Christchurch-Attentäter wegen 50-fachem Mord angeklagt | Aktuell Welt | DW | 04.04.2019
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Neuseeland

Christchurch-Attentäter wegen 50-fachem Mord angeklagt

Seine Tat hat weltweites Entsetzen ausgelöst. Der Attentäter von Christchurch hatte in zwei Moscheen 50 Menschen getötet. Nun wird gegen ihn Anklage erhoben. Zudem wurden weitere Spenden an Identitäre bekannt.

Der mutmaßliche Attentäter von Christchurch soll sich wegen 50-fachen Mordes vor Gericht verantworten müssen. Dies teilte die Polizei knapp drei Wochen nach dem Anschlag auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Großstadt mit.

Gegen den 28 Jahre alten Rechtsextremisten aus Australien soll an diesem Freitag zudem Anklage wegen versuchten Mordes in 39 Fällen erhoben werden. Der ehemalige Fitness-Lehrer Brenton Tarrant soll dazu vor einem Richter in Christchurch selbst Stellung nehmen. Dazu wird er allerdings nicht persönlich erscheinen, sondern per Videoschaltung aus einem Hochsicherheitsgefängnis befragt.

Lebenslange Haft?

Bei einer Verurteilung droht dem 28-Jährigen lebenslange Haft. Der Australier hatte die Tat mit einer Helmkamera live ins Internet übertragen. Kurz zuvor hatte er ein Pamphlet mit rechtsradikalen und rassistischen Parolen ins Internet gestellt und auch per Mail verschickt. Die Polizei prüft nach eigenen Angaben noch, ob weitere Anklagen erhoben werden. Sie sprach zudem von "Terror-Angriffen".

Der Angriff vom 15. März war der schlimmste Massenmord eines einzelnen bewaffneten Mannes in Neuseeland.

Symbolfoto: Generation Identitaire, Frankreich (getty Images/AFP/M. Alexandre)

Die "Génération Identitaire" - eine rechtsextreme Bewegung - ist in Frankreich aktiv (Archivbild)

Mehrere Spenden an rechtsextreme Identitäre

Inzwischen wurde bekannt, dass der Attentäter die sogenannte Identitäre Bewegung in größerem Umfang unterstützt hatte als zunächst bekannt. Eine Spende an den österreichischen Ableger der rechtsextremen Bewegung war kurz nach dem Anschlag öffentlich geworden. Wie nun ein Beamter des Bundeskriminalamtes (BKA) dem Innenausschuss des Bundestages mitteilte, sollen auch französischen Identitäre, die "Génération Identitaire" Geld von dem Attentäter erhalten haben. Das berichten Teilnehmer der Sitzung. Demnach habe der tatverdächtige Australier zwischen dem 18. und 25. September 2017 insgesamt 2.200 Euro an die Gruppe geschickt.

Extremist reiste auch nach Deutschland

Offenbar hat er sich während einer Europa-Reise auch in Deutschland aufgehalten. Am 30. November 2018 hat er seine Kreditkarte an der Besucherkasse von Schloss Neuschwanstein benutzt. Da er mit seiner Karte am Morgen und Abend des selben Tages auch in Österreich bezahlt habe, sei aber wohl nur von einem kurzen Abstecher nach Deutschland auszugehen.

Den Sitzungsteilnehmern zufolge berichtete der BKA-Beamte weiter, dass der Australier am 9. Mai 2014 Geld auf das Konto eines Deutschen aus Tübingen überwiesen habe. Als Überweisungsgrund wurde ein "Tauchlehrgang auf den Philippinen" im Februar 2015 genannt. Der Empfänger des Geldes sei zwar polizeibekannt, allerdings nicht in Zusammenhang mit Extremismus oder politisch motivierter Kriminalität, berichtete ein Teilnehmer der Sitzung.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) erklärte am Mittwoch in Wien, dass der Christchurch-Attentäter aktuellen Ermittlungen zufolge rund 60 Länder weltweit besucht habe, darunter mehr als 20 EU-Länder. "Es gibt derzeit noch keine Hinweise darauf, ob er dort mit rechtsextremen Kräften Austausch gepflegt hat oder ob das normale touristische Aktivitäten waren", sagte Kurz.

as/cgn (dpa, rtr, afp)

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