zehen reintauchen – ist die Terrasse. Von hier aus sieht die Stadt aus wie eine Puppenstube. Trotzdem ist die Aussicht für 1.200 Euro im Jahr zu teuer: im nicht einmal fünf Minuten entfernten Weekend Club gibt es den gleichen Blick, für einen Bruchteil des Geldes. So scheint das SoHo House irgendwie fehl am Platz.

Schließlich lieben es Berliner, anarchisch auf den Tischen zu tanzen. Dazu suchen sie illegale Clubs an wechselnden Orten auf, die letztendlich viel verrückter sind als ein Club Med über den Dächern von Berlin mit Barbourjacken-Lebensgefühl.

Autor: Christoph Richter

Redaktion: Manfred Götzke