Chinesische Raumstation soll um Ostern auf die Erde stürzen | Wissen & Umwelt | DW | 21.03.2018
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Weltraum

Chinesische Raumstation soll um Ostern auf die Erde stürzen

Die chinesische Raumstation Tiangong 1 trudelt unkontrolliert durchs Weltall. Nach Schätzungen von Experten wird sie voraussichtlich in wenigen Tagen auf die Erde stürzen. Wann und wo genau ist allerdings unbekannt.

China Shenzhou 10 dockt an Tiangong-1 (picture-alliance/dpa)

Die Raumfähre Shenzou 10 beim Andocken an Tiangong 1 (Archivbild)

Es wurde lange darüber spekuliert, ob die Chinesen ihre 8,5 Tonnen schwere Raumstation Tiangong 1, zu deutsch "Himmelspalast", noch im Griff haben. 2016 beendete China das Rätselraten mit einer offiziellen Bestätigung: Wir haben die Kontrolle über Tiangong 1 tatsächlich verloren. Zwischen Oktober 2017 und April 2018 werde die Raumstation abstürzen, teilte die chinesische Raumfahrtagentur CNSA der UN in einer Stellungnahme kurz darauf mit. Jetzt steht fest: Der Absturz steht unmittelbar bevor. Experten der Europäischen Raumfahrtagentur ESA rechnen ab Karfreitag damit. 

Ein Großteil der Tiangong 1 wird beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen. Je nach Bauart der Raumstation überstehen allerdings etwa 10 Prozent der Gesamtmasse den Fall durch die Atmosphäre. Im Falle Tiangong 1 heißt das: Trümmer von insgesamt etwa 850 Kilogramm Gewicht könnten vom Himmel fallen.

Wann genau die Trümmer aufschlagen werden, können Experten erst direkt vor dem Absturz bestimmen. "Drei bis vier Tage vorher können wir den genauen Tag eingrenzen, am Tag selbst dann im besten Fall den Zeitpunkt bis auf einige Stunden bestimmen", sagte Holger Krag von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA am Mittwoch.

Start von Tiangong-2 im Jiuquan Satellite Launch Center

Im September 2016 wurde die Tiangong 2 ins All geschossen

Auch wie groß die Einzelteile sein werden, lässt sich kaum vorhersagen. Die Raumfahrtagentur CNSA beobachte die Raumstation, um deren Wiedereintritt in die Atmosphäre möglichst genau vorhersagen zu können. Anschließend werde die Öffentlichkeit informiert. Dass Trümmerteile auf Deutschland, Österreich oder die Schweiz fallen, schließt die ESA aus.

Warum? Reine Spekulation!

Über die Gründe für den Kontrollverlust der 2011 in Betrieb genommenen Raumstation lässt sich nur spekulieren, woran sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) nicht beteiligen will. Was auf der Tiangong 1 passiert sei, darüber hätte man keine Informationen. Die Chinesen hätten sich beim International Astronautical Congress in Adelaide Ende September 2017 in Schweigen gehüllt. 

Sicher ist, der Himmelspalast wird stetig langsamer und verlässt dabei seine eigentlich Umlaufbahn in Richtung Erde. Das alleine ist für Raumstationen nicht ungewöhnlich, sondern eher normal. Deswegen werden sie - zum Beispiel auch die ISS - regelmäßig beschleunigt und so zurück auf ihre Bahnen befördert.

Bei der Tiangong 1 ist das aber gar nicht mehr möglich. Sie sinkt - laut CNSA - durchschnittlich 160 Meter am Tag. Mittlerweile ist sie auf unter 250 Kilometer abgesackt. Auf dieser Höhe ist die Atmosphäre dichter, was die Zersetzung der Raumstation beschleunigt. 

Eine Gefahr besteht durch die herabfallenden Trümmer laut Experten aber nicht. "Die Wahrscheinlichkeit von einem Trümmerteil verletzt zu werden, ist so hoch wie die Möglichkeit von einem Blitz zweimal in einem Jahr getroffen zu werden", sagte Krag.

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