Citizen Science: Ein Riesenstammbaum für Millionen Menschen | Wissen & Umwelt | DW | 02.03.2018
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Citizen Science: Ein Riesenstammbaum für Millionen Menschen

Das New York Genome Center hat einen Stammbaum für 13 Millionen Menschen zusammengestellt. Dazu haben heute lebende Hobby-Ahnenforscher Informationen über sich und ihre Vorfahren zugeliefert.

Es ist der größte Stammbaum der Welt, und die ältesten darin vermerkten Ahnen haben vor gut 500 Jahren gelebt. 13 Millionen Menschen sind in dem Werk aufgeführt, und alle sind irgendwie miteinander verbunden. 

Das sind mehr Menschen, als Belgien Einwohner hat. Im Durchschnitt konnte jedes darin enthaltene Familiengeflecht auf elf Generationen zurückverfolgt werden. Die meisten aufgeführten Menschen stammen aus den USA und Europa. In vielen Fällen gab es eine Migrationsgeschichte. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "Science" am 1. März veröffentlicht.

Laien bauen riesige Ahnen-Datenbank auf

Um den Stammbaum zusammenzustellen, haben amerikanische und israelische Forscher um Joanna Kaplanis vom  New York Genome Center noch viel mehr Daten untersucht: Insgesamt 86 Millionen Personenprofile, die an Ahnenforschung interessierte Laien aus der ganzen Welt auf der Ahnenforschungs-Webseite GENi bis dahin angelegt hatten, wurden gesichtet. 13 Millionen der Datensätze sind in die Erzeugung des Stammbaumes eingeflossen. Mittlerweile führt GENi mehr als 110 Millionen Personen. 

Altes Fotoalbum (Fotolia/Liudmila Travina)

Großes Interesse an Ahnenforschung: Mehr als 100 Millionen Menschen sind bereits in der geni.com Datenbank erfasst

Die Forscher untersuchten Geburts-, Heirats- und Sterbedaten. Um für alle 13 Millionen Menschen auf einen einzigen Vorfahren zu kommen, müsste der Stammbaum noch viel weiter zurückgehen, etwa auf 65 weitere Generationen.

Frauen zogen häufiger weg - aber nicht so weit

Und der Stammbaum lüftet einige Geheimnisse: Die Mobilität der Menschen war in der späten Neuzeit nicht sehr hoch. Die meisten Amerikaner fanden noch 1750 ihre Ehepartner meist im Umkreis von nur zehn Kilometern. Vor 1850 heirateten die meisten sogar häufiger innerhalb der Familie - im Durchschnitt einen Cousin vierten Grades.

Im Jahre 1950 Geborene waren da schon reiselustiger. Ihre Ehepartner lebten im Durchschnitt 100 Kilometer weit entfernt. Meistens waren es die Frauen, die den Wohnort wechseln mussten. Dafür reisten Männer, wenn sie denn migrieren mussten, deutlich weiter weg.

Wer lang leben will, braucht nicht nur gute Gene

Die Forscher fanden zudem heraus, dass Gene allein für die Langlebigkeit eines Menschen eine eher geringe Rolle spielen. Dazu analysierten sie eine Auswahl von drei Millionen Datensätzen von miteinander Verwandten, die zwischen 1600 und 1910 geboren wurden.

Der Familienvergleich ergab, dass in 16 Prozent der Fälle Gene den Ausschlag für langes Leben gaben. Bisher war man von bis zu 30 Prozent ausgegangen. Gute Gene könnten das Leben demnach um durchschnittlich fünf Jahre verlängern, folgern die Forscher. 

"Das ist nicht viel", resümiert Co-Autor Yaniv Erlich. "Andere Studien haben gezeigt, dass Rauchen zehn Jahre Lebenszeit kosten kann. Das heißt, manche Lebensentscheidungen fallen mehr ins Gewicht als die Gene."

fs/gri (sciencemag.org/dpa)

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